Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG, Leipzig

Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. AG, Leipzig
Plagwitz

Erich-Zeigner-Allee 64
04229 Leipzig

Lage:
Ecklage Limburger-/Zschochersche Straße

Kurzcharakteristik:
Fabrikgelände mit Produktions- und Verwaltungsbauten, Heizhaus, Einfriedung, Kelleranlage und Pförtnergebäude um 1955

Datierung:
um 1900 (Fabrik)

Nutzung (ursprünglich)/Industriezweig/Branche:
Kammgarnspinnerei/Textilindustrie

Bau- und Firmengeschichte:
Im Jahre 1880 gründete der aus Eisenach stammende Kaufmann Paul Rudolph Eduard Stöhr die Kammgarnspinnerei Stöhr & Co. KGaA in Kleinzschocher bei Leipzig. Seit 1893 hatte das Unternehmen seinen Sitz in Leipzig-Plagwitz auf der Kanalstraße (bis 1949: Elisabethallee; heute: Erich-Zeigner-Allee). Das Unternehmen expandierte: In New York (1889) und in Neschwitz bei Tetschen in Böhmen (1902) entstanden Tochtergesellschaften.
1911 wurde die Gesellschaft in eine AG unter Angliederung der Kammgarnspinnerei C. F. Solbrig Söhne AG in Chemnitz umgewandelt. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte sich das weltweit operierende Unternehmen mit ca. 3000 Beschäftigen zu einem der größten Leipziger Industriebetriebe entwickelt. In den 1920er Jahren setzte die Stöhr & Co. AG ihre Expansionsaktivitäten fort: 1921 erfolgte die Übernahme der Aktienmehrheit an der Leipziger Wollkämmerei, im Jahre 1928 wurde die Kammgarnspinnerei Gautzsch AG bei Leipzig als Zweigwerk übernommen. Während des Zweiten Weltkrieges stellte die Kammgarspinnerei auf Rüstungsproduktion um. Nach dem Volksentscheid 1946 folgten die Enteignung und die Löschung aus dem Handelsregister. Der Nachfolgebetrieb firmierte als VEB Mitteldeutsche Kammgarnspinnerei. 1969 wurde der Betrieb mit der Leipziger Wollgarnfabrik (ehemals Tittel & Krüger) zum Großbetrieb Leipziger Buntgarnwerke zusammengeschlossen. Bevor die Buntgarnwerke Mitte der 1970er Jahre in der Nonnenstraße zentralisiert wurden, befanden sich u.a. Zentrallager und Blechverformerwerkstatt in der Erich-Zeigner-Allee 64. Bis 1992 nutzte der VEB Leipziger Bekleidungswerke Vestis das Gebäude und setzte die Tradition der Textilproduktion fort. Die Stöhr AG produzierte ab 1948 im westdeutschen Reydt-Odenkirchen (heute Mönchengladbach). 2010 erfolgte die Liquidation der Stöhr & Co. AG i.L..
Nach dem Zusammenbruch der DDR wurde das Gelände der ehemaligen Kammgarnspinnerei an einen Kölner Investor veräußert und von 1992 bis 2003 durch die Firma Bernd Berger Mode vorrangig zur Produktion von Bekleidung genutzt, zudem wurden Teile des großen Gebäudekomplexes fremd vermietet. 2003 meldete Berger Mode Konkurs an, was die Schließung der Produktion zur Folge hatte. Das Amtsgericht Leipzig ordnete die Zwangsverwaltung des Gebäudes an.

Charakterisierung:
Das Gelände der früheren Kammgarnspinnerei erstreckte sich im Westen bis zur Wachsmuthstraße. Mitten durch das Firmengelände führte die Zschochersche Straße. Die einzelnen Gebäude wurden unterschiedlichen Nutzungen zugeführt. Entsprechend der differenzierten Nutzungsstruktur waren sie unterteilt in Produktion und Verwaltung, zudem existierte ein Kraftwerk, das Dampf für die Produktion und Strom produzierte. Der heute vor allem für Ateliers genutzte Bereich entspricht dem ehemaligen Verwaltungstrakt.
Das Firmenareal wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört, so dass heute nur noch Reste der ursprünglichen Bebauung erhalten sind. Die weiträumigen Fabrikhallen mit den charakteristischen Sheddächern wurden ebenfalls im Krieg zerstört.
Eine Sanierung des Gebäudekomplexes Erich-Zeigner-Allee 64 erfolgte letztmals in den 1970er Jahren.
Das Pförtnergebäude datiert auf das Jahr 1955 .

Quellen und Literatur:
http://www.stoehr-ag.de/ag/de/start.php?content=stoehr_profil
http://www.archiv.sachsen.de/archive/leipzig/4208_3230393235.htm

Autor/in:
Juliane Gölzner