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Polyphon

  • früher: Polyphon Musik Werke AG
  • DDR: Werk Roter Stern
  • heute: Industriebrache

Adresse: Linkelstraße 61, 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Feinmechanik, Musikinstrumente.

Datierung: 1887 bis in die 1920er Jahre

Bau- und Firmengeschichte:

Die Polyphon-Musikwerke wurden im Jahre 1887 als Brachhausen & Rießner in Wahren von Adolph Brachhausen und Ernst Paul Rießner gegründet. Beide waren bis zu diesem Zeitpunkt für die Fabrik Lochmannscher Musikwerke (später: Symphonion) tätig.

Neu war die Fabrikation von mechanischen Musikapparaten auf der Basis von genoppten und gelochten Metallplatten statt der bisherigen Walzen mit Stiften. Das Unternehmen Brachhausen & Rießner stellte das „Polyphon“ auf der Leipziger Herbstmesse 1890 vor. Das Warenzeichen – eine Frau mit Lyra und Lorbeerkranz unter einem Kometen – wurde 1891 registriert. Zwischen 1890 und 1894 meldete das Unternehmen insgesamt sieben Patente und zwölf Gebrauchsmuster an. Bei der Weltausstellung 1894 in Antwerpen erhielten die Apparate eine Silbermedaille.

Die Firma agierte zunehmend weltweit, speziell in den USA. Brachhausen verließ das Unternehmen 1892 und siedelte in die USA über, wo er in New Jersey sein Unternehmen Regina Music Box Company gründete – und damit für den Aufschwung der dortigen Musikwerke-Industrie sorgte. Die „Regina“-Apparate wurden nach Wahrener Modellen hergestellt.

Die umfangreiche Leipziger Modellpalette reichte von winzigen, in der Hand gehaltenen Geräten bis zu aufrechtstehenden, bis zu zwei Meter hohen Schränken. Die größeren wurden als Münzautomaten in Gaststätten aufgestellt. Der Kunde konnte nach dem Einwurf einer Münze aus zwölf Melodien auswählen. Diese wurde dann automatisch aus dem Magazin in den Spielmechanismus gehoben, abgespielt und wieder verstaut.

Das Fabrikgelände an der Linkelstraße in Wahren wurde 1893 bebaut und in Betrieb genommen. Im Mai 1895 erfolgte die Umfirmierung in die Polyphon Musikwerke AG. Im Juli 1899 kam es zu einem großen Brand in der Fabrik. Polyphon beschäftigte zu dieser Zeit ungefähr 800 Mitarbeiter und erreichte eine Jahresproduktion von 40.000 Instrumenten. Im Jahr 1906 waren es bereits 1000 Arbeiter. Bis zur Jahrhundertwende war die Firma der größte Produzente von Plattenpielautomaten in Europa. Bald sanken die Erlöse und die Produktpalette wurde erweitert, u.a. mit Piano-Orchestrions und Schreibmaschinen. Ab 1904 expandierte Polyphon im Bereich Automobilproduktion. Das erste Modell namens „Polymobil“ wurde 1906 auf den Markt gebracht.

Die erste unzerbrechliche Schallplatte aus Metallblech mit Zelluloidüberzug stellten die Polyphon Musikwerke im Jahr 1904 her. Die Eintragung der Marke Polydor erfolgte am 25. Juli 1914. Unter dieser Marke wurden Musikinstrumente, Noten, Walzen, Schallplatten und Apparate.

Die Autoherstellung mit dem Markennamen „Dux“ wurde 1916 in die selbständige Firma DUX-Automobil-Werke AG ausgegliedert und erhielt ein eigenes Werk auf einem benachbarten Grundstück.

Am 24. April 1917 erwarb die Polyphon Musikwerke AG die Aktien der Deutsche Grammophon AG und änderte den Firmennamen in Polyphonwerke AG. In diesem Zusammenhang steht auch die Etablierung der Firmenzentrale in Berlin.

Durch die Fusion mit der Deutschen Grammophon AG kam es zu einer zunehmenden Verlagerung der Geschäftsaktivitäten hin zu den Tonträgern Schellackplatte bzw. zur Produktion von Grammophonen mit denen Schellackplatten abgespielt werden konnten. Die Firma wird in den 1930er Jahren als Deutsche Grammophon AG in Leipzig geführt, bis diese 1937 aufgelöst wurde. Durch die Verbreitung des Radios waren die Absatzchancen für Grammophone und Co. stark gesunken. Ende der 1930er Jahre wurde ein Teil des Firmengeländes an die Pittler AG verkauft.

„Das Funktionsprinzip der Polyphon-Lochplatte besteht in einer Metallplatte mit eingestanzten länglichen Löchern, die auf der Unterseite kleine Haken bilden. Diese Haken drehen ihrerseits an mit Zähnen versehenen Rädchen, die Metalllamellen am sogenannten Stimmkamm anreißen, und so einen Ton erzeugen. Das Polyphon war mit einem Federwerk versehen, das mit einer Kurbel aufgezogen werden musste. Die Melodien waren auf Lochplatten aufgebracht, die leicht ausgetauscht werden konnten. Lochplatten gab es in verschiedenen Größen und mit unterschiedlich langer Spieldauer. Beispielsweise hatte eine Lochplatte mit 28 cm Durchmesser eine Spieldauer von ungefähr einer Minute.“ (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Polyphon_(Musikautomat), aufgerufen am 14.7.2021)

Objektbeschreibung:

Von der großen Fabrikanlage der Polyphon Werke AG in Wahren ist nicht mehr viel zu sehen. Das Fabrikgelände umfasste ursprünglich etwa das Gebiet Bahnhof Wahren, Linkelstraße, Stammerstraße und angrenzend an das Gelände der Pittler AG. Der letzte Gebäudeteil wurde in den 1990er Jahren abgerissen. An der Linkelstraße ist nur noch das Hauptgebäude der späteren Autowerke zu sehen.

