1

Elster-Saale-Kanal

Objekt: Kanal zur Verbindung von Elster und Saale; Saale-Elster-Kanal oder Saale-Leipzig-Kanal genannt

Stadtteil: Lindenau, -Böhlitz-Ehrenberg, Dölzig, Güntersdorf, Wüsteneutzsch, Kreypau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Verkehrswesen, Schifffahrt

Kurzcharakteristik: Künstliche Wasserstraße zum Anschluss von Leipzig an die Saale und weiter an die Elbe und Nordsee

Datierung: ab 1933

Objektgröße:

  • der Saale-Leipzig-Kanal vom Lindenauer Hafen bis Schleuse Wüsteneutzsch 19 km, davon 11 km aktuell mit Wasser gefüllt
  • Schleuse Wüsteneutzsch bis zur Saale bei Kreypau ca. 6 km

Ursprüngliche Nutzung:  unvollendetes Bauvorhaben

Heutige Nutzung: Freizeit- und Sportaktivitäten

Objektbeschreibung, Bau- und Firmengeschichte: 

1926 wurde ein Staatsvertrag zum Bau eines Südflügels zum Mittellandkanal beschlossen. Der Baubeginn zur nunmehr als Elster-Saale-Kanal bezeichneten Wasserstraße erfolgte 1933 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Nationalsozialisten. Kriegsbedingt wurden die Bauarbeiten 1943 beendet. In dieser Zeit wurden gebaut:

  • das Hafenbecken in Lindenau mit Silos,
  • ein ca. 11 km langes mit Wasser gefülltes Kanalstück bis Güntersdorf mit kompletter Ausrüstung, geeignet für Schiffe bis 1000 t
  • ein weiteres 8 km langes trockenes Kanalstück bis Wüsteneutzsch einschließlich des Rohbaues einer Sparschleuse

Im weiteren Verlauf:

  • 11 fertiggestellte Straßenbrücken
  • 1 Eisenbahnbrücke
  • 2 Straßenunterführungen
  • Floßgrabendüker bei Wüsteneutzsch (begonnen)
  • Zschampertdurchlass (geplant)
  • 6 weitere Düker (realisiert)

Im Zuge des Projektes begannen 1938 die Arbeiten an einem Hafen als Endpunkt des Kanals. Es war ein Industrie- und Umschlaghafen mit zwei Hafenbecken mit je 1000 m Kailänge und 70m Breite geplant. 1943 wurden die Arbeiten kriegsbedingt eingestellt. Bis zu diesem Zeitpunkt entstand ein Hafenbecken mit Kaimauer und ein Großteil der Hafenanlagen, u.a. zwei Silogebäude, Gleisanlagen, Straßen und Industrieansiedlungen. Von 1945 bis 1996 wurden die bereits fertiggestellten Speicher- und Lagergebäude des Hafens genutzt. Seitdem verfallen die Gebäude auf dem fast 40 ha großen Gelände zusehends. Seit Herbst 1997 stehen der Lindenauer Hafen und die dazugehörigen Anlagen und Gebäude unter Denkmalschutz. Gegenwärtig wird das Hafenareal als Wohngebiet entwickelt.

Es gibt nach wie vor von unterschiedlicher Seite Bemühungen, die Kanalverbindung zur Saale zu vollenden. Diese Idee scheitert an den Ergebnissen der Wirtschaftlichkeitsberechnungen, da nur von einer touristischen Nutzung ausgegangen wird. Der Frachtverkehr ist nicht mehr vorgesehen. 

Quellen/Literatur/Links:
eigene Kenntnisse
http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=444
http://www.wasser-stadt-leipzig.de/de/vision.asp
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heine-Kanal
http://www.saaleelster.de/index2.html
http://www.wsa-magdeburg.wsv.de/Wasserstrassen/Saale_und_Saale-Leipzig-Kanal/index.ht

https://de.wikipedia.org/wiki/Elster-Saale-Kanal

http://www.saaleelsterkanal.de/index2.html

Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen: „Leipziger Brücken IV – Brücken über den Karl-Heine-Kanal und den Elster-Saale-Kanal 12/10“
Gewässerkatalog 2015-2017 des Regionalen Planungsverbandes Westsachsen

Autor: Helmut Sander / Michael Hartwich / Frank Heyme

Datum: 15.04.2018 / April 2021




HASAG – Hugo Schneider AG

Titel des Objekts: HASAG – Hugo Schneider Aktiengesellschaft

Adresse: 04318 Leipzig, Permoserstraße 15

Stadtteil: Anger-Crottendorf / Paunsdorf

Industriezweig/Branche/Kategorie: Lampenbau, später Munitionsproduktion

Kurzcharakteristik: Lampen- und Metallwarenfabrik

Datierung: am Standort von 1897 bis 1945

Objektgröße: ca. 25 ha

Denkmalstatus: Obj.-Dok.-Nr. 09292457

Ursprüngliche Nutzung: Lampen- und Metallwarenfabrik

Spitzname in der Bevölkerung: Lampen-Schneider

Heutige Nutzung: Standort des Umweltforschungszentrums und anderer Firmen

Bau- und Firmengeschichte:

Der kaufmännische Angestellte Hugo Schneider (geb. 1836 in Siegroth, Schlesien) beteiligte sich 1863 in Reudnitz bei Leipzig am Unternehmen des Klempnermeisters Ernst Häckel. 1871 ging das Unternehmen in den alleinigen Besitz von Hugo Schneider über. Zu dieser Zeit wurden bereits 60 Personen beschäftigt und man versuchte die produzierten Petroleumlampen auch im Ausland abzusetzen. Am 01.06.1888, im Alter von 52 Jahren, starb der Firmengründer Hugo Schneider. Die Unternehmensleitung übernahm sein Sohn Johannes Schneider-Dörfel. Er setzte bis 1891 die Spezialisierung der Firma fort. Die Fertigung kompletter Lampen wurde zugunsten der Produktion von Petroleumbrennern aufgegeben und das Unternehmen entwickelte sich zum weltweit bedeutendsten Produzenten. Die mit zwei Dampfmaschinen ausgerüstete Fabrik verarbeitete monatlich mehr Messingblech als jede andere deutsche Firma. Aus diesem Grunde beschloss die Firmenleitung ein eigenes Messingwalzwerk zu errichten. Hierzu erwarb man 1897 ein Grundstück in Paunsdorf bei Leipzig.

1899 erfolgte unter Mitwirkung der Allgemeinen Deutschen Credit-Anstalt (ADCA), der Darmstädter Bank und der Privatbank George Meyer die Firmenumwandlung in die Hugo Schneider Aktiengesellschaft (HASAG). Die Söhne Hugo Schneider’s blieben bis zu ihrem Tod als Direktoren tätig, danach hatten die Banken die Kontrolle über das Unternehmen. Bankier Meyer übernahm einen Sitz im Aufsichtsrat und Kommerzienrat Thieme von der ADCA wurde Vorsitzender dieses Gremiums. Am Paunsdorfer Standort entstand zur Herstellung von Petroleumbrennern ein neues Werk. Das Unternehmen beschäftigte ungefähr 1200 Arbeiter. Ab 1902 begann man unter Nutzung eines schwedischen Patents mit der Produktion von Petroleum-Starklicht-Lampen mit einer Leistung von 200 bis 3000 Lux, ab 1904 errichtete man eine Fertigungslinie zur Herstellung von Autolampen.

1932 wurde der spätere SS-Sturmbannführer Paul Budin Generaldirektor der HASAG und SA-Sturmbannführer Georg Mumme sein Stellvertreter, der Wehrwirtschaftsführer Wilhelm Renner wurde Sozialdirektor. Ab 1939 produzierte die HASAG ausschließlich für die Wehrmacht, unter anderem Gewehrpatronen, Granaten und Bordmunition.

Ende 1942 entwickelte Dr. Langweiler in Leipzig die erste Panzerfaust. Ziel war eine einfach bedienbare Abschussvorrichtung für den Hohlladungskopf. Das Projekt erhielt den Namen „Gretchen“ und war für eine Kampfentfernung von 30 Metern ausgelegt. Die Panzerfaust war sehr kompakt und leistungsfähig konstruiert. Zur Steigerung der Einsatzreichweite wurde die Waffe weiter verbessert. Nun konnten Panzer auf eine Entfernung bis 60 Meter, 100 Meter und am Schluss bis 150 Meter bekämpft werden. Die Stückzahl der produzierten Panzerfäuste belief sich auf weit über sechs Millionen.

Die HASAG hatte in Deutschland Zweigwerke in Altenburg, Berlin, Borsdorf, Colditz, Delitzsch, Eisenach, Flößberg, Grimma, Langewiesen/Dermbach, Meuselwitz, Oberweißbach, Schlieben und Taucha und in Polen in Skarzysko-Kamienna, Kielce und Tschenstochau.

In den Jahren 1943/1944 beschäftigte die HASAG 70.000 Personen, davon waren 44 % Ausländer, der Großteil Frauen. Der weitaus größte Teil dieser Ausländer waren Zwangsarbeiter, die unter sehr schlechten Bedingungen arbeiteten und deren Tod billigend in Kauf genommen wurde.

Nach dem Krieg lief in kleinem Umfang eine zivile Produktion an. Bis 1947 wurden alle Anlagen und Maschinen demontiert und die meisten Gebäude gesprengt, nur die Hauptverwaltung und die Lehrwerkstatt sind erhalten geblieben. 

