Zeitzeugengespräch: Frank Schöbel
Frank Schöbel ist ein bekannter deutscher Schlagersänger, Komponist und Schauspieler aus der ehemaligen DDR. Er wurde am 11. Dezember 1942 in Leipzig geboren und gehört zu den erfolgreichsten Schlagersängern der DDR. Seine Karriere begann Anfang der 1960er Jahre. Zunächst absolvierte er jedoch eine Ausbildung im VEB Medizintechnik Leipzig. In diesem Zeitzeugengespräch erzählt Frank Schöbel von seiner Lehrzeit und davon, wie er zur Musik gekommen ist.
Interviewer: Guten Tag, Herr Schöbel. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Gespräch nehmen. Können Sie uns etwas über Ihre Lehrzeit erzählen?
Frank Schöbel: Sehr gern. Ich habe erst die mittlere Reife gemacht und wurde dann bei VEB Reprotechnik, Druckmaschinen, Setzmaschinen angenommen. Der Lehrbetrieb allerdings war der VEB Medizintechnik. In meinem Bericht zum Lehrbeginn kann man lesen: »Uns wurde vor Augen geführt, was VEB Medizintechnik früher war, welche Möglichkeiten man hatte und welche wir heute haben. Es ist bezeichnend, dass aus diesem Kriegsbetrieb ein medizinischer Betrieb wurde. Die Arbeiter brauchten endlich einmal nicht mehr für Vernichtung und Tod zu bauen, sondern für die Gesundheit der Werktätigen. Das birgt wiederum eine hohe Verantwortung in sich, denn fast an jedem Werkstück, das den Betrieb verlässt, hängen Menschenleben.«
Interviewer: Was haben Sie dort während Ihrer Ausbildung gelernt?
Frank Schöbel: Wir hatten Fächer wie Fachkunde, Werkstoffkunde, Mechanik, Staatsbürgerkunde, Fachzeichnen, Fachrechnen, Betriebsökonomik, Mathematik etc. Und wurden eingeführt ins Meißeln, Scheren, Anreißen, Senken, Stempeln, Löten, Drehen, Schmieden, Gewindeschneiden, Sägen, Entgraten, Glühen, Montieren, Schleifen, Fräsen, Nieten, Bohren und anderes mehr. Dass ich beim Thema Ordnung und Sauberkeit besonders gut abschnitt, kann man vielleicht damit erklären, dass mein Aszendent Jungfrau ist:). Als der Hochofen in Fachkunde dran war, sagte der Lehrer: »Schreibt bitte nie, was ein Schüler zum Thema Hochofen als einziges bei der Prüfung auf einem großen Blatt stehen hatte: ›Oben kommt das Erz hinein, unten fließt die Schlacke ab, heißer Wind weht durch den Sack.‹« Das fand ich so lustig, dass ich es irgendwann meiner Tochter erzählte. Die hat sich dann in der Schule beim Thema Hochofen gemeldet und genau das ganz stolz »vorgetragen«. Die Klasse hat fürchterlich gelacht, das ist ihr heute noch peinlich.
Interviewer: Das ist wirklich eine lustige Geschichte! Nun möchten wir noch erfahren, was wurde in dem Betrieb hergestellt?
Frank Schöbel: Wir stellten Kappen für Soda Siphons her. Da mussten wir das Gewinde fräsen. Oder feilten stundenlang an schweren Taucherschuhen herum. Das waren einige Nebenprodukte. Medikamentenschränkchen, Zahnbohrer und anderes waren die Hauptprodukte. Irgendwann bekam ich als lieben Gruß von den Kollegen einen Schlüssel geschenkt, den ich als Korkenzieher benutzen konnte, sehr fein gemacht. Ich hab ihn immer noch und halte ihn in Ehren.
Interviewer: Wie lange haben Sie bei VEB Reprotechnik gearbeitet:
Frank Schöbel: Am 2. März 1962, schloss ich einen Arbeitsvertrag mit dem VEB Repro-Technik ab. Ich stand im Leistungslohn und bekam in der Stunde 1,51 Mark. Am 12.3. habe ich bereits gekündigt und stieg am 1. April 1962 beim Tanzorchester der Sonderklasse »Heinz Müller« im Haus Leipzig ein. Plötzlich betrug mein Stundenlohn 5,10 Mark! Wir spielten zum Tanz, etwa von 19 Uhr bis Mitternacht, und manchmal, an Sonnabenden bis 1 Uhr.
Interviewer: Wie sind Sie eigentlich zur Musik gekommen?
Frank Schöbel: Ich komme aus einer musikalischen Familie, als 7jähriger war ich im Vorbereitungslehrgang zum Thomanerchor. Im Februar 1962 wurde ich zu einer Schallplattenaufnahme in das AMIGA-Studio eingeladen. In Berlin sollte ich dann dem erlauchten Kreis um Wolfgang Kähne, dem Chef von AMIGA, Gerd Natschinski und Co. vorsingen. Ehe es dazu kam, mäkelte man gleich an meinem Namen rum. »Frank-Lothar geht überhaupt nicht. Sie sollten sich Frank Lotharsen nennen!« Da die Sache mit AMIGA nicht klappte, brauchte ich mich zum Glück auch nicht Frank Lotharsen zu nennen, was ich sowieso nicht gemacht hätte. Ab sofort ließ ich Lothar einfach weg.
Interviewer: Wie entwickelte sich Ihre Karriere danach?
Frank Schöbel: Seit dem 1. April 1962 bin ich als Sänger, Komponist, Texter, Produzent, Schauspieler, Buchschreiber, Moderator unterwegs. Allein 14 Titel aus meinem Repertoire waren in den jährlichen Schlagerparaden Nr. 1 „Hit des Jahres“, dazu viele 2. und 3. Plätze.
Nach Gitarren-, Klavier- und Gesangsausbildung begann 1962 meine Karriere als professioneller Sänger mit Berufsausweis. 1964 produzierte ich die erste Single und belegte gleich am Jahresende mit „Looky -Looky, Blonder Stern und Party Twist“ den 1. / 2. und 4. Platz der DDR-Hitparaden. Ein Start wie er besser nicht sein konnte.
Insgesamt komponierte ich bis heute über 400 Lieder, sang mehr als 600 Titel und schrieb etwa vier Dutzend Liedertexte. Hinzu kommen Hauptrollen in vier Spielfilmen, darunter „Heißer Sommer“ – einem DEFA-Streifen, der mittlerweile Kultstatus genießt. Eigene Fernseh-Shows wie „Frank und Freunde“ oder „Tour de Frank“, eigene Rundfunksendungen wie „Franks Beatkiste“ oder „Frank und frei“ setzten Maßstäbe und fanden großen Zuspruch beim Publikum…
Meine neue CD „Spiel des Lebens“ erschien am 13.3. 2026.
Alles andere findet man auf meiner Homepage: www.frank-schoebel.de
Interviewer: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Schöbel.
Frank Schöbel: Ich danke Ihnen.
Das Interview führte Silke Mayler im März 2026.
Wir bedanken uns herzlich bei Frank Schöbel für das interessante Interview und die zur Verfügung gestellten Unterlagen aus seiner Lehrzeit.