Quellen/Literatur/Links:

Siegfried Haustein: Das Wahrener Geschichtsbuch. Hrsg. vom Bürgerverein Möckern/Wahren e. V. Leipzig, 2014

https://de.wikipedia.org/wiki/Polyphon_(Musikautomat) (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://www.lvz.de/Leipzig/Lokales/Weitsicht-rettete-Polyphon-ueber-die-Krise (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://geheimtipp-leipzig.de/von-der-lochplatte-zum-laster/ (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://www.alte-spieluhren.de/lochplatten_spieldosen.htm (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://mfm.uni-leipzig.de (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

http://lexikon.musica-mechanica.de/detail.php?id=70 (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://geheimtipp-leipzig.de/autos-aus-der-kaserne/ (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

Autor/in:        Frank Heyme, Kathrin Töpfer, Corinna Klußmann

Datum:           März 2021

Weitere Abbildungen folgen





DUX / Büssing NAG

  • früher: DUX Automobil Werke; Büssing NAG
  • DDR: Instandsetzungswerk Roter Stern
  • heute: Industriebrache

Adresse: Linkelstraße 59, 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie:  Maschinenbau, Verkehrswesen

Datierung:  1916

Objektgröße: keine Angabe

Denkmalstatus: Obj.-Dok.-Nr. 09297737

Bau- und Firmengeschichte:

Um
die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert eroberte das Automobil die
Straßen. Die Polyphon Musikwerke erkannten
das Potential dieser technischen Neuerung und gründeten eine eigene Abteilung
zur Herstellung. Durch die
Beziehungen zu dem Polyphon-Gründer
Adolph Brachhausen, der 1892 in die USA auswanderte, konnte das Unternehmen
günstig Lizenzen erwerben und die ersten Automobile nachbauen – allerdings mit
verbessertem Vergaser und Zündung. Unter den Namen „Polymobil“ und
„Gazelle“ wurden die ersten Fahrzeuge 1904 im Kristallpalast Leipzig
präsentiert.

Das
Unternehmen konnte 1908 Gustav Schürmann für sich gewinnen, unter dem eine
völlig neue Ära des Automobilbaus begann. Das Polymobil wurde zu Dux (lat.
„dux“ = Wegweiser, Führer). Es gibt auch Gerüchte, dass die Namenspatin die
Sopranistin Claire Dux war.

1916 wurde auf Betreiben von Schürmann die Kraftwagenabteilung aus der Firma Polyphon herausgelöst und die DUX-AUTO-MOBILWERKE Aktiengesellschaft gegründet. Mitten im Ersten Weltkrieg baute man auch gleich neben den Musikwerken die neue Autofabrik in der Bahnhofsstraße 59, heutige Linkelstraße. Im Verlauf der nächsten Jahrzehnte wurde diese ständig erweitert und erstreckte sich schließlich südlich bis zur Stammerstraße. Bis 1927 baute man vor allem PKW. Aber Schürmann erkannte die Bedeutung von Lastkraftwagen verschiedenster Art und speziell Militärfahrzeuge für den Krieg waren lohnende Aufträge. Auch eine Omnibus-Produktion wurde gestartet.

Durch
die Zusammenlegung mit anderen Firmen entstand 1919 der Deutsche Automobil -Konzern (D.A.K.), später übernahm NAG (Nationale Automobilgesellschaft), eine
Tochter der AEG, die Werke. Die Büssing AG übernahm im Jahr 1931 die
finanziell angeschlagene NAG und
konnte somit eine größere Produktpalette an Nutzfahrzeugen anbieten und zum
Branchenführer aufsteigen. Die Firma firmierte unter dem Namen Büssing-NAG, Vereinigte Nutzkraftwagen AG.
Nach dem Erwerb der Automobilfabrik Franz
Komnick und Söhne AG
wurden deren Fertigungseinrichtungen in Elbing
(Ostpreußen) unter der Bezeichnung Büssing-NAG
Werk Ost
geführt. In Wahren wurden seit Anfang der dreißiger Jahre nun vor
allem Lastkraftwagen der Marke „Büssing“ hergestellt, weiter unter
der Leitung von Gustav Schürmann. Natürlich auch wieder für den Zweiten
Weltkrieg. Das Fabrikgelände nannte man im Volksmund auch „bei Büssings“.

In Wahren wurden bis 1945 auch Fahrgestelle für Schützenpanzerwagen und Allrad-LKW für die Wehrmacht hergestellt. Nach dem Krieg folgte die Enteignung. Die Sowjetarmee beschlagnahmte und nutzte nach 1945 das Werk und ließ hier ihre Armeefahrzeuge aller Art Instand setzen. Um 1948 erhielt die Anlage, zu der auch die einstigen Polyphon-Gebäude gehörten, den Namen „Werk ‚Roter Stern“‚. Nach Abzug der sowjetischen Armee 1991 wurden die Werkstätten und ein Teil des Verwaltungsgebäudes abgerissen. Seitdem steht das Objekt leer und verfällt zusehends.

Über
das Werk Roter Stern gibt es nach gegenwärtigen Kenntnissen keine Dokumente in
den Archiven in Deutschland.

Objektbeschreibung:

Von der großen Fabrikanlage der Polyphon Werke AG / Büssing NAG in Wahren ist nicht mehr viel zu sehen. Das Fabrikgelände umfasste ursprünglich etwa das Gebiet Bahnhof Wahren, Linkelstraße, Stammerstraße und angrenzend an das Gelände der Pittler AG. Der letzte Gebäudeteil wurde in den 1990er Jahren abgerissen. An der Linkelstraße ist nur noch das Hauptgebäude der Autowerke zu sehen.

Quellen/Literatur/Links:

Bürgerverein Möckern-Wahren e.V. [Hrsg.]: Das Wahrener Geschichtsbuch (nach Aufzeichnungen von Siegfried Haustein), http://bv-moeckernwahren.de/buch02.html (zuletzt aufgerufen am: 23.1.2021)

Siegfried Haustein: Industriestandort Wahren – zur Geschichte seiner Fabriken. Die erste Fabrik – die Polyphon-Musikwerke. In: Bürgerverein Möckern-Wahren e.V. [Hrsg.]: VIADUKT. Die Bürgerzeitung für Möckern und Wahren. Nr. 63 (Feb. 2003), S. 6; https://docplayer.org/131879143-Die-buergerzeitung-fuer-moeckern-und-wahren.html (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

https://de.wikipedia.org/wiki/Dux_(Automobilhersteller) (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

http://www.kfzderwehrmacht.de/Hauptseite_deutsch/Kraftfahrzeuge/Deutschland/Bussing-NAG/8-Rad_PzSpWg_Typ_GS/8-rad_pzspwg_typ_gs.html (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

http://www.kfzderwehrmacht.de/Hauptseite_deutsch/Kraftfahrzeuge/Deutschland/Bussing-NAG/Bussing-NAG_4500_A/bussing-nag_4500_a.html (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

http://www.aefl.de/ordld/Komnick/Neu171204/07/komnick_7.htm (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

https://www.industrie-kultur-ost.de/datenbanken/ruinen-datenbank/dux-automobilwerke-leipzig/ (zuletzt aufgerufen am 29.03.2021)

https://geheimtipp-leipzig.de/autos-aus-der-kaserne/ (zuletzt aufgerufen am 22.03.2021)