Objektbeschreibung:

Das Gelände hat die Form eines ungleichseitigen Dreiecks und ist an der Torgauer Straße ca. einen Kilometer. Die südliche Begrenzung bildet die Permoserstraße mit etwa 700 Metern Länge. Die dritte Seite wird durch die Eisenbahnlinie Leipzig – Eilenburg begrenzt. Nördlich bis zur Leupoldstraße erstreckte sich das Nordwerk mit Entwicklungslabor, Schießständen und Zwangsarbeiterlagern.

Heute befindet sich auf dem Gelände u.a. auch die „Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig“: https://www.zwangsarbeit-in-leipzig.de/zwangsarbeit-in-leipzig/ (zuletzt aufgerufen am 11.3.2021)

Quellen:

Literatur:

  • Haikal, Mustafa; Die Hugo Schneider Aktiengesellschaft (Hasag). In: UFZ-Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle: Leipzig Permoserstraße. Zur Geschichte eines Industrie- und Wissenschaftsstandorts. Leipzig 2001.
  • Worm, Holger: Die Hugo Schneider A.-G. Leipzig. Kurzübersicht ihrer Entwicklungsgeschichte und Produkte. Fockendorf 2007. Online abrufbar
  • https://de.wikipedia.org/wiki/HASAG (zuletzt aufgerufen am 10.03.2021)
  • www.ROG-Film.de  (zuletzt aufgerufen am 10.03.2021)

Persönliche Dokumente und Informationen von:

Raik Alvermann, Michael Heyne, Oliver Modes, Holger Worm

Autoren: Roger Liesaus, Holger Worm

Datum: 05. März 2020




Spreadshirt

Titel des Objekts: aktuell: sprd.net AG (Spreadshirt)

Adresse: 04229 Leipzig, Gießerstr. 27 (zugehörig: Naumburger Str. 33), Naumburger Str. 31 und 29

Stadtteil: 04229, Leipzig, OT Plagwitz, Gemarkung Kleinzschocher, Flurstück 326/l (Brand-Kat. 100; Gießerstr. 27/zugleich Naumburger Str. 33), 326m (Brand-Kat. 99; Naumburger Str. 31), 410 (Brand-Kat. 98; Naumburger Str. 29)

Nutzungsgeschichte/Branchen

  • Fa. Reinhold Wünschmann (Maschinenbau) u. Schumann‘s Elektrizitätswerk (Elektrotechnische Apparate)
  • Unruh & Liebig (Transportanlagen)

dann in wechselnden Bezeichnungen: 

  • SAG Podjomnik (1.8.1946), 
  • SAG Transmasch (1.1.1950) und 
  • SAG S.M. Kirow (1.1.1952) (auch: Kirow-Werk),
  • VEB Schwermaschinenbau S. M. Kirow (1.1.1954), 
  • dann: im Kombinat TAKRAF 
  • sprd.net AG (Spreadshirt, E-Commerce-Plattform für den On-Demand-Druck von Kleidung und Accessoires)

Denkmalstatus: kein Eintrag in Denkmalliste und -karte des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege Dresden

Objektgröße: nach Grundbuch-Abdruck vom 15.01.2020, Bauzeichnungen und Lageplänen ca. 4000 m2 (Fabrikgelände 1897ff.) – ca. 8330m2 (Erweiterung 1950er Jahre)

Objektbeschreibung:

Überblick: Das Areal entlang der Gießerstr. zwischen Markranstädter- und Naumburger Str. war als Besitz der Leipziger Westend-Baugesellschaft, wie eine Karte in ‚Leipzig und seine Bauten‘ zeigt, 1890 unbebaut. In den folgenden Jahren setzte hier eine intensive Bautätigkeit und Unternehmensansiedlung ein: Auf Stadtplänen von 1903 und 1905 ist das gesamte Viertel als bereits bebaut angegeben; auch die Wohnbauten Gießerstr. 25 und Naumburger Str. 30, 32 sind in dieser Zeit errichtet worden. Auf dem durch die Firma Reinhold Wünschmann (Herstellung von Kerzengussmaschinen) erworbenen, offenbar unbebauten Grundstück Gießerstr. 27 errichtete diese nach der Bauakte 1897 gemeinsam mit dem personell zugehörigen Schumann‘s Electrizitätswerk eine Fabrik. 

Die Firma Reinhold Wünschmann (Herstellung von Kerzengussmaschinen) erwarb das offenbar unbebaute Grundstück Gießerstr. 27. Der Bauakte zu entnehmen errichtete die Fa. Wünschmann gemeinsam mit der personell zugehörigen Firma Schumann´s Electrizitätswerk eine Fabrik.

Letztere handelte mit elektrischen Anlagen wie Motoren und besorgte die Elektrifizierung von Nebenbetrieben wie C.F. Weithas Nachf. (durch Ausstattung mit entsprechenden Anlagen, nach Buhl auch durch Stromlieferung). Zur Fabrik gehörte auch eine Dampfkesselanlage zur Erzeugung von Energie und Dampf zum Maschinenantrieb, die nach Anschluss an die Versorgung mit elektrischem Strom (ca. 1916) zumindest zu Heizzwecken weiterbetrieben wurde. 

Zudem hatte die Fabrik wie ihr Nachbarunternehmen C.F. Weithas Nachf. Zugang zum Industriegleis P XII. Die Grundstücke Naumburger Str. 31 und 29 gelangten als Reserven für Betriebserweiterungen in den Besitz der Firma und wurden offenbar (wohl teilweise und zeitweilig) an verschiedene Unternehmen vermietet: An die AG Beton und Monierbau (Naumburger Str. 31) oder die 1891 gegründete Leipziger Zweigniederlassung des Berliner Unternehmens (Julius) Freudenstein & Co. (ab 1899 als Stahlbahnwerke Freudenstein & Co. AG, Fabriken für Feld-, Forst- und Industriebahnen), die um und nach 1900 an der Naumburger- 29 zumindest zeitweilig ein Lager unterhielt. Das (bebaute) Firmengelände ging 1917 als Werk II in den Besitz von Unruh & Liebig über (Stammwerk Naumburger Str. 28 an der gegenüberliegenden Straßenseite). In dessen Auftrag wurden verschiedene bauliche Veränderung und Neubauten vorgenommen; dazu gehörten in den 1940er Jahren auch die Errichtung zweier Arbeitslager.

Werk I und II wurden seit den 1950er Jahren dem Betriebsgelände des Nachfolgebetriebes, dem SAG Transmasch (vorm. Unruh & Liebig / Kirow-Werk)  inkorporiert, zusammen mit Nachbargrundstücken in der Naumburger Str. (Nr. 27: Fa. Hammer, Nr. 25: Fa. Törpsch als Werk V) und Markranstädter Str. 8 (und Gießerstr. 29: Fa. C.F. Weithas Nachf. als Pachtbetrieb Werk IV) sowie Markranstädter Str. 4/6 (Fa. Max Billhardt bzw. Fa. Eberspächer). In dieser dritten Nutzungsperiode erfolgten umfangreiche Um- und Neubauten. Die doppelte Sperrung der Naumburger Str. bedeutete die Umwandlung einer öffentlichen Verkehrsfläche in Betriebsgelände (Werksstraße).

Die gegenwärtige vierte Industriebelegung des Grundstücks Gießerstr. 27 erfolgte durch Spreadshirt, ein 2002 gegründetes, 2006 von einer GmbH (2003) in eine AG überführtes Unternehmen, das gegenwärtig nach eigenen Auskünften ca. 900 Mitarbeiter an fünf Produktionsstandorten beschäftigt. Die Fa. nutzt das Grundstück im Besitz der Plagwitzer Immobiliengesellschaft/CG-Gruppe als Mieter. In diesem Zusammenhang erfolgten 2008 Umbau und Erweiterung des Bautenensembles Gießer-/Naumburger Str. durch das Architekturbüro Homuth + Partner, das dafür 2011 mit dem Architekturpreis der Stadt Leipzig geehrt wurde.

Die in den Spreadshirt-Neubau integrierte Fassade des ersten Industriebaus an der Gießerstr. ist im wesentlichen erhalten geblieben. Aus der Bebauungsphase der 1950er Jahre stammen Teile der Fassade in der Naumburger Str., die Stützen des Eisenlagers in der Ostwand des Spreadshirt-Gebäudes und auf dem Grundstück Naumburger Str. 29 der unmittelbar benachbarte Hallenbau (aktuell zumindest z.T. von der Fa. obeta electro genutzt; am größeren rückwärtigen Teil der Halle sind gegenwärtig Bauarbeiten im Gange; vermutlich ist eine neue Nutzung vorgesehen).

Unternehmensgeschichte: Reinhold Wünschmann / Schumann‘s Elektrizitätswerk und Nachfolgeunternehmen: Die Geschichte des Unternehmens lässt sich in Grundzügen anhand von Unterlagen im Staatsarchiv unter Zuhilfenahme von Adressbüchern rekonstruieren.

