Lederwaren- u. Kofferfabrik M. Mädler

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Denkmalstatus:

Lederwaren- und Kofferfabrik Moritz Mädler
VEB Werkzeuge Leipzig
Wohnanlage

Luppenstraße 1, 04177 Leipzig
Lindenau

1886

Koffer- und Lederwaren, Leichtindustrie

Grundstück 4.790 m² – Nutzfläche ca. 4000 m²

Obj.-Dok.-Nr.: 09261543

Bau- und Firmengeschichte:

Carl Moritz Mädler gründete 1850 in Wurzen eine Lederwarenfabrik. Seine Söhne Paul und Anton verlagerten den Betrieb 1886 nach Lindenau bei Leipzig in die Luppenstraße 1, wo mit über 300 (später 550) Arbeitskräften Koffer und Taschen hergestellt wurden. Die Fabrik firmierte zu dieser Zeit als “Königlich Sächsische concessionirte Koffer- und Lederwaren-Fabrik Moritz Mädler”. Die hohe Qualität und Innovationen wie der Welt-Bahnkoffer machten die Firma weltbekannt.

Moritz Mädler, Anzeige (1910)

Der eigentliche Durchbruch zum Weltruhm erfolgte 1894 nach der Patentierung eines Verfahrens zur Herstellung des Rohrplattengewebes (Patentschrift Nr. 85676). Die Rohrgewebsplatte bestand aus Rohrstäben, welche in Flachssegeltuch eingewebt waren. Durch dieses Verfahren war es möglich, leichte wasserdichte Koffer, Schrankkoffer und Hutkoffer herzustellen. Der Verkauf erfolgte zunächst ausschließlich über die firmeneigenen Filialen, ab etwa 1900 auch per Versand. Um die Jahrhundertwende wurde das Sortiment um Damentaschen erweitert, später kamen staub- und wasserdichte Autokoffer hinzu.

Der Bau eines Messehauses mit mondäner Passage über Auerbachs Keller (1912–1914) machte Anton Mädler über die Stadtgrenzen Leipzigs hinaus bekannt. In Leutzsch steht die Fabrikantenvilla, bekannt als Mädler-Villa, und bildet einen imposanten Gebäudekomplex. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Firma nach Offenbach in Westdeutschland und in die Schweiz verlagert. Im Jahr 1984 meldete sie Konkurs an.

Objektbeschreibung:

Die historische Lederwaren- und Kofferfabrik Moritz Mädler wurde 1886 in Lindenau in Betrieb genommen. Das denkmalgeschützte Bauwerk ist in der damals fortschrittlichen Stahlbetonskelett-Bauweise errichtet worden. Es hatte einschließlich der Nebengebäude etwa 4.000 m² Nutzfläche, bei einer Grundstücksfläche von 4.790 m².

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in Lindenau stark beschädigt. In den nutzbaren Räumen residierte in der DDR der VEB Werkzeuge Leipzig und produzierte unter anderem Druckluftnagler. Ab 1990 erfolgte eine Zwischennutzung durch das neu gegründete Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO). 2012 begann die Sanierung des Gebäudekomplexes und der Umbau zu einer Wohnanlage.

Quellen/Literatur/Links:

https://www.deutsche-biographie.de/sfz126734.html
https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_M%C3%A4dler
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:M%C3%A4dler_kofferfabrik_Leipzig.jpg
https://digiboard5.htwk-leipzig.de/ausstellung/aussteller/beispiele/koffer-und-taschenfabrik-moritz-maedler/

Autor/in:       Frank Heyme
Datum:          Februar 2021