Autor/in:        Frank Heyme, Kathrin
Töpfer

Datum:           März 2020, Februar 2021

Abbildungen folgen





HASAG – Hugo Schneider AG

Titel des Objekts: HASAG – Hugo Schneider Aktiengesellschaft

Adresse: 04318 Leipzig, Permoserstraße 15

Stadtteil: Anger-Crottendorf / Paunsdorf

Industriezweig/Branche/Kategorie: Lampenbau, später Munitionsproduktion

Kurzcharakteristik: Lampen- und Metallwarenfabrik

Datierung: am Standort von 1897 bis 1945

Objektgröße: ca. 25 ha

Denkmalstatus: Obj.-Dok.-Nr. 09292457

Ursprüngliche Nutzung: Lampen- und Metallwarenfabrik

Spitzname in der Bevölkerung: Lampen-Schneider

Heutige Nutzung: Standort des Umweltforschungszentrums und anderer Firmen

Bau- und Firmengeschichte:

Der kaufmännische Angestellte Hugo Schneider (geb. 1836 in Siegroth, Schlesien) beteiligte sich 1863 in Reudnitz bei Leipzig am Unternehmen des Klempnermeisters Ernst Häckel. 1871 ging das Unternehmen in den alleinigen Besitz von Hugo Schneider über. Zu dieser Zeit wurden bereits 60 Personen beschäftigt und man versuchte die produzierten Petroleumlampen auch im Ausland abzusetzen. Am 01.06.1888, im Alter von 52 Jahren, starb der Firmengründer Hugo Schneider. Die Unternehmensleitung übernahm sein Sohn Johannes Schneider-Dörfel. Er setzte bis 1891 die Spezialisierung der Firma fort. Die Fertigung kompletter Lampen wurde zugunsten der Produktion von Petroleumbrennern aufgegeben und das Unternehmen entwickelte sich zum weltweit bedeutendsten Produzenten. Die mit zwei Dampfmaschinen ausgerüstete Fabrik verarbeitete monatlich mehr Messingblech als jede andere deutsche Firma. Aus diesem Grunde beschloss die Firmenleitung ein eigenes Messingwalzwerk zu errichten. Hierzu erwarb man 1897 ein Grundstück in Paunsdorf bei Leipzig.

1899 erfolgte unter Mitwirkung der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt (ADCA), der Darmstädter Bank und der Privatbank George Meyer die Firmenumwandlung in die Hugo Schneider Aktiengesellschaft (HASAG). Die Söhne Hugo Schneider’s blieben bis zu ihrem Tod als Direktoren tätig, danach hatten die Banken die Kontrolle über das Unternehmen. Bankier Meyer übernahm einen Sitz im Aufsichtsrat und Kommerzienrat Thieme von der ADCA wurde Vorsitzender dieses Gremiums. Am Paunsdorfer Standort entstand zur Herstellung von Petroleumbrennern ein neues Werk. Das Unternehmen beschäftigte ungefähr 1200 Arbeiter. Ab 1902 begann man unter Nutzung eines schwedischen Patents mit der Produktion von Petroleum-Starklicht-Lampen mit einer Leistung von 200 bis 3000 Lux, ab 1904 errichtete man eine Fertigungslinie zur Herstellung von Autolampen.

1932 wurde der spätere SS-Sturmbannführer Paul Budin Generaldirektor der HASAG und SA-Sturmbannführer Georg Mumme sein Stellvertreter, der Wehrwirtschaftsführer Wilhelm Renner wurde Sozialdirektor. Ab 1939 produzierte die HASAG ausschließlich für die Wehrmacht, unter anderem Gewehrpatronen, Granaten und Bordmunition.

Ende 1942 entwickelte Dr. Langweiler in Leipzig die erste Panzerfaust. Ziel war eine einfach bedienbare Abschussvorrichtung für den Hohlladungskopf. Das Projekt erhielt den Namen „Gretchen“ und war für eine Kampfentfernung von 30 Metern ausgelegt. Die Panzerfaust war sehr kompakt und leistungsfähig konstruiert. Zur Steigerung der Einsatzreichweite wurde die Waffe weiter verbessert. Nun konnten Panzer auf eine Entfernung bis 60 Meter, 100 Meter und am Schluss bis 150 Meter bekämpft werden. Die Stückzahl der produzierten Panzerfäuste belief sich auf weit über sechs Millionen.

Die HASAG hatte in Deutschland Zweigwerke in Altenburg, Berlin, Borsdorf, Colditz, Delitzsch, Eisenach, Flößberg, Grimma, Langewiesen/Dermbach, Meuselwitz, Oberweißbach, Schlieben und Taucha und in Polen in Skarzysko-Kamienna, Kielce und Tschenstochau.

In den Jahren 1943/1944 beschäftigte die HASAG 70.000 Personen, davon waren 44 % Ausländer, der Großteil Frauen. Der weitaus größte Teil dieser Ausländer waren Zwangsarbeiter, die unter sehr schlechten Bedingungen arbeiteten und deren Tod billigend in Kauf genommen wurde.

Nach dem Krieg lief in kleinem Umfang eine zivile Produktion an. Bis 1947 wurden alle Anlagen und Maschinen demontiert und die meisten Gebäude gesprengt, nur die Hauptverwaltung und die Lehrwerkstatt sind erhalten geblieben. 

Objektbeschreibung:

Das Gelände hat die Form eines ungleichseitigen Dreiecks und ist an der Torgauer Straße ca. einen Kilometer. Die südliche Begrenzung bildet die Permoserstraße mit etwa 700 Metern Länge. Die dritte Seite wird durch die Eisenbahnlinie Leipzig – Eilenburg begrenzt. Nördlich bis zur Leupoldstraße erstreckte sich das Nordwerk mit Entwicklungslabor, Schießständen und Zwangsarbeiterlagern.