Heinrich Reinhard Friedrich Wilhelm Oscar Schumann (gest. 1897) war ein sehr aktiver Unternehmer, zu dessen Gründungen u.a. das spätere Industriearmaturenwerk Schumann & Köppe gehörte. Sein Unternehmen Schumann‘s Electricitätswerk (der erläuternde Nebentitel variierte, im folgenden: SE), hervorgegangen aus Schumann‘s Mechanischer Werkstätte zur Einrichtung elektrischer Beleuchtung, handelte anfangs mit Stromerzeugern besonders französischer Bauart (Gramme, Paris) und war mit der Ausführung von elektrischen Licht- und Kraftanlagen befasst. Später wurde eine eigene Produktion aufgebaut, zu der auch eine Bogenlampenherstellung gehörte, die später an Körting & Matthiesen verkauft wurde. Beide hatten, bevor sie sich mit eigener Firmengründung selbständig machten, in Schumann‘s Werkstätte gearbeitet. Das Unternehmen besaß offenbar einige Bedeutung auf diesem jungen elektrizitätsindustriellen Gebiet. 

1897 zählte es 70 Beschäftigte, 1903 ca. 90. Im Jahr 1892 hatte es den Ehrenpreis der Stadt Leipzig und auf der Antwerpener Weltausstellung 1894 eine Goldmedaille erhalten. Auf der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung in Leipzig von 1897 war SE (nach eigener Angabe bereits 1885 gegründet) in einem Ausstellungspavillon mit vertreten. Das Unternehmen verwendete in seiner Geschäftspost zumindest vier verschiedene Briefköpfe, u.a. mit einer Werksansicht.

Schumann‘s Elektricitätswerk ist am 2. August 1893 im Handelsregister eingetragen worden und wurde als Kommanditgesellschaft betrieben. Es war nach Adressbüchern zunächst in der Mittelstr. 7 (Hans-Poeche-Str.) ansässig. Nachdem Friedrich Wilhelm Oscar Schumann 1897 verstorben war, wurde August Wilhelm Oscar Schumann (vermutlich ein Nachkomme) in diesem Jahr Mitinhaber und Kommanditist, schied aber bereits 1902 wieder aus der Fa. aus. Damit war kein Mitglied der Familie Schumann mehr an dem Unternehmen beteiligt. Dieses bestand jedoch fort. Bereits 1896 wurden der Ingenieur Ewald Gotthold Egbert Wünschmann, Besitzer der Lichtgiessmaschinenfabrik Reinhold Wünschmann (Elisenstr. 12 ansässig, heute B.-Göring-Str., 1864 als Rüdig & Wünschmann gegründet) und Julius Eduard Franz Graff Mitinhaber (zudem ab 1891 Mitinhaber der Fa. R. Wünschmann). Die Fa. R. Wünschmann war seitdem, wie ein Briefkopf (Geschäftsschreiben vom 11.01.1908) ausweist ‚Schwesterfirma‘ von SE, welche im amtlichen Schriftverkehr stets mitzeichnete und 1897 Mitbauherrin für das gemeinsame Fabrikgebäude gewesen ist. Daher finden sich auch für die Jahre zuvor beide Firmen an denselben Orten verzeichnet: Gießerstr. 19 (ab 1907 Nr. 27) und Braustr. 19 (= Naumburger Str.; diese Angabe lässt sich nicht verifizieren). Beide Firmen hatten bis 1919 eine gemeinsame Betriebsleitung und prokuristische Vertretung. In der Naumburger Str. 31 und 29 bestanden ab 1905 zeitweilig Lagerflächen, die auch verpachtet wurden.

Vermutlich produzierte die beide Unternehmen umfassende Fa. in der Gießerstr. 27 unter dem Namen Wünschmann Kerzengießmaschinen und unter dem Namen Schumann elektrische Anlagen (vgl. den Bauantrag 1897, s. unten). Werbeanzeigen im Leipziger Adressbuch von 1903, 1905 und 1909 kennzeichnen SE in erster Linie als produzierendes Unternehmen, zudem als Installations- und Handelsbetrieb. Ein Bericht zum späteren Konkursverfahren 1932 teilt hingegen mit, dass SE (ausschließlich) als Handelsgesellschaft fungierte. Auf jeden Fall wurde in der mit einer Dampfkesselanlage und angeschlossenem Maschinenhaus (sowie ‚Accumulatorenraum‘) ausgestatteten Fabrik auch produziert. In Bauzeichnungen sind die verschiedenen Betriebsräume näher bezeichnet: Während ‚Schmiede‘, ‚Werkzeugschlosserei‘, ‚Spähnelager‘, ‚-gußlager‘ nur allgemein auf eine Maschinenfabrik, ‚Kranhalle‘ auf den Transport schwerer Objekte hinweisen, ‚Magazin‘, ‚Packraum‘ u. ‚Kistenlager‘ auf produktionsnotwendige Lagerhaltung und Versand signalisieren, gestattet die Angabe ‚Zinnschmelzerei‘ keine Entscheidung darüber, ob elektrotechnischer Anlagen oder Kerzengussmaschinen hergestellt wurden, denn zur Herstellung beider Produkte fand Zinn Verwendung, in großen Ausmaß bei letzteren. ‚Prüffeldraum‘ hingegen assoziiert eher elektrotechnische Objekte. Auch ist die Fabrik kein auf die die funktionellen Zusammenhänge spezifischer Produktionsvorgänge hin entworfener Industriebau.

Nach dem Tod von Reinhold Wünschmann wurde dessen Witwe Henriette Victorie 1897 kurzzeitig Mitinhaberin, dann bis zu ihrem Ausscheiden 1918 Kommanditistin. 1914 trat der Ingenieur Amy Richard Wilhelm Felix dem Unternehmen als offener Gesellschafter (Komplementär) bei (Egbert Wünschmann wurde Kommanditist), zudem war er kurzzeitig Mitinhaber der Fa. Wünschmann. Für die 1917, 1918 und 1919 ausgeschiedenen Gesellschafter Egbert Wünschmann, Victorie Wünschmann und Franz Graff traten 1919 der Ingenieur Max Lange (offener Gesellschafter) und der Kaufmann Ewald Schlundt (Kommanditist) dem Unternehmen bei, das nun also von Felix und Lange geleitet wurde. Damit scheinen sich auch die Wege der beiden Unternehmen Wünschmann und Schumann zu trennen. Nachdem das Firmengelände in der Gießerstr. 27 / Naumburger Str. 33, 31 und 29 bereits Ende 1916 in Besitz der Peniger Maschinenfabrik und Eisengießerei, Aktiengesellschaft in Penig, d.h. Unruh & Liebig (Werk I: Naumburger Str. 28) übergegangen war (und seitdem als ‚Werk II‘ dieses bisherigen Nachbarunternehmens fungierte), wurde 1919 die serielle Produktion von Motoren nach Saalfeld verlagert und dort als Schumann´s Electricitätswerk Werk Saalfeld mit ca. 120 Arbeitern und 20 Angestellten in gemieteten Räumen betrieben. Die beiden Unternehmen in Saalfeld (Geschäftsführer: Felix, Lange) und Leipzig (Geschäftsführer: Schlundt, 1919-1925 OHG) waren handelsgerichtlich getrennt, mit denselben Inhabern (Felix, Lange) eingetragen. In Leipzig verblieb der Warenvertrieb Saalfelder Motoren, später auch anderer Hersteller mit ca. 10 Angestellten. Angemietete Geschäftsräume befanden sich nach Adressbüchern von 1910-1932 in der Kleinen Fleischergasse 8 bzw. Hainstr. 5 (Kleine Joachimstalpassage), zudem besaß die Fa. in den 1920er Jahren einen Messestand bei dem 1921 gegründeten Haus der Elektrotechnik e.V., in dessen Ausstellungsgebäude auf der Technischen Messe (Halle 10, errichtet 1923).

Im neuen Werksteil von Unruh & Liebig wurde im 1. Weltkrieg die Produktion von Rüstungsgütern (Granaten) betrieben, erneut im 2. Weltkrieg (Munitionsaufzüge). Unruh & Liebig verpachtete ca. 1936/37 Teile des Werkes II an die Leipziger Werkzeug- und Gerätefabrik GmbH, die dort eine mit Acetylen betriebene Schweißanlage (Azetylen-Entwickler der Fa. Messer & Co., Berlin) sowie einen ‚Vulkan-Lufthammer‘(einer Fa. aus Berlin-Neukölln) mit einem Bärgewicht von 125 kg errichten ließ.

Das Schicksal des erwähnten Saalfelder Unternehmens ist nicht klar: 1925 liquidiert, jedoch noch 1938 ebd. Bernhardstr. 14 nachweisbar. Kaum besser erging es dem Leipziger Unternehmen. Konnte es sich noch von den Folgen der Inflation erholen, bedeutete die Weltwirtschaftskrise den Niedergang in den Konkurs ab 1932. Zahlungen an Schlundt aus dem Firmenvermögen beschleunigten diesen Vorgang. Felix, Lange und Schlundt schieden 1933 als Gesellschafter aus. Die Fa. wurde an den Kaufmann Gustav Eduard Johannes Meschke verkauft, der zu einem der Inhaber in einem Verwandtschaftsverhältnis gestanden hatte sowie seit 1909 Prokurist und seit 1926 Geschäftsführer der Fa. gewesen war. Das Konkursverfahren wurde 1936 mangels Masse eingestellt. Meschke betrieb das Unternehmen, mehr schlecht als recht, unter dem angestammten Namen bis zu seinem Tod am 10.12.1943 als Angestellter eines anderen Unternehmens (Fa. Panier, Leihhaus, Nordstr. 58) von seiner Wohnung aus. 1946 erfolgte die Löschung der Fa.

Nach Verkauf der Fabrik an Unruh & Liebig führte F. Graff nach Ausscheiden Ewald Gotthold Egbert und Henriette Wünschmanns die Fa. Wünschmann in Lindenau, Josephstr. 31 fort. Mit dem Tod Graffs 1925 übernahm der 1919 der Fa. beigetretene Curt Gustav Beilicke als Alleininhaber im April 1926 die Unternehmensleitung (Kommanditgesellschaft), die wiederum nach dessen Tod 1959 an dessen Ehefrau Ella Hildegard Beilicke (geb. Graff) überging (1967 neu verheiratet als Ella Reichelt).

1948 zählte das ‚stark in den Export eingeschaltete‘ Unternehmen 10 Beschäftigte, davon 8 Arbeiter (1946 7-8 Beschäftigte, davon 6-7 Arbeiter). Firmenunterlagen illustrieren die Schwierigkeiten bei der Materialbeschaffung, insbesondere von Zinn zur Herstellung von stearinbeständigen Gussformen. Bereits 1960 erfolgte eine staatliche Unternehmensbeteiligung durch den VEB (K) Feineisenbau Leipzig (infolge Kombinatsbildung ab 1970 VEB Kombinat Orsta-Hydraulik). 1966 schied E.H. Beilicke aus der Geschäftsführung aus. 1972 wurde der Betrieb an den VEB Akkumulatorenbau Markkleeberg (Orsta-Hydraulik) verkauft, der nach Liquidation des Unternehmens 1973 Rechtsnachfolger des Firmengrundstücks wurde. Die Liquidation erfolgte, obwohl der Wirtschaftsrat noch 1971 die Produktion von Kerzengießmaschinen durch die Fa. Wünschmann als Alleinhersteller für volkswirtschaftlich wichtig und ‚unbedingt zu erhalten‘ erklärt hatte.

Nach 1945 wurden die Betriebsteile von Unruh & Liebig in die SAG Transmasch überführt, der am 01.12.1952 der Name S.M. Kirow verliehen wurde (seitdem auch Kirow-Werk), die SAG ging erst 1954 in das Eigentum der DDR über. Der Betrieb wurde dem VVB Ausrüstung für Bergbau und Schwerindustrie (ABUS), dann dem VVB TAKRAF angegliedert. Spätestens durch die letzte Angliederung wurde das Unternehmen zum Großbetrieb aus 26 Einzelbetrieben mit 40.000 Beschäftigten und der Forschungseinrichtung Institut für Fördertechnik Leipzig. 1979 fusionierten der VVB TAKRAF mit dem VEB Transportanlagenbau Leipzig zum VEB Schwermaschinenbaukombinat TAKRAF. In Plagwitz wurden dem Kirow-Werk ab ca. 1950 neben Werk I und II der ehemaligen Fa. Unruh & Liebig verschiedene Nachbarbetriebe als Werke III (bisher nicht identifiziert), IV und V inkorporiert. Damit gehörte das gesamte Areal zwischen Zschocherscher- und Gießer-, Naumburger- und Markranstädter Str. mit Ausnahme der ehemaligen Fabrik Swiderski zu diesem Großbetrieb, weiter die Produktionsstandorte von Grohmann & Frosch in Plagwitz und Lindenau. Der Expansion eines derart großen (Stamm-)Werkes waren in Plagwitz Grenzen gesetzt, weshalb bereits 1948 die Einrichtung eines neues Betriebsgeländes in Böhlitz-Ehrenberg erfolgte; der Plagwitzer Standort blieb prekär.

Das Kirow-Werk, heute Kirow-Ardelt GmbH, gehört zu den wenigen DDR-Betrieben, die die politische Wende 1989/90 und die Treuhand überstehen konnten. Die Nutzungsgeschichte des ehemaligen Betriebsgeländes an der Naumburger Str. nach 1989 müsste noch eruiert werden; 2008 erfolgte ein Umbau der Werksanlagen für das Unternehmen Spreadshirt.

Baugeschichte (s. Planskizzen): Die Bauakte beginnt mit dem Antrag der Unternehmen Reinhold Wünschmann und Schumann‘s Elektricitätswerk vom 03.04.1897 zur Errichtung eines Fabrikneubaus an der Ecke Gießer- u. Naumburger Str., in den die in der Elisenstr. 12 (Bernhard-Göring-Str.) und Mittelstr. 7 (Hans-Poeche-Str.) bestehende ‚Maschinen- resp. elektrotechnische Fabrik zur Fabrikation von Kerzengussmaschinen bzw. elektrischen Maschinen‘ verlagert werden sollte. Der durch das Leipziger Architekturbüro Händel & Franke (mit mehreren Tekturen) projektierte und statisch berechnete, durch das Baugeschäft F.P. Bastänier & George ausgeführte Neubau ist zum 01.10.1897 fertiggestellt worden; J.S. Buhl hat ihn in ihrer Studie zu Plagwitzer Industriearchitektur nicht behandelt. Er bestand aus einem zweigeschossigen Gebäude an der Gießerstr. für technische Abteilung und Verwaltung auf der linken Seite und Garderobe und Essräumen auf der rechten Seite des Gebäudezugangs. Des Weiteren aus einem hinter Verwaltung und technischem Büro und an der Naumburger Str. liegenden durchgehend eingeschossigem ‚Arbeitssaal mit Shedoberlicht’ auf stählernem Tragwerk und Kranhalle mit durchgehendem Oberlicht (in der Bauakte als Sheddach bezeichnet; integriert war ein Packraum genanntes Areal) in Nord-Süd-Ausrichtung als sein östlicher Abschluss.

Nur die beiden Gebäudeecken an der Naumburger Str. sind als zweigeschossige Hochbauten hervorgehoben. Die Fassade an der Gießerstr. war hinsichtlich der Wandöffnungen 16-achsig (Gebäudezugang zweiachsig), die der Naumburger Str. neun-achsig, die abgeschrägte Gebäudeecke einachsig. An diesen Arbeitssaal anschließend: im Osten Maschinen-, und Kesselhaus mit ‚Acumulatorenraum‘ sowie sanitäre Einrichtungen, als südliche Raumflucht verschiedene Lager sowie eine Schmiede. Im Arbeitssaal war ein gesonderter Bereich als Magazin ausgewiesen (Arbeitssaal ohne Magazin ca. 32 m in Ost-West- und 44,26 m in Nord-Süd-Richtung), dem sich östlich Zinnschmelzerei und Werkzeugschlosserei anschlossen. Diese innere Disposition hat im Laufe der Zeit, bald nach 1900 einsetzend, mehrfach Veränderungen erfahren. Das nach und nach mit verschiedenen Schuppen (zudem einem zeitweiligen Kontorgebäude) bebaute Hofgelände östlich des Arbeitssaales erstreckte sich in der Naumburger Str. nach Osten bis einschließlich  in Höhe des Wohnhauses Nr. 30, in der Gießerstr. bis zum Industriegleis und der Nachbarfabrik C.F. Weithas Nachf.

Zumindest die Fassade der Gießerstr. ist als unverputzter Ziegelbau im wesentlichen erhalten geblieben; die Abschrägung der Gebäudeecke ist bereits 1897 geplant und ausgeführt worden. Die Fassade ist, zwischen Werksteinsockel und Dachgesims mit Attika darüber, vertikal durch flache durchgehende Wandvorlagen zwischen den Fenstern bzw. Fensterpaaren gegliedert, die sich in der Attika fortsetzen. Eine ähnliche Gestaltung zeigt die Fabrik Grohmann & Frosch (heute Kirow-Ardelt GmbH) in der Gießerstr. Die Attika verleiht dem Bauwerk einen klaren, markanten oberen Abschluss und verdeckt die dahinterliegenden Dachbauten.

Die beiden Gebäudetrakte nördlich und südlich des Zugangsbereiches unterscheiden sich vor allem in ihren Fensterformen: Während auf der Nordseite Segmentbogenfenster mit geradem Sturz im Erdgeschoss und rechteckige Fenster im Obergeschoss Verwendung fanden, sind auf der Südseite kleinere, paarweise angeordnete Segmentbogenfenster verwendet worden. Der ehemalige Zugang an der Gießerstr. ist heute ablesbar an dem Fassadenabschnitt, in dem unten der zum ursprünglichen Bauwerk gehörende niedrige Werksteinsockel unterbrochen ist. Die Bauzeichnung sah einen hinter die Gebäudeflucht zurückspringenden Abschnitt in zweiachsiger Gliederung aus Tür mit Fensterpaar darüber in der südlichen, zwei übereinander angeordneten Fenster in der nördlichen Achse vor, dessen oberes mit einem an dieser Stelle nicht überzeugenden (und in einer Tektur gestrichenem) Balkon versehen werden sollte, während am unteren eine Treppe zu einem seitlichen Eingang angedeutet ist. Alle Wandöffnungen haben Segmentbögen.

Dieser Hofraum ist zur Gießerstr. hin wohl durch eine Einfriedung geschlossen worden. Diese Situation blieb offenbar bis zu einem Umbau 1949/50 erhalten. Der nicht erhalten gebliebene südliche Gebäudeabschluss sollte lt. Bauzeichnung aus einer Mauer mit angeschlossenem zweiflügeligen schmiedeeisernen Tor bestehen (die heutige Gestalt war spätestens Ende der 1930er Jahre vorgeformt). Die Grundstücksgrenze bildete das Industriebahngleis P XII, das sich das Unternehmen mit der benachbarten Fa. C.F. Weithas Nachf. teilte.

Ein Briefkopf (Geschäftsschreiben vom 11.01.1908) zeigt das gesamte bebaute Areal aus der Vogelperspektive und spiegelt die gebaute Realität offenbar recht genau wieder; die Existenz des benachbarten Unternehmens C.F. Weithas Nachf. ist darauf jedoch ganz unterschlagen worden.

In den Folgejahren sind lediglich kleinere Anbauten unter Einbeziehung hinzuerworbenen Areals vor allem östlich des Kesselhauses errichtet worden: Trocken- und Polierraum (1906), Gusslager- und andere Schuppen (1908), Erweiterung eines Prüffeldraumes (1911) durch das Bauunternehmen Walter Schneider. 1916 erfolgte ein Antrag auf Versorgung des Betriebes mit elektrischem Strom durch die Leipziger Elektricitaetswerke.

Zur Ausstattung des Fabrikneubaus gehörte die Errichtung einer Dampfkesselanlage und einer im Querschnitt runden ‚Schornsteinsäule‘ von 33,50 m Höhe. Beides wurde ebenfalls durch das Büro Händel & Franke im Juni 1897 projektiert; als Bauherr sind beide Firmen oder nur SE angegeben. Die Dampfkesselanlage bestand aus einem Zweiflammrohrkessel der Fa. Moritz Jahr, Gera (Reuß) mit der lfd. Nr. 552 (Baujahr 1897; Heizfläche 75 m2, max. Dampfspannung: 8 at Überdruck). Die Genehmigung für Errichtung und Betrieb der Dampfkesselanlage wurde nach Prüfungen durch die zuständige Kgl. Gewerbeinspection Leipzig am 26.08.1897 erteilt, am 03.11.1897 erfolgte die Abnahme der installierten Kesselanlage u.a. zur Heizung mit Dampf. Zuvor, am 11.10.1897, setzte SE Baupolizeiamt und Gewerbeinspection über die ‚interimistische‘ Aufstellung und Betrieb einer ‚10-pferdigen‘ Lokomobile in Kenntnis, da deren ‚eigentliche Betriebsstation noch nicht fertiggestellt sei‘.

Die Errichtung einer ‚Blitzableitung‘ erfolgte durch die Leipziger Fa. Otto Ehrling (baupolizeiliche Abnahme am 12.10.1898). Die bestehende Dampfkesselanlage erwies sich nach wenigen Jahren als unzureichend, weshalb SE am 14.05.1906 die Absicht zur Aufstellung eines zusätzlichen weiteren Dampfkessels mitteilte. Und zwar eines Zweiflammroh-Doppelkessels der ‚Sächs. Maschinenfabrik vorm. Hartmann AG, Chemnitz‘ (lfd. Nr. 4250, Baujahr 1906) von nun 120 m2 Heizfläche und 12 at Überdruck (Verfeuerung sächsischer Braunkohle, mit angeschlossenem ‚Völker’s Halbgasfeuerung mit Schür- und Reguliergungsapparat D.R.B.‘), zur Versorgung der 160-PS-Betriebsdampfmaschine. Die Errichtung erfolgte zügig, so dass am 20.06.1906 die Abnahmeprüfung erfolgen konnte. Jährliche Prüfungen beider Kesselanlagen (in der Bauakte bis 1930 verzeichnet) erfolgten durch die Kgl. Gewerbe-Inspection; in der Bauakte zeichnet der Sächs. Dampfkessel-Überwachungsverein in dieser Funktion ab 1913, später das Gewerbe-Aufsichtsamt Leipzig II. 1937 ist eine Verlängerung der Betriebserlaubnis für die größere Kesselanlage (Nr. 4250) bis zum 31.12.1941 erteilt worden, die aber wohl 1939 stillgelegt wurde (der alte Kessel, Nr. 552, war wohl bereits 1937 nicht mehr in Betrieb). 

1920 beantragte der neue Eigentümer der Fabrik, Unruh & Liebig, den Einbau zweier Dampf-Speisepumpen der Fa. Weise & Monski (Modelle Nr. 508 und 509) zur Versorgung der beiden Dampfkessel, die Inbetriebnahme erfolgte am 31.03.1921. 1923 wird in den größeren Kessel eine Dampfüberhitzungsanlage durch die Fa. F.L. Oschatz, Maschinen- und Dampfkesselfabrik Meerane und durch die Fa. Weinhold & Hiller (Leipzig-Leutzsch) eine Muldenrostfeuerung (‚System Weinhold‘) eingebaut. In diesem Zusammenhang erfolgt im selben Jahr auch der Umbau der Kohlebühne vor der Feuerung und schließlich 1930 noch die Errichtung einer Elekrohängebahn zur Beschickung der Kesselfeuerung über einen Kohlebunker (s. unten).

Unruh & Liebig ließ 1920 durch das für die Fa. bereits früher tätige Ingenieurbüro Paul Ranft auf dem ehemaligen Gelände des Unternehmens Reinhold Wünschmann / SE (Gießerstr. 27/Naumburger Str. 33, nördlich des Kesselhauses) eine massive Werkzeugschlosserei (ausgestattet mit Elektromotoren; städtische Stromlieferung) mit über einer Eisenbetondecke liegendem Essraum für die Werksarbeiter projektieren und durch das Bauunternehmen G. Brömme (Baugeschäft u. Eisenbetonbau Leipzig-Chemnitz) ausführen. Das Gelände Naumburger Str. 31 u. 29 wurde, wie ein Situationsplan von 1929 zeigt, als Lagerplatz benutzt. 1929/1930 erfolgte durch die Fa. selbst die Errichtung einer Elektrohängebahn mit Greiferbetrieb zur Entladung der auf dem Privatgleis P XII ankommenden Kohle-Waggons und Verbringung der Kohle in den Kohlebunker des Kesselhauses bzw. auf den Kohlelagerplatz. Die Bahn sollte auch dem Transport von Drehspänen dienen.

1936 sind wie bereits erwähnt eine Anlage zum autogenen Schweißen mit Acetylen-Entwickler sowie ein Vulkan-Lufthammer mit einem Bärgewicht von 125 kg errichtet worden. 1937 und 1938 erfolgten diverse Schuppen(um)bauten auf Gelände Naumburger Str. 31 durch das Bauunternehmen Oswald Ebert, u.a. für Fahrräder. 1939 hat das Bauunternehmen Fritz Künicke das jetzt stillgelegte Kesselhaus zu einer Werkstatt umgebaut und mit einem Luftschutzraum für 190 Personen ausgestattet. Eine Übersichtszeichnung aus diesem Jahr zeigt, dass die Montagehalle gegenüber ursprünglichen Arbeitssaal vergrößert und die westlich und südlich angrenzenden Räume verkleinert und funktionell neu organisiert worden waren, ohne dass dafür Umbaupläne überliefert zu sein scheinen.

Im gleichen Jahr errichtete diese Firma zudem eine Transformatorenstation mit einer Dampfverteilungsanlage (Speisung durch Werk I) an der Naumburger Str., an der weiterhin 1940/41 eine das Werksgelände abschließende, baufällig gewordene Einfriedung durch eine Mauer ersetzt wurde, die ein wohl bereits früher errichtetes Pförtnerhaus einband. Künicke war nochmals 1942/43 für Unruh & Liebig mit dem Einbau von zwei Lagern für ‚ausländische Zivilarbeiter‘, wie es im Bauantrag euphemistisch hieß, und der Anlage eines Splitterschutzgrabens für diese Arbeiter tätig (ein weiteres Lager wurde im Werk I betrieben).

Ein Fliegerangriff am 20.02.1944 hatte offenbar größere Schäden zur Folge (das Ausmaß ist unklar und es muss offenbleiben, ob nur ein Werkteil oder beide betroffen waren), weshalb das Unternehmen den Architekten Fritz Eberlein, Burgstädt/Sa. im Rahmen von Sofortmaßnahmen mit Wiederaufbauarbeiten beauftragte, die im Oktober dieses Jahres noch im Gange oder noch gar nicht begonnen worden waren.

1949/50 wurde nach Plänen des Architekturbüros Rudolf Hager für Unruh & Liebig, Staatl. AG für Maschinenbau ‚Podjomnik‘‘ die Werksküche im Gebäudetrakt an der Gießerstr. (1. OG) umgebaut. Dabei erhielt der ehemalige Eingangsbereich eine neue Fassade (das OG erhielt drei Fenster), die statt des ursprünglichen Rücksprungs nun in der Gebäudeflucht angelegt wurde (Eingangssituation im EG blieb offenbar eine zeitlang erhalten). Dasselbe Büro projektierte 1953 auch die Errichtung eine Gebäudebrücke, die den Arbeitern des nun neu zum Betriebsgelände zählenden Werkes IV (Weithas-Halle) als Zugang zur Garderobe in Werk II dienen sollte.

Diese kleineren Veränderungen sind Teil eines umfassenden Um- und Neubauprogramms; das wurde erst infolge der amtsseitigen Neuordnung der Bauakte (zwischen Februar und August 2020) deutlich. Ziel der Neuanlage war die maximale Flächenausnutzung von Werk II des unter Angliederung zahlreicher Nachbarunternehmen wachsenden Kirow-Werkes in einem Neubau, der aber der ‚Kapazität‘ des Betriebs gar nicht angemessen war. Im einzelnen lässt sich der gesamte Planungsprozess wohl kaum noch in wünschenswerter Klarheit rekonstruieren. Zudem sind die Lichtpausen der Bauzeichnungen im Bauaktenarchiv im Laufe der Jahre stark verblichen und teilweise kaum noch nachzuvollziehen. Der Neubau wurde trotz der Rüge unzureichender ‚Planvorbereitung‘ und sicherheitstechnischer Einwände (Fluchtwege, Licht und Belüftung, Brandschutz) gegen die ‚Übersteigerung der Überbauung‘ infolge des erteilten ‚Planauftrages‘ schließlich mit verschiedenen Änderungen realisiert. Die gewünschte ‚Bauauflockerung‘ unterblieb aber, und die durch die Betriebsgröße bedingte Überforderung der öffentlichen Verkehrsräume wurde dann noch durch die doppelte Sperrung der Naumburger Str. zugespitzt. Die nähere bauliche Planung der Um- und Neubauten wurde dem Architekten Rudolf Hager übertragen; mit der Bauausführung war u.a. das Bauunternehmen Eduard Steyer beauftragt. Die Bauanträge und Bauzeichnungen sind 1951 angefertigt worden, das Genehmigungsverfahren zog sich bis Ende 1953 hin (Bauantrag und Baubeschreibung konnten bislang in der Bauakte nicht ausfindig gemacht werden).

Eine Erweiterung konnte das Betriebsgelände, d.h. der jetzt als ‚Mechanische Werkstatt‘ bezeichneten ehemaligen Montagehalle, nur auf der Ostseite erfahren (Genehmigung der Mechanischen Werkstatt am 12.12.1953; Unruh & Liebig hatte bereits früher eine ‚mechanische Werkstatt‘ und eine ‚Vorbereitungshalle‘ (s. unten) betrieben; s. Buhl mit falscher Lokalisierung). Zu diesem Zweck wurden bestehende Bauten im Bereich Naumburger Str. 33 sowie das angrenzende, vor allem zu Lagerzwecken genutzte Gelände Naumburger Str. 31, 29 überbaut (alte Toreinfahrten sind mit Pflasterungen im Bereich des Gehweges heute noch sichtbar), eine teilweise noch bestehende ‚Hofkranbahn‘, die in der Bauakte nicht nachweisbar ist [identisch mit Elektrohängebahn?], integriert. Die Stützen in der östlichen Hallenwand (heute in der Ostaußenwand des Spreadshirt-Baus, Naumburger Str. 31, erhalten und sichtbar) fungierten zugleich als Auflager für das neue unmittelbar anschließende ca. 25 m breite Eisenlager, dem sich östlich ein ‚Vorbereitungshalle‘ genannter Bau von ca. 17 m Breite anschließt (beide Hallen genehmigt am 28.02.1953).

Dieser letztgenannte Bau stand zum großen Teil auf einem ursprünglich gepachteten Grundstück, das dann entsprechend angepasst wurde; die Halle ist in der Naumburger Str. 29 erhalten geblieben. Während die auf den Ursprungsbau zurückgehende Westfassade, entgegen ursprünglicher Planung, im wesentlichen unverändert blieb, erfuhr die nördliche einen nach Osten verlängerten, dreigeschossigen Umbau, in dem technische Abteilungen und Verwaltung untergebracht waren. Die heutige Gestalt des Spreadshirt-Baus rekonstruiert hier unter Nutzung originaler Bausubstanz (im ziegelverkleideten EG und den beiden Treppenhausrisaliten gut nachvollziehbar) diesen zeittypischen Bauzustand, stellte hingegen den ursprünglichen Zustand der Westfassade wieder her und damit auch den Bezug auf den Ziegelbau des Nachbarunternehmens C.F. Weithas Nachf.. Die ehemals als Fensterwand ausgebildete Südfassade ist als geschlossene Wandfläche neu geschaffen worden.

Die beiden genannten Hallen ruhten auf Stahlkonstruktionen mit Kranbahnauflagern (gemeinsame Stütze in Längsrichtung) und erstreckten sich über die gesamte Grundstückstiefe in Nord-Süd-Richtung ca. 70 m. Sie waren mit massiven Decken (‚Leipziger Decke‘) versehen, die in der Firstachse mit einem Oberlicht ausgestattet waren (beim Eisenlager auf ca. 48 m Länge). Die Längswände der Vorbereitungshalle waren ausgemauert und mit großen Fenstern ausgestattet (die Westwand aus statischen Gründen mit einer Mauervorlage verstärkt, heute Außenwand). Der Giebel der Vorbereitungshalle wurde zur Erlangung einer einheitlichen Fassade über die Breite des Eisenlagers hinweggezogen, und schloss oben mit einer Attika (mit aufliegender Gesimsplatte) in Firsthöhe des Eisenlagers. Die Wand war ‚in Pfeilersystem‘ ausgemauert, unter Ausbildung eines Bandes großer Fenster zwischen sichtbar belassenen Stahlbetonträgern, darunter befanden sich in flachen Nischen kleinere Fenster, zudem war ein Schiebetor und eine Pforte vorgesehen. Diese Fassadenwand wurde mit ‚ausgesuchten Klinkern‘ (wie an der benachbarten Werkstattfassade) verblendet, mit denen die sichtbar belassenen Stahlbetonträger kontrastierten. Deutlich also das Bemühen um einen qualitätvollen, das bauliche Umfeld berücksichtigenden, bezugnehmenden Industriebau.

Im Zusammenhang mit der gewünschten Betriebserweiterung sah die Bauplanung die doppelte Sperrung der Naumburger Str. durch Errichtung von Einfriedungen und Pförtnerhäuschen (Genehmigung am 28.02.1953) vor: Zum einen in Höhe des Wohnhauses Naumburger Str. 30 (1956 erweitert) und zum anderen in Höhe der Naumburger Str. Nr. 25 (Fotos aus dem Jahre 1953 zeigen in Blickrichtung von der Straßenkreuzung in die Naumburger Str. nur das vordere Pförtnerhaus). Dadurch wurde öffentlicher Verkehrsraum Betriebsgelände zum internen Verkehr zwischen Werk I, II, und V. Mit diesen Bauten wurde auch das alte Pförtnerhaus, das zunächst im Bereich des Eisenlagers erhalten bleiben sollte, nebst Einfriedung überflüssig und wurde zusammen mit Schuppenbauten für den Neubau des Eisenlagers abgerissen. Weitere Um- oder Zubauten sind wohl nicht erfolgt; in den 1960/70er Jahren sind noch ein Bohrwerk sowie Säulendrehkräne errichtet, ferner ist eine Meisterstube mit Werkzeugausgabe in der mechanischen Werkstatt eingebaut worden.

Quellen:

  • Unterlagen im Sächs. Staatsarchiv Leipzig:
  • Schumann‘s Elektrizitätswerk: Handelsregisterakte (Bestand: 20124 Amtsgericht Leipzig, Signatur: HR-Akte1506, zuvor fol.8552), in diesem Bestand der firmengeschichtliche Bericht des Konkursverwalters Arthur Klarner v. 20.7.1932; Konkursverfahren 1932-36 (Signatur: 19316); Schriftverkehr zu Elektrifizierung von Nebenbetrieben der Leipziger Wollkämmerei 1928ff. (Bestand: 20928 Leipziger Wollkämmerei, Sign.: 0886).
  • Stahlbahnwerke Freudenstein & Co. AG: Registerband Nr. 07801-07900 (Bestand: 20124 Amtsgericht Leipzig, Signatur: 21074;), Registerband Nr. 10301-10400 (Bestand: eb., Signatur: 21099).
  • Reinhold Wünschmann: Handelsregisterakte (Bestand 20142, Sign. HRA 406); Unterlagen nach 1945-1973: Bestand 21047, Sign. 1810 u. 2340, Bestand 20242, Sign. 2545.
  • Amt für Bauordnung und Denkmalpflege der Stadt Leipzig, Bauaktenarchiv, Bauakten Gießerstr. 27 (Brandkataster-Nr. 100B, Flurstück 326l bzw. 326/5), Bd. I-VIII, 1897-1990 (II: Dampfkesselanlage, 1897-1937), VIII-X Umbau für Spreadshirt 2007-2008, X,1-11 Statik (2007-2008).
  • Adressbücher der Stadt Leipzig sowie der Vororte vor ihrer Eingemeindung s. www.sachsendigital.de (zuletzt aufgerufen im Okt. 2020). Werbe-Beilagen in den Adressbüchern 1903, 1907 (S. 45), 1909 (S. 45; Abb. der Montagehalle, im Bildtitel als Schumann‘s Elektrizitätswerk bezeichnet)
  • Stadt Leipzig, Amt für Statistik und Wahlen (Hg.), Verzeichnis Leipziger Straßennamen, 2018 (online, pdf)
  • Hans Rückert, Leipziger Industrie. Amtliches Firmen- und Bezugsquellenverzeichnis, Verkehrsamt d. Stadt Leipzig, 1946, Nr. 355, S. 54

Fotografische Dokumente:

  • Deutsche Fotothek, Neg. Nr. 0006478_019 (ca. 1953); Bundesarchiv, Bild 183-21247-0008 und 183-21247-0011, Leipzig, SAG Kirow –Werke (beide 14.9.1953, Foto: Illner), zuletzt eingesehen Okt. 2020.
  • Ruth Teubner (Red.), Kleinzschocher. Geschichte und Geschichten aus dem Leipziger Stadtteil Kleinzschocher, Interessengemeinschaft Buch Kleinzschocher, Leipzig [2009], S. 133

Karten:

  • Leipzig und seine Bauten. Zur 10. Wanderversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Leipzig …, hg. von der Vereinigung Leipziger Architekten und Ingenieure, Verl. Gebhardt, Leipzig, 1892, Beilage: Karte.
  • Theodor Koch, 1888 – 1938. Leipziger Westend Baugesellschaft Leipzig. Zur 50. Wiederkehr ihres Gründungstages, Leipziger Westend-Baugesellschaft Leipzig-Lindenau, Lützner Str. 164, 1938, Karte (1900, aktualisiert): ‚Bahnhöfe und Industriegleise‘ (= Riedel S. 86f.)
  • Sabine Schneller, Hildtrud Ebert, Die Geschichte der Unternehmen der Kranunion. Hg. Kranunion GmbH & Co. KG., Leipzig, 2013, S. 148f.: Karte mit Eintragung der Vorgänger- und übernommenen Unternehmen des Kirow-Werks in Plagwitz und Lindenau.

Weiteres

 Sekundärliteratur:

  • Horst Riedel, Plagwitz. Ein Leipziger Stadtteillexikon, Pro Leipzig, 2017, 7 (Blick in die Werkhalle vor dem Umbau 2008), 227f. mit Abb. des Unternehmensgebäudes der Fa. ‚Spreadshirt‘ (2011)
  • Julia Susann Buhl, Studie zur Industriearchitektur in Leipzig Plagwitz 1870-1914 am Beispiel ausgewählter Bauten, Diss. TU Berlin, 2003, zu Unruh & Liebig S. 222-225, zu Werksstraßen S. 96, Abb. 169f. URL: http://edocs.tu-berlin.de/diss/2003/buhl_susann.pdf (kostenfrei zugänglich; zuletzt abgerufen am 12.02.2021)
  • zur Frühzeit der Fa., in der Wilhelm Mathiesen und Max Körting eine Zeit lang arbeiteten: Ulrich Krüger, Gabriele Leech-Anspach, Der Leipziger Unternehmer Max Körting und sein Werk, Sax-Verl., Beucha, 2007, S. 14ff.
  • Offizieller Katalog der Sächsisch-Thüringischen Industrie- und Gewerbe-Ausstellung zu Leipzig 1897. Im Auftrag des geschäftsführenden Ausschusses, bearb. v. Johannes Kleinpaul, Leipzig: Daube, 1897, Gruppe I S. 37 Nr. 391, Aussteller-Verz. S. 285. Der Ausstellungspavillon für die Firmen Nietzschmann und Wommer, in dem u.a. auch Schumann‘s Elektrizitätswerk vertreten war (s. eb. Grupppe IX, S. 141f.), ist von dem Architekten Paul Möbius (damals im Büro Händel & Franke tätig) entworfen worden, s. Website der Familie Wommer www.wommwomm.de/bauwerke/ausstellungspavillon-nietzschmann-wommer/ (zuletzt abgerufen 29.12.19).
  • Karl Juckenburg, Das Aufkommen der Großindustrie in Leipzig, Veit Verlag, Leipzig, 1913 (=Volkswirtschaftliche und wirtschafts-geschichtliche Abhandlungen, Folge 3, H. 2), im wirtschaftsstatistischen Zusammenhang finden Erwähnung Fa. Wünschmann (S. 43), Schumann‘s Elektrizitätswerk (S. 55)
  • Grundriss des für die Fa. umgebauten Areals s. https://www.homuth-architekten.de/portfolio-type/firmenzentrale-spreadshirt-leipzig (zuletzt abgerufen 3.2.2020), mit Pressemitteilungen.
  • Umbau durch Homuth + Partner: Stadt Leipzig, Dezernat Stadtentwicklung und Bau, Stadtplanungsamt, Geschäftsstelle Architekutrpreis (Hg.), Architekturpreis der Stadt Leipzig zur Förderung der Baukultur, 2011, Objekt 3. Dazu auch LVZ 14.10.2011
  • Zum ‚Haus der Elektrotechnik‘ auf dem Gelände der ehemaligen Internationalen Baufachausstellung bzw. ‚Alten Messe‘: Leipziger Messeamt (Hg.), Der Start in Leipzig. Die Bedeutung der Großen Technischen Messe und Baumesse Leipzig für die Fortschritte in Technik und Industrie, Essen: Girardet, 1940. S. 9. 257; Ulrich Krüger, Gabriele Leech-Anspach, a.O. S. 58 (mit Abb. des Gebäudes).
  • Zu Unruh & L. und Kirow-Werk s. auch Schneller, Hildtrud Ebert, a.O.

Autor: Richard Brüx

Dank gebührt Herrn Matthias Schulz, Mitarbeiter der CG-Gruppe, der mir den Zugang zum Bauaktenarchiv ermöglichte.

Datum: 03.11.2020

Abbildungen: Fotografien von Richard Brüx

Planskizze 1, 1897-ca. 1916 nach Bauakte Band I (Feb. 2020) fol. 3, 47, 54.

Planskizze 2, ca. 1916-1953 nach Bauakte Band I (Feb. 2020) fol. 127, II (Feb. 2020) fol. 5, 69, VI (Aug. 2020), fol. 57, 74

Die beiden schematischen Planskizzen orientieren sich insbesondere an verschiedenen Situationsplänen, die Momentaufnahmen der Bau- und Nutzungsgeschichte darstellen. Die Skizzen sind nicht maßstäblich angelegt und stellen lediglich Annäherungen an die tatsächlichen Proportionen der einzelnen Baulichkeiten und deren räumliches Verhältnis zueinander dar; auch sind weder die Einzelbauten noch das bebaute Gelände im Grundriss Rechtecke.




Mühle Stahmeln

  • früher: Franz Lucke, Mühlenwerke
  • DDR: VEB Mühlenwerke Stahmeln
  • heute: Mühlenwerke Stahmeln GmbH

Adresse: Mühlenstraße 17, 04159 Leipzig

Ortsteil: Lützschena-Stahmeln

Industriezweig/Branche/Kategorie: Nahrungsgüterindustrie; Mühlenwerk

Datierung: 1893 – 2012

Objektgröße: zwei Hektar Werksgrundstück in Leipzig-Stahmeln

Bau- und Firmengeschichte:

Die Mühle in Stahmeln arbeitete als eine der letzten an der Weißen Elster, denn sie produzierte noch bis 2012. Erstmals wurde sie 1486 in einem Zinsregister erwähnt. 1647 brannte sie vollständig nieder, wurde wieder aufgebaut und mehrfach umgebaut. Beginnend 1661 sind die Namen ihrer Eigentümer bzw. Pächter bekannt. Hermann Bötiger, der am 27.03.1863 ihr alleiniger Eigentümer wurde, ließ sie nach dem erneuten Brand am 18.08.1875 wieder aufbauen. Dabei wurden anstelle des Wasserrades Turbinen eingebaut, geliefert von der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz, und die meisten Mühlstein-Mahlgänge durch Walzenstühle ersetzt.

1893 kaufte Franz Lucke sen. (1857–1927) die Mühle und erweiterte sie schrittweise. Zum Betrieb der Mühle in Stahmeln sowohl bei Trockenheit als auch bei Hochwasser, wurde eine Dampfmaschine eingebaut und die Turbinen erneuert. 1896 wurde das zur Mühle gehörende Wohnhaus abgerissen und durch ein Kontorgebäude ersetzt, die neue Fabrikantenvilla in der Mühlenstraße 17 gebaut. Zur Mühle gehört auch das Obermüllerhaus Stahmelner Anger 19. Bis 1905 belieferte sie als Proviantmüllerei des Heeres in Leipzig die Garnison auf der Pleißenburg. Als der Militärfiskus eine eigene Mühle auf dem Kasernengelände in Gohlis bauen ließ war die Mühle in Stahmeln von ihren Lieferverpflichtungen befreit. Unter der Leitung von Franz Lucke wurde 1905 die Ausstattung der Mühle verbessert, indem man neue Walzenstühle, Siebmaschinen und Reinigungsanlagen einbaute.

1912 entschloss er sich, die Mühle abzureißen und einen Neubau zu beginnen. Die Planungs- und Bauarbeiten wurden von der Firma Max Woldemar Vogel aus Leipzig ausgeführt, die technische Ausrüstung der neuen Mühle mit Walzenstühlen, Plansichtern, Elevatoren und Putzmaschinen übertrug er der Amme, Giesecke & Konegen AG aus Braunschweig. Das Getreidesilo wurde vergrößert, der Mehlspeicher erweitert und die Maschinen mit elektrischen Einzelantrieben versehen. So entstand 1912 der größte Teil der Anlage.

Da im Ersten Weltkrieg die Reichsgetreidestelle die Lagerung großer Getreidemengen verlangte, wurde 1916/17 ein achtstöckiges, 35 Meter hohes Getreidesilo angebaut. Über die Nachkriegszeit mit der Inflation 1920/21 konnte der Betrieb erhalten werden. Unter der Leitung von Franz Lucke jun. wurden die technischen Anlagen ständig modernisiert. Auf einer Betongründung wurde 1934/35 ein 1500 Tonnen fassendes, sechsteiliges Stahlsilo errichtet, ergänzt durch Trocknungs- und Areginal-Vergasungsanlage nach damals neuestem Stand. So wurden die Verluste von Getreide durch Schimmel oder Schädlingsbefall vermieden. Die markante Form der Silos dominiert das gesamte Mühlenareal, ist eine Landmarke und Wahrzeichen von Stahmeln. Zur besseren Ausnutzung der Wasserkraft ließ Franz Lucke jun. die Ufer der Elster befestigen und den Flusslauf zwischen Stahmeln und Lützschena begradigen. Damit die Turbinen immer die geplante Leistung brachten, wurde der Niveauunterschied des Wassers konstant gehalten. Ständig war ein Baggerkahn auf dem Fluss unterwegs, förderte Schlamm und Sand zutage. Damit wurden die Lachen in Stahmeln verfüllt. Wiesen entstanden und die Mückenplage wurde vermindert.

In der NS-Zeit waren die Kunstmühlen-Werke Franz Lucke ein Nationalsozialistischer Musterbetrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Lucke von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Die nun treuhänderisch verwalteten Mühlenwerke galten als zweitgrößter Mühlenbetrieb Sachsens und wurden als VEB Mühlenwerke Stahmeln weitergeführt. Mit der Grundinstandsetzung 1986 wurde sie auf einen guten technischen Stand gebracht, vergleichbar z.B. mit westdeutschen Mühlen. Jede der Turbinen des Wasserkraftwerks brachte 75 kW Leistung, so dass 25 % des Energiebedarfs der Mühle gedeckt werden konnten, aber auch Strom ins öffentliche Netz abgegeben wurde. Durch den Einbau lärmreduzierter Abluftanlagen wurde die Lärmbelastung der Umgebung deutlich gesenkt.

Bis 1990 gehörte sie zum VEB Kombinat Getreidewirtschaft Leipzig. Danach folgten die Umwandlung in eine GmbH und mehrfache Eigentümerwechsel. Im Jahre 1999 kam es zu einem Management Buy Out, die Mühle wurde mit 30 Mitarbeitern weiterbetrieben und erzielte im selben Jahr einen Umsatz von 16,8 Millionen D-Mark. Für das Jahr 2000 wurden etwa 20 Millionen D-Mark an Erlösen erwartet. Zu der Zeit vermahlten an jedem Tag erfahrene Müller 120 Tonnen Weizen und 60 Tonnen Roggen zu Standardmehlen aller Typen oder „Mehlen nach Maß“. Jährlich sind das 45.000 Tonnen Elite- und A-Weizen und 6.000 Tonnen Roggen bester Qualität, die von Betrieben im Umkreis von hundert Kilometern bezogen werden. Von 1992 bis 2012 haben die Eigentümer zehn Millionen Mark für Investitionen eingesetzt, davon zwei Drittel für die Modernisierung der Produktionsabläufe.

Am 16. September 2009 hatte die Gesellschafterversammlung zugestimmt, dass am 13. Juli 2009 die Heyl GmbH & Co. KG mit Sitz in Bad Langensalza die Mühlenwerke Stahmeln GmbH übernehmen kann. 2012 wurde die Produktion eingestellt, denn die Saxonia Mühlenwerke Leipzig-Stahmeln GmbH übernahm die Immobilie und wollte sie vermarkten.
Im Jahr 2016 erwarb die Firma GRK Holding das Objekt und begann mit dem Umbau zu einem Wohnhaus mit Miet- und Eigentumswohnungen. Der Wohnkomplex verfügt über vier Hauptgebäude sowie der Remise und dem Inselgebäude mit insgesamt 68 Wohnungen und 71 Stellplätzen. Die 2- bis 4-Raum-Wohnungen haben eine Wohnfläche zwischen 50m² und 168m², Balkon, Loggia, Terrasse oder Wintergarten.

Objektbeschreibung:

Das derzeit als Wohnanlage genutzte Ensemble steht auf einem zweieinhalb Hektar großen Grundstück und liegt nahe beim Naturschutzgebiet Leipziger Stadtforst, teilweise auf einer Insel zwischen der Weißen Elster und dem Elstermühlgraben.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Horst Pawlitzky, Frank Heyme

Datum: März 2020

Abbildungen: Horst Pawlitzky, Frank Heyme




Färberei Luckner

früher: Färberei Luckner
DDR: VEB Färberei und chemische Reinigung
heute: Wohnanlage Elsterhöfe

Adresse: Friedrich-Bosse-Straße 67; 69; 71; 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Dienstleistung / Reinigung

Datierung: 1888

Objektgröße:

Bau- und Firmengeschichte: Der Färbereibetrieb wurde 1890 vom Fabrikanten Hugo Luckner nach Wahren verlegt. Gleich hinter dem Werksgelände fließt die weiße Elster, welche das notwendige Wasser liefert. Luckner hatte vorher einen Betrieb nahe dem Stadtzentrum, in der Gerberstraße.
Firma Hugo Luckner – Hand- und Maschinenbügelei sowie Wollfärberei in Leipzig-Wahren. Ab 1899 Einführung der Benzinwäscherei, Färberei und Chemische Waschanstalt Hugo Luckner.
1907 Verkauf der Firma an Ch. Daniel und F. und A. Röver weiterhin mit dem Angebot Färben und der chemischen Reinigung von Garderobe aller Art, von Innendekorationen, Gardinen, Teppichen, Federn, Handschuhen usw. mit Kundschaft in ganz Deutschland. Ständige Modernisierung der technischen Anlagen und Ausbau des Netzes an Annahmestellen.
Während des 2. Weltkrieges wurden auch Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt.
1948 wurde der Betrieb enteignet und seitdem als VEB Färberei und chemische Reinigung weiter betrieben.
1991 erfolgte die Stilllegung der Produktionsanlagen u.a. wegen der Umweltbelastungen.

Objektbeschreibung: Der bestehende Klinkerbau wurde 1896-1897 als Fabrikgebäude für Hand- und Maschinenbügelei sowie Wollfärberei durch die Firma Hugo Luckner in Leipzig-Wahren errichtet. Die Klinkerfassade erhielt später die Werbeschrift »Leipziger Färberei und Chemische Reinigung“.
Ab 2018 Umbau zur Wohnanlage „Elsterhöfe“.
Das letzte Gebäude des Unternehmenskomplexes wurde im Frühjahr 2020 abgerissen. Die Buchstaben von der Fassade konnte sich der Sportverein BSG Chemie Leipzig sichern. Aufgearbeitet schmücken diese nun die Geschäftsstelle im Alfred-Kunze-Sportpark.

Quellen/Literatur/Links:

  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen – Denkmaldokument Nr.: 09297454 Leipzig, Stadt
  • Thomas Fickenwirth, ‎Birgit Horn-Kolditz, ‎Christian Kurzweg: Fremd- und Zwangsarbeit im Raum Leipzig 1939-1945
  • Prospekt „Alter Färberei“ der Firma Weiße Elster GmbH
  • Siegfried Haustein; Das Wahrener Geschichtsbuch, S.111 ff
  • https://www.chemie-leipzig.de/2020/12/04/geschaeftsstelle-im-neuen-glanz/?cn-reloaded=1 (zuletzt aufgerufen am 27.02.2021)

Autor: Frank Heyme

Datum: März 2020

Aktualisierung: Februar 2021 (Kathrin Töpfer)




Wellenwerk

früher: Otto Baumberger & Co. KG
DDR: VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig
heute: TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH

Adresse: Clausbruchstraße 5-7, 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Fahrzeugbau

Datierung: 1935

Objektgröße:

Bau- und Firmengeschichte:

  • 1935 Gründung der Otto Baumberger & Co. KG in Leipzig durch Otto Baumberger, Ingenieur Gottweiß und Ing. Heß. Das Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf Pelzverarbeitungsmaschinen.. Bald erweiterten sie ihr Programm auf Stahlfedern. Produktionsprogramm: Technische Federn und Maschinen für die Rauchwarenindustrie
  • 1937 Einzug von Otto Barmberger und Herrn Heß in das architektonisch interessante Fabrikgebäude Claußbruchstr. 5- 7
  • 1939 Die Firma Baumberger & Co kauft das Grundstück und die Gebäude in der Clausbuchstraße 5-7
  • 1945 nach 1945 wurden statt Federn und Maschinen Gebrauchsgegenstände hergestellt, wie u.a. Tiegel, Feuerhaken, Tabletts, Zigarettenetuis u. a. m.
  • 1946 Die Anlagen wurden nicht demontiert, sondern die sowjetische Militärbehörde gab bestimmte militärische Gegenstände in Auftrag wie z.B. Gewehrstäbe, Ölpinselbüchsen, technische Federn usw.
  • 1947 Die sowjetischen Behörden wünschten 1947, daß der Betrieb Tachometerwellen entwickele und liefere. Was nach Bewältigung schwieriger Probleme auch gelang.
  • 1952 Beginn der Tachometerwellen-Fertigung für die Fahrzeugindustrie der DDR
  • 1958 Die Firma wird halbstaatlich und kann sich so weiterentwickeln
  • 1960 feierte man das 25jährige Firmenjubiläum
  • 1969 Auslagerung der Federnproduktion zugunsten der Tachometerwellenproduktion
  • 1972 Verstaatlichung und Weiterführung als VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig
  • 1989 Einstellung des Maschinenