Pittler AG (VEB Drehmaschinenwerk Leipzig)

Titel des Objekts: VEB Drehmaschinenwerk Leipzig; vormals Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. von Pittler AG

Adresse: Pittlerstr. 26, 04159 Leipzig

Ortsteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie / Maschinenbau

Kurzcharakteristik: Unternehmen zur Herstellung von Werkzeugmaschinen, insbesondere: Pittler-Revolverdrehbänke und Ein- und Mehrspindel-Automaten; selbstlösende Gewindeschneideköpfe und stufenlos regelbare Flüssigkeitsgetriebe.

Datierung: gegründet 1889

Objektgröße: ca. 32.000 m² Werkhallenfläche

Denkmalstatus: Obj.-Dok.-Nr. 09263881

Heutige Nutzung: Nach Leerstand und Verfall seit 1996 wird das Gebäude seit 2018 wieder genutzt und die Entwicklung zu einem nachhaltigen kulturellen Treffpunkt angestrebt https://pittlerwerke.org/de/

Bau- und Firmengeschichte:
Pittler war ein sehr bekannter Firmenname in der Messe-Stadt Leipzig und gehörte zu den größten Werkzeugmaschinenherstellern in Deutschland. Auch der Nachfolgebetrieb VEB Drehmaschinenwerk Leipzig (VEB DREMA Leipzig) setzte diese Erfolgsgeschichte nach 1948 fort. Zum VEB DREMA gehörte eine eigene Betriebsberufsschule in der Pfaffendorfer Straße (ehemals Dr. Kurt-Fischer-Straße; heute steht dort das Gondwanaland des Zoos Leipzig).

Im Jahr 1889 wird in Leipzig-Gohlis die Maschinenfabrik „Invention“ Wilhelm von Pittler zur Herstellung und Vertrieb von Maschinen gegründet. In dieser Zeit entwickelt sich der Bereich technische Maschinen und Werkzeuge rasant. Die Firma Pittler prosperiert. Sie wird bereits 1895 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmiert ab da unter Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. Von Pittler AG.

Parallel zur neuen Firmengründung entsteht 1899 in Leipzig-Wahren ein großes Werksgelände mit 4.000 m² Produktionsfläche als Basis der neuen AG. Vorzeigeprodukt der Leipziger sind Revolverdrehbänke, welche weltweit Absatz finden. Die Firma weitet sich weiter aus und hat im Stadtteil Plagwitz eine eigene Gießerei, um dort die Gussteile für die Maschinen herzustellen.

Im Jahr 1928 übernimmt man die Aktienmehrheit an der Magdeburger Maschinenfabrik AG. In dieser Zeit werden folgende Grundmaschinen hergestellt: Revolverdrehbänke, Fasson-Drehbänke, Einspindelautomaten, Vierspindelautomaten und Halbautomaten. Die Pittler Werke sind für den Stadtteil Leipzig-Wahren ein wichtiges Unternehmen, da sie eine große Anzahl Arbeitskräfte beschäftigen und Werkswohnungen bauen.

Von den Weltkriegen profitiert Pittler durch große Rüstungsaufträge und Kooperation mit Firmen in besetzten Gebieten. Das führt nach dem Krieg zum Niedergang der Firma. Im Jahr 1945 werden durch die Amerikaner bei ihrem Abzug aus Leipzig viele Werksunterlagen und qualifiziertes Fachpersonal mit in die amerikanische Besatzungszone genommen, wo sich bald in Langen (Taunus) eine neue Pittler AG etabliert, die 1950 dort die ersten Revolverdrehbänke produziert.

Die Firma in Leipzig wird ab 1945 wegen ihrer Verstrickung als Teil der Kriegsproduktion zwangsverwaltet. Die Tochterfirmen Tromka Apparatebau GmbH und Mechanik GmbH Rochlitz werden durch die Volksabstimmung vom 30. Juni 1946 enteignet. Um für einen Teil der ehemaligen Belegschaft Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wird im Februar 1946 die Firma A. H. Paul, vormals Pittler AG gegründet, jedoch zum 1. September 1946 wieder aufgelöst, woraufhin das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig gegründet wird. Das Unternehmen wird auf der Grundlage des Volksentscheids in Sachsen 1946 enteignet. Zum 31. Dezember 1949 erlischt das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig.

Das Vermögen des enteigneten Unternehmens wird nach 1948 für den Aufbau des neuen VEB Drehmaschinenwerk Leipzig in der Pfaffendorfer Straße (Dr. Kurt-Fischer-Straße) eingesetzt. Das Drehmaschinenwerk residiert in einem Gebäudekomplex später als ORSTA Hydraulik bekannt. Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) richtet im Wahrener Werk das Konstruktionsbüro STKB 4 ein. Ende 1949 folgt die Umwandlung in eine Sowjetische Aktiengesellschaft (SAG) in der Vereinigung Transmasch sowie die Demontage von Ausrüstungen, die nach Russland gehen.

Am 31. Dezember 1953 wird der Betrieb dem zuständigen Ministerium der DDR-Regierung übergeben und firmiert zunächst unter dem Namen VEB Wissenschaftlich-Technisches Büro für Werkzeugmaschinen (VEB WTB) und später als VEB CENTEX Leipzig. Ab 1956 gibt es eine Zusammenarbeit mit dem VEB Drehmaschinenwerk, die mit der juristischen Vereinigung der beiden Betriebe am 1. Juni 1959 zum VEB Drehmaschinenwerk Leipzig endet. 1959 wird der VEB Centex Leipzig eingegliedert und so entsteht einer der größten Arbeitgeber der Stadt. In diesem Zusammenhang wird die Herstellung von Hydraulik Erzeugnissen ausgegliedert und einer neuen Firma zugeordnet. Daraus entwickelt sich die später als VEB ORSTA Hydraulik bekannte Firma. 

Mit der Gründung der Kombinate wird das Drehmaschinenwerk 1969 in das Werkzeugmaschinenkombinat 7. Oktober Berlin eingegliedert. Die Produktion wird im Rahmen staatlich verordneter Spezialisierungsmaßnahmen auf die Herstellung von Mehrspindelautomaten umgestellt und die Produktion von Revolverdrehmaschinen auf andere Firmen verlagert. Mit dieser Maßnahme geht ein wichtiger Teil der internationalen Bedeutung der Firma verloren. Die Mehrspindelautomaten mit sechs oder acht Spindeln haben im sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW), aber auch auf dem Weltmarkt einen guten Namen. Sie werden zum großen Teil als Grundmaschinen in die UdSSR und zu einem kleineren Teil als komplette Bearbeitungszentren am Markt abgesetzt. Für die Konstruktion bedarfsgerechter Nebenaggregate der Bearbeitungszentren gibt es im Werk eine große Konstruktionsabteilung. Ab 1982 erfolgt eine Kooperation mit der Gildemeister AG in Bielefeld.

Nach der Wende versucht man das Werk in Leipzig zu sanieren und durch Privatisierung als Pittler–Tornos Werkzeugmaschinen GmbH zu sichern. Doch der Erfolg bleibt aus und so geht das Unternehmen 1997 in den Konkurs. Es ist das endgültige Ende für den Namen Pittler in Leipzig, ein großes Kapitel der sächsischen Werkzeugmaschinentradition wird dadurch geschlossen.

Die Firma EMAG Leipzig Maschinenfabrik wird 1999 gegründet. Sie übernimmt die insolvente Pittler–Tornos und gliedert sie ein. Es folgt der Ausbau zum heutigen Marktunternehmen für die nördlichen und östlichen Bundesländer Deutschlands.

Objektbeschreibung:
Das Werksgelände in Wahren umfasst das Straßengeviert Pittlerstraße, Stammerstraße, Am Börnchen und wird im Norden durch die neue Travniker Straße (Neue Hallesche Straße) begrenzt. Auf dem Gelände befindet sich entlang der Stammerstraße das Hauptgebäude und dahinterliegend einzelne Werkhallen. Ursprünglich gab es auf dem Gelände eine Dampfmaschine, die die Hauptenergiequelle für diese Fabrik bildete. Interessant ist, dass auf dem Werksgelände ein Freibad existierte, welches bis in die 1960 Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich war. Später wurde dieser Geländeteil an das russische Werk Roter Stern abgegeben.

Die Qualität und die Größe der Gebäude gehen aus den beigefügten Bildern hervor, die den gegenwärtigen Zustand der Gebäude beschreiben. Eine historische Ansicht zeigt das Neuwerk nach der Errichtung nach dem Jahr 1898.

Weitere ausführliche Zustandsbeschreibungen der Gebäude sind durch zahlreiche Dokumentationen beschrieben (siehe Quellennachweise).

Quellen:

Autoren: Frank Heyme / Horst Pawlitzki

Datum: 11.03.2020

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