Heute befindet sich auf dem Gelände u.a. auch die „Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig“: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/zwangsarbeit-in-leipzig/ (zuletzt aufgerufen am 11.3.2021)

Quellen:

Literatur:

  • Haikal, Mustafa; Die Hugo Schneider Aktiengesellschaft (Hasag). In: UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle: Leipzig Permoserstraße. Zur Geschichte eines Industrie- und Wissenschaftsstandorts. Leipzig 2001.
  • Worm, Holger: Die Hugo Schneider A.-G. Leipzig. Kurzübersicht ihrer Entwicklungsgeschichte und Produkte. Fockendorf 2007. Online abrufbar
  • https://de.wikipedia.org/wiki/HASAG (zuletzt aufgerufen am 10.03.2021)
  • www.ROG-Film.de  (zuletzt aufgerufen am 10.03.2021)

Persönliche Dokumente und Informationen von:

Raik Alvermann, Michael Heyne, Oliver Modes, Holger Worm

Autoren: Roger Liesaus, Holger Worm

Datum: 05. März 2020




Mühle Stahmeln

  • früher: Franz Lucke, Mühlenwerke
  • DDR: VEB Mühlenwerke Stahmeln
  • heute: Mühlenwerke Stahmeln GmbH

Adresse: Mühlenstraße 17, 04159 Leipzig

Ortsteil: Lützschena-Stahmeln

Industriezweig/Branche/Kategorie: Nahrungsgüterindustrie; Mühlenwerk

Datierung: 1893 – 2012

Objektgröße: zwei Hektar Werksgrundstück in Leipzig-Stahmeln

Bau- und Firmengeschichte:

Die Mühle in Stahmeln arbeitete als eine der letzten an der Weißen Elster, denn sie produzierte noch bis 2012. Erstmals wurde sie 1486 in einem Zinsregister erwähnt. 1647 brannte sie vollständig nieder, wurde wieder aufgebaut und mehrfach umgebaut. Beginnend 1661 sind die Namen ihrer Eigentümer bzw. Pächter bekannt. Hermann Bötiger, der am 27.03.1863 ihr alleiniger Eigentümer wurde, ließ sie nach dem erneuten Brand am 18.08.1875 wieder aufbauen. Dabei wurden anstelle des Wasserrades Turbinen eingebaut, geliefert von der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz, und die meisten Mühlstein-Mahlgänge durch Walzenstühle ersetzt.

1893 kaufte Franz Lucke sen. (1857–1927) die Mühle und erweiterte sie schrittweise. Zum Betrieb der Mühle in Stahmeln sowohl bei Trockenheit als auch bei Hochwasser, wurde eine Dampfmaschine eingebaut und die Turbinen erneuert. 1896 wurde das zur Mühle gehörende Wohnhaus abgerissen und durch ein Kontorgebäude ersetzt, die neue Fabrikantenvilla in der Mühlenstraße 17 gebaut. Zur Mühle gehört auch das Obermüllerhaus Stahmelner Anger 19. Bis 1905 belieferte sie als Proviantmüllerei des Heeres in Leipzig die Garnison auf der Pleißenburg. Als der Militärfiskus eine eigene Mühle auf dem Kasernengelände in Gohlis bauen ließ war die Mühle in Stahmeln von ihren Lieferverpflichtungen befreit. Unter der Leitung von Franz Lucke wurde 1905 die Ausstattung der Mühle verbessert, indem man neue Walzenstühle, Siebmaschinen und Reinigungsanlagen einbaute.

1912 entschloss er sich, die Mühle abzureißen und einen Neubau zu beginnen. Die Planungs- und Bauarbeiten wurden von der Firma Max Woldemar Vogel aus Leipzig ausgeführt, die technische Ausrüstung der neuen Mühle mit Walzenstühlen, Plansichtern, Elevatoren und Putzmaschinen übertrug er der Amme, Giesecke & Konegen AG aus Braunschweig. Das Getreidesilo wurde vergrößert, der Mehlspeicher erweitert und die Maschinen mit elektrischen Einzelantrieben versehen. So entstand 1912 der größte Teil der Anlage.

Da im Ersten Weltkrieg die Reichsgetreidestelle die Lagerung großer Getreidemengen verlangte, wurde 1916/17 ein achtstöckiges, 35 Meter hohes Getreidesilo angebaut. Über die Nachkriegszeit mit der Inflation 1920/21 konnte der Betrieb erhalten werden. Unter der Leitung von Franz Lucke jun. wurden die technischen Anlagen ständig modernisiert. Auf einer Betongründung wurde 1934/35 ein 1500 Tonnen fassendes, sechsteiliges Stahlsilo errichtet, ergänzt durch Trocknungs- und Areginal-Vergasungsanlage nach damals neuestem Stand. So wurden die Verluste von Getreide durch Schimmel oder Schädlingsbefall vermieden. Die markante Form der Silos dominiert das gesamte Mühlenareal, ist eine Landmarke und Wahrzeichen von Stahmeln. Zur besseren Ausnutzung der Wasserkraft ließ Franz Lucke jun. die Ufer der Elster befestigen und den Flusslauf zwischen Stahmeln und Lützschena begradigen. Damit die Turbinen immer die geplante Leistung brachten, wurde der Niveauunterschied des Wassers konstant gehalten. Ständig war ein Baggerkahn auf dem Fluss unterwegs, förderte Schlamm und Sand zutage. Damit wurden die Lachen in Stahmeln verfüllt. Wiesen entstanden und die Mückenplage wurde vermindert.

In der NS-Zeit waren die Kunstmühlen-Werke Franz Lucke ein Nationalsozialistischer Musterbetrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Lucke von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Die nun treuhänderisch verwalteten Mühlenwerke galten als zweitgrößter Mühlenbetrieb Sachsens und wurden als VEB Mühlenwerke Stahmeln weitergeführt. Mit der Grundinstandsetzung 1986 wurde sie auf einen guten technischen Stand gebracht, vergleichbar z.B. mit westdeutschen Mühlen. Jede der Turbinen des Wasserkraftwerks brachte 75 kW Leistung, so dass 25 % des Energiebedarfs der Mühle gedeckt werden konnten, aber auch Strom ins öffentliche Netz abgegeben wurde. Durch den Einbau lärmreduzierter Abluftanlagen wurde die Lärmbelastung der Umgebung deutlich gesenkt.

Bis 1990 gehörte sie zum VEB Kombinat Getreidewirtschaft Leipzig. Danach folgten die Umwandlung in eine GmbH und mehrfache Eigentümerwechsel. Im Jahre 1999 kam es zu einem Management Buy Out, die Mühle wurde mit 30 Mitarbeitern weiterbetrieben und erzielte im selben Jahr einen Umsatz von 16,8 Millionen D-Mark. Für das Jahr 2000 wurden etwa 20 Millionen D-Mark an Erlösen erwartet. Zu der Zeit vermahlten an jedem Tag erfahrene Müller 120 Tonnen Weizen und 60 Tonnen Roggen zu Standardmehlen aller Typen oder „Mehlen nach Maß“. Jährlich sind das 45.000 Tonnen Elite- und A-Weizen und 6.000 Tonnen Roggen bester Qualität, die von Betrieben im Umkreis von hundert Kilometern bezogen werden. Von 1992 bis 2012 haben die Eigentümer zehn Millionen Mark für Investitionen eingesetzt, davon zwei Drittel für die Modernisierung der Produktionsabläufe.

Am 16. September 2009 hatte die Gesellschafterversammlung zugestimmt, dass am 13. Juli 2009 die Heyl GmbH & Co. KG mit Sitz in Bad Langensalza die Mühlenwerke Stahmeln GmbH übernehmen kann. 2012 wurde die Produktion eingestellt, denn die Saxonia Mühlenwerke Leipzig-Stahmeln GmbH übernahm die Immobilie und wollte sie vermarkten.
Im Jahr 2016 erwarb die Firma GRK Holding das Objekt und begann mit dem Umbau zu einem Wohnhaus mit Miet- und Eigentumswohnungen. Der Wohnkomplex verfügt über vier Hauptgebäude sowie der Remise und dem Inselgebäude mit insgesamt 68 Wohnungen und 71 Stellplätzen. Die 2- bis 4-Raum-Wohnungen haben eine Wohnfläche zwischen 50m² und 168m², Balkon, Loggia, Terrasse oder Wintergarten.

Objektbeschreibung:

Das derzeit als Wohnanlage genutzte Ensemble steht auf einem zweieinhalb Hektar großen Grundstück und liegt nahe beim Naturschutzgebiet Leipziger Stadtforst, teilweise auf einer Insel zwischen der Weißen Elster und dem Elstermühlgraben.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Horst Pawlitzky, Frank Heyme

Datum: März 2020

Abbildungen: Horst Pawlitzky, Frank Heyme




Wendische Höfe

Objekt: Rauchwarenfärberei und Pelzzurichterei Theodor Kniesche

  • früher: Theodor Kniesche Rauchwarenfabrik
  • DDR: Theodor Kniesche Rauchwarenfabrik (KG)
  • heute: Wendische Höfe (Wohnanlage)

Adresse: Rittergutstraße 11, 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Konsumgüter, Pelzverarbeitung

Datierung: 1898

Objektgröße: 10.780 m² großes Grundstück zwischen Rittergutsstraße und im Süden dem Fluss Weiße Elster

Bau- und Firmengeschichte: Kurz vor 1900 gründete Theodor Kniesche (1847-1907) mit seinen beiden Söhnen eine Fabrik für die Pelzverarbeitung, eine Pelz-Zurichterei und Rauchwarenfärberei. Das Kontor und Lager der Kaufmannsdynastie befinden sich weiter im Brühl 71. Für die außerordentlich große Mengen Wasser verbrauchenden Produktionsvorgänge erwies sich die gewählte Grundstückslage an der Elster mehr als günstig.
Auf dem Gelände gab es ab 1906 eine Dampfmaschine der Firma MAN als Energiequelle der Produktionsanlagen. Nach dem Tod des Firmengründers 1907 übernahmen seine Söhne das Unternehmen. Nach wechselnden Beteiligungen und staatlicher Beteiligung 1965 schenkte der letzte Inhaber Dr. Theodor Kniesche 1982 das Anwesen dem Staat. Nach dieser Zeit verfielen unter dem Pächter HO die Gebäude.

Objektbeschreibung: Die aus mehreren Gebäuden nebst einem großen Schornstein bestehende Industrieanlage wurde aus gelben Klinkerziegeln, die aus Beucha kamen, errichtet. Der nötige Sand wurde im Gebiet des heutigen Auensees gewonnen. Der Baumeister war erwähnenswerterweise Clemens Thieme (Völkerschlachtdenkmal). Direkt an der Flusskante entstand ein Klinkerbau mit Parterre, drei Geschossen und Holzzementdach. Neben dem Fabrikgebäude entstehen danach Kessel- und Maschinenhaus mit Dampfschornstein sowie ein Stallgebäude mit Hausmannswohnung. 1910 wird ein zweigeschossiger Anbau notwendig, ausgeführt von C. Brömme nach Plan von Architekt Paul Augustin.
Die Firma BEWACON Immobilien GmbH entwickelte auf dem Gelände ab dem Jahr 2004 die Wohnanlage „Wendische Höfe“. Das Wohnanlagenprojekt wurde 2014 fertig. Auf dem Gelände steht noch ein aufwändig restauriertes Fachwerkhaus, heute als Gaststätte Fachwerk genutzt.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 07.03.2020




Hanns und Römer Maschinenfabrik

Titel des Objekts: Hanns und Römer Maschinenfabrik

Später: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig [FoRa] im VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch

Adresse: Leipzig, Dreilindenstraße 4-6

Ortsteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Fabrikation von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Walzmaschinen und kompletter Produktionslinien für Süßwaren

Datierung: gegründet 1907

Ursprüngliche Nutzung: Gießkannenfabrik, Waschanstalt, Buchdruckerei H. Schmidt (nicht abschließend geklärt)

Heutige Nutzung: Industriebrache/ Ruine

Denkmalstatus: Obj.-Dok.-Nr. 09261135; „Fabrikhalle in rückwärtiger Lage; ehemals auch straßenbegleitendes Mietshaus in geschlossener Bebauung (Nr. 4, Flurstück 301, mit Läden und Tordurchfahrt, elegante Jugendstil-Putzfassade), Werkhalle bekannt als sogenannte Boxerhalle, baugeschichtliche Bedeutung“

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Hanns und Römer Maschinenfabrik wird 1907 gegründet. Eigentümer sind Arthur Hanns und Eugen Römer. Die Firma stellt Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie her, zur Herstellung von Bonbons bzw. Schokolade. Eine weltbekannte Spezialität entsteht durch die Entwicklung der patentierten Produktionsmaschine für „Pfeifen-Lutscher“. Dieses Patent soll weltweit immer noch genutzt werden.

Im Rahmen der Verstaatlichung privatwirtschaftlicher Betriebe nach 1972 wird der Betrieb dem VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig, ein Betrieb des Rationalisierungsmittelbaues als Werksteil III zugeordnet. Die Werksräume befinden sich im Hinterhaus und die Verwaltung im Vorderhaus, Dreilindenstr. 6. Der VEB Forschung und Rationalisierung plant und setzt Rationalisierungsvorhaben der Süßwaren- und Dauerbackwarenindustrie der DDR um.

Mit Wirkung vom 1. Juli 1988 wird der Betrieb in den VEB Halloren Schokoladenfabrik Halle eingegliedert und verliert seine juristische Selbstständigkeit. Nach 1990 wird die Halloren Schokoladenfabrik privatisiert, wann der Firmenteil Rationalisierungsbau geschlossen wurde, ist derzeit nicht bekannt. Seitdem verfallen das Gelände und die Gebäude.

Objektbeschreibung:

Das Gelände ist ca. 180 m lang und knapp 40 m breit. An der Nordseite liegt es an der Dreilindenstraße, an der Südseite schließt es an die Bebauung der Lützner Straße an. An den beiden anderen Seiten gab es dichte Bebauung. Derzeit ist auch das östliche Baufeld brach liegend. Es wird teilweise als Parkplatz und als Kinderspielplatz genutzt. Das Vorderhaus ist abgerissen worden und das Hofgebäude ist dem Verfall preisgegeben. Dieses, auch als „Boxerhalle“ bekannte Gebäude, 1902 erbaut, steht unter Denkmalschutz (Obj.-Dok.-Nr. 09261135). Es sollte zu einer Gaststätte, Café oder Kneipe ausgebaut werden. Dafür wurde das Dach saniert. Das Projekt ist inzwischen abgebrochen worden.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020

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Vereinsabzeichenfabrik W. Helbing

Titel des Objekts: Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing

Adresse: Leipzig, Birkenstraße 8

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie/ Metalldrückerei; Galvanik

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Abzeichen aller Art und Medaillen; Lohnfertigung von Neusilber- und Aluminiumbestecken.

Datierung: gegründet 1907

Ursprüngliche Nutzung:

  • 1915 Haarnadelfabrik C. Gellermann
  • 1918 Nährmittel-Fabrik Rudolf Ady
  • 1920 Rohproduktenhandlung von Kaufmann Samuel Markowitsch

Heutige Nutzung: Industriebrache/ begrünter Hinterhof

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing wurde 1892 vom Kaufmann Siegfried Hellinger gegründet.

Die Firma zog 1930 in die Birkenstraße 8. Es wurden Abzeichen und Medaillen für Vereine und andere Interessenten, außerdem Orden und Ehrenzeichen für das Militär hergestellt. Hauptproduktionsmittel waren Ausrüstungen für die Bearbeitung von Metallen, wie Stanzen; unterschiedlich große Balanciers waren vorhanden. Es gab eine zentrale Transmission zum Antrieb der Maschinen. Für die Weiterbearbeitung gab es eine Galvanisier- und eine Emaillier-Einrichtung. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurde auch Metallbesteck aus Aluminium und Neusilber in Lohnfertigung als Halbzeug hergestellt. D.h. im Auftrag eines anderen Unternehmens wurden Besteck-Rohlinge produziert. Auftraggeber war am Ende der Firmenexistenz der VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS).

Wahrscheinlich 1970 oder 1971 verstarb der Besitzer der Firma. Sein Erbe lebte in der Bundesrepublik und veranlasste die Auflösung der Firma. In dieser Zeit wurden die Maschinen verkauft und aus dem Produktionsgebäude entfernt. Eine besondere Maßnahme war der Abtransport des großen Balanciers. Es musste eine sehr große Öffnung in die Wand des Gebäudes gebrochen werden, um die Maschine zum Abtransport auf den Hof zu stellen. Bedauerlich war es, dass in der Zeit zwischen Betriebsende und Beginn der Demontage die einzigartige Sammlung aller jemals produzierten Abzeichen gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Der Erlös der Firmenauflösung wurde, wie zu der Zeit üblich, auf ein Sperrkonto eingezahlt. Auf dieses Konto hatte der westdeutsche Erbe eingeschränkten Zugriff.
Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch nicht erforscht.

Objektbeschreibung: Das Werkstattgebäude (Hofgebäude) ist abgerissen. Das Vorderhaus ist ein Neubau.

Quellen/Literatur/Links:

  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (1. Teil): Die Abzeichen aus der Zeit 1892 bis 1913. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin.(IMM). Nr. 94. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 1999
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 2): Die Abzeichen aus der Zeit 1914 bis 1935. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 97. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2000
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 3): Abzeichen aus der Zeit um 1900 bis 1964. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 105. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2002
  • Die Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil IV). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 108. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • Leipziger Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil V). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 110. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • www.lindenauerstadtteilverein.de/jüdisches-leben-in-lindenau

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020




Mitteldeutscher Feuerungsbau

Objekt: Mitteldeutscher Feuerungsbau

früher: Fränkel & Viebahn
DDR: VEB Mitteldeutscher Feuerungsbau (MIFEU) und später VEB Feuerungsanlagenbau im Kombinat Kraftwerksanlagenbau
heute: Solarpark, Kleingewerbe, Brachfläche

Adresse: Händelstr. 14, 04288 Leipzig

Ortsteil: Holzhausen

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Feuerungsanlagen

Kurzcharakteristik: Bau von Feuerungsanlagen vor allem für Braunkohle

Datierung: 1922

Objektgröße: 48000 m²

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Fränkel & Viebahn ließ sich 1922 auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei an der Händelstraße nieder und vergrößerte sich dort. 1945 erfolgte die Enteignung. Weiterführung der Produktion als VEB Mitteldeutscher Feuerungsbau Holzhausen (MIFEU). Im Zuge der Kombinatsbildung erfolgte die Umbenennung in VEB Feuerungsanlagen Holzhausen.

Ab Juli 1990 erfolgte die Privatisierung als Mitteldeutsche Feuerungs- und Umwelttechnik GmbH.
Trotz guter Auftragslage kam es wegen Differenzen mit der Treuhand 2011 zur Einstellung der Produktion. 2012 wurden die Anlagen und die meisten Gebäude zurückgebaut. Es entstand ein Solarpark und ein Autoservice. Im ehemaligen Verwaltungsgebäude sollte 2016 eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werden, dazu kam es aber nicht.

Objektbeschreibung:

Vom ehemaligen Feuerungsbau gibt es noch wenige kleinere Gebäude, die von Gewerbebetrieben genutzt werden, das mehrgeschossige ehemalige Verwaltungsgebäude und zwei Industrieschornsteine. Die größte Fläche wird von der Solaranlage genutzt, der Rest sind Brachflächen

Quellen/Literatur/Links:

  • Industriegeschichte von Holzhausen (Sachs), Broschüre des Heimatvereines
  • Klaus Behling, Die Treuhand – Wie eine Behörde ein ganzes Land abschaffte
  • Ortschronik von Holzhausen

Autor: Helmut Sander

Datum: 03.02.2019

Abbildungen:

  • Luftaufnahme, 1925, aus der Industriegeschichte des Heimatvereines
  • eigenes Foto (H. Sander) Okt. 2018: die beiden Industrieschornsteine und ein Gebäude



DIMO

Titel des Objekts: VEB Dieselmotorenwerk Leipzig (DML, DIMO) | Reformmotorenfabrik

Adresse: Leipzig, Heinrich-Heine-Straße 35

Stadtteil: Böhlitz-Ehrenberg

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau/Motorenbau

Kurzcharakteristik: Mittelständiges Unternehmen zur Herstellung von Dieselmotoren, später von kompletten Notstromaggregaten.

Datierung: am Standort von 1906 bis 1998

Objektgröße: ca. 20.000 m²

Ursprüngliche Nutzung: Reform-Motorenfabrik 1906 bis 1934

Heutige Nutzung: Industriebrache/ Lagerräume/ Neuansiedlung kleiner Firmen

Bau- und Firmengeschichte:

  • 01.09.1901 Wilhelm Meyer und Wilhelm Hanke gründen in Leipzig-Plagwitz Carl Heinestrasse 35, diagonal gegenüber dem gerade neu gebauten Felsenkeller, die Automobil-Werke Leipzig GmbH.
  • 1904 Umfirmierung in Reform-Motoren-Fabrik G.m.b.H.
  • 1906 zieht das Unternehmen nach Böhlitz-Ehrenberg in ein neu errichtetes Firmengebäude.
  • 1914 bis 1918 die Firma stellt während des 1.Weltkrieges Granaten her, der Motorenbau wird eingestellt.
  • 1920 Wilhelm Meyer wechselt in den Aufsichtsrat und Wilhelm Hanke ist nun alleiniger Geschäftsführer. Es werden drei Prokuristen bestellt.
  • 1934 wird die Firma verkauft und heißt nun H.K. Heise GmbH Maschinenbau.
  • 1935 bis 1945 H.K. Heise GmbH Maschinenbau hat auf Kriegsproduktion umgestellt und fertigt Teile für die Flugzeugindustrie (Zahnräder für die Erla Werke) und Granaten 3,7cm Flak und größere Kaliber.
  • Nach Ende des Zweiten Weltkriegs arbeitete der bedeutende Motorenentwickler Prof. Alfred Jante von 1945 bis 1946 zunächst als Technischer Leiter der H. K. Heise Maschinenbau GmbH in Böhlitz-Ehrenberg bei Leipzig. Die Firma wird 1946 enteignet und wird volkseigener Betrieb. Es werden wieder Dieselmotoren hergestellt.
  • 1958 im Rahmen der internationalen Hilfe werden aus dem Irak und dem Sudan junge Leute in der Dimo zu Schlossern ausgebildet.
  • Entwicklung der Betriebsstruktur und Produktionskapazität ab 1960 und den Folgejahren. Die Belegschaft wächst auf ca. 500 Mitarbeiter.
  • Für die Steigerung der Produktivität und Effektivität erfolgt eine Arbeitsteilung zwischen den Kombinatsbetrieben und eine Spezialisierung der Betriebe auf bestimmte Baugruppen bzw. Bauteile. Im DML werden die Finalerzeugnisse Dieselmotoren und Diesel–Elektroaggregate weiterhin produziert und die Spezialisierung auf Pleuelstangen und Nockenwellen ausgebaut. Die Lieferung der Teile und Baugruppen erfolgt an folgende Werke: Kombinatsstammbetrieb SKL Magdeburg, Elbewerk Rosslau, Motorenwerk Berlin Johannisthal, Motorenwerk Cunewalde und Einspritzgerätewerk Aken.
  • Um die Produktionsvoraussetzungen zu schaffen und zu erweitern, werden zusätzliche Grundstücke und Gebäude erworben. In der Fabrikstraße 19 werden zunächst Hallen im Barackenstil aufgebaut und in den 1970er Jahren dann große Betonmassivbauten errichtet. In der Heinrich-Heine-Straße werden das Gelände und Gebäude der Baufirma Pfeiffer, der ehemalige Kohlenhof und das Papierverarbeitungswerk übernommen. Dort entstehen Sozial- bzw. Verwaltungsräume, sowie Produktionsräume und eine Hochregal-Lagerhalle. Zwei weitere Betriebe werden dem DML angeschlossen und ausgebaut: der Stahl- und Metallbau in Kühren (ca. 50 Arbeitskräfte) und der SKL–Betriebsteil in Oberlungwitz (ca. 190 Arbeitskräfte).

Erzeugnisentwicklung und Produktpalette

1972 bis 1989 Antriebsmotoren für Fluß- und Binnenseeschiffe, Diesel-Elektroaggregate, als Hilfsaggregate für Hochseeschiffe, Notstromaggregate mit automatischem Start für Hochseeschiffe, Krankenhäuser, Hotels und Gewächshäuser, Diesel-Elektroaggregate für Kühlzüge (diese werden im Waggonbau Dessau für den SU- Export verbaut, ca. 150-200 Stck./Jahr), Diesel-Elektroaggregate mit Motoren von ROBUR Zittau für autonome Maschinenkühlwagen (diese werden ebenfalls im Waggonbau Dessau für den SU-Export verbaut, ca. 600 – 1000 Stck./ Jahr geeignet für Startbedingungen bei minus 40 °C)

Im Jahr 1986 erfolgt vom Ministerium für DML eine Freigabe von 15 Millionen DM zum Import von Maschinen aus dem kapitalistischen Ausland, bzw. der BRD. Dafür werden von fünf Firmen aus der BRD hochproduktive, zum Teil automatisierte Sondermaschinen für die Pleuelstangen- und Nockenwellenproduktion geplant und beschafft. Diese Maschinen und Anlagen werden 1989 und 1990 geliefert und installiert. Sie kommen noch für kurze Zeit erfolgreich zum Einsatz und werden dann, wie der gesamte Betrieb, Opfer der neuen Situation.

  • 1990 aus dem VEB wird eine GmbH.
  • 1998 Gesamtvollstreckung.
  • Seitdem verfallen das Gelände und die Gebäude.
  • 2014 wird anlässlich des Tages der Industriekultur in der Industriebrache eine Veranstaltung mit Filmen, Vorträgen, Lesungen, Foto und Videoshow, die 140 Besucher anlockte, durchgeführt.
  • 2016 im Zuge von Neuansiedlungen wird begonnen, die große Halle wieder auszubauen.

Objektbeschreibung: Das Hauptgebäude wurde um 1906 errichtet. In den darauffolgenden Jahrzehnten wurden verschiedene Nebengebäude errichtet, die wiederholt wechselnder Nutzung unterlagen. Das Gelände ist ca. 250 m lang und knapp 100m breit. An der Nordostseite liegt es an der Heinrich-Heine-Straße, an der Südwestseite befindet sich ein Gleisanschluss, der vor allem für die Belieferung mit Rohmaterial wichtig war. Der Direktexport von Motoren oder Diesel-Elektroaggregaten in die Sowjetunion, und andere sozialistische Länder, aber auch ins kapitalistische Ausland wurde im Betrieb vom Zoll abgenommen, in Kisten verpackt und auf Waggons verladen.

Quellen/Literatur/Links:

  • Persönliche Dokumente und Informationen von Helmut Liesaus, Ernst Burghardt, Manfred Winkler, Manfred Eidner
  • Dokumente als Leihgabe des Heimatmuseums Böhlitz-Ehrenberg

Autoren: Helmut Liesaus, Roger Liesaus

Datum: 26.03.2018

Abbildungen:

  • Reformmotorenfabrik1919; Archiv Heimatmuseum Böhlitz-Ehrenberg
  • ReformmotorenfabrikKarlHeineStr2013; Roger Liesaus
  • Reformmotor1910; Roger Liesaus
  • Reformmotor1910Schild; Roger Liesaus
  • ReformmotorenAufDerMesse1918; Archiv Heimatmuseum Böhlitz-Ehrenberg
  • FlakMunition3,7cmIm2WK; Bundesarchiv
  • MaschinenhalleFabrikstr1970erJahre; Archiv Manfred Winkler
  • ProspektDieselmotor1970erJahre; Archiv Ernst Burghardt
  • Dieselmotorenwerke, große Halle2013; Enno Seifried
  • Fabrikansicht2013; Roger Liesaus



Dietzold-Werke

Titel des Objekts: Dietzold-Werke

Adresse: Franz-Flemming-Straße 9, 04179 Leipzig

Stadtteil: Leutzsch

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallverarbeitung, Metallwaren; Ateliers

Kurzcharakteristik: Das 1905 errichtete Fabrikgebäude diente zunächst für die Metallverarbeitung und zuletzt vom „VEB Maiswerk Zerbst“. Seit den 1990er Jahren stand das Gebäude leer, bis sich 2013 ein neuer Eigentümer fand, der das Areal für Ateliers und als Location umnutzt.

Datierung: 1915

Objektgröße: ca. 3.600 m²

Ursprüngliche Nutzung: Fabrik für Metallwaren

Heutige Nutzung: Ateliers

Bau- und Firmengeschichte: Im Auftrag des Unternehmers J. Arthur Dietzold wurde nach Plänen des Architekten Emil Franz Hänsel in der heutigen Franz-Flemming-Straße ein Fabrikgebäude errichtet. Zunächst hatte es nur vier Stockwerke und ein Flachdach, auf dem man dann einen Dachstuhl mit weiteren Räumen setzte. So entstand vermutlich dann auch der Giebel mit den großen DIETZOLD-Buchstaben. Hergestellt wurden unter anderem Nägel, Schrauben, Drähte, Springfedern und Kellerfenstergewebe.
Ab 1912 zog hier eine Kürschnerei ein, die Tierfelle zu Pelzbekleidung verarbeiteten. Darauf folgte die Produktion von Elektroschaltgeräten. Die Dietzold-Werke gehörten ab 1969 zum Mitteldeutschen Maiswerk und wurden 1974 eine Außenstelle des „VEB Maiswerk Zerbst“. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands schloss diese Fabrik ihre Tore und die Bausubstanz wurde sich selbst überlassen.
Im Juli 2010, um halb vier nachts, stand der Dachstuhl in Flammen. Die Feuerwehr ließ ihn kontrolliert abbrennen. Seitdem fehlt der Dachstuhl und der Giebel steht frei. 2013 dann, kauft ein Investor das ehemalige Fabrikgebäude und öffnet die Räume für Ateliers, die zwei Jahre später erstmals bezogen worden. Der neue Eigentümer saniert das Gebäude, erneuert die Sanitäranlagen, möchte aber den alten Charme der Fabrik behalten. Im Erdgeschoss plant er eine Galerie mit Restaurant und Freisitz. Der Dachstuhl soll teilweise mit Glas überdacht und für Veranstaltungen genutzt werden.

Objektbeschreibung: Das Fabrikgebäude besitzt eine Klinkerfassade mit abfallendem Putz, das zudem sanierungsbedürftig ist. Es befindet sich in einem Gewerbegebiet, zwischen der Eisenbahnstrecke Leipzig-Weißenfels und der Franz-Flemming-Straße, direkt gegenüber der Theater-Fabrik-Sachsen.

Quellen/Literatur/Links:
www.dietzoldwerke.de
LVZ Lost Places www.multimedia.lvz.de/dietzold#114

Autor/in: Dave Tarassow

Datum: 22.02.2018

Abbildungen: (Dave Tarassow, 05.09.2015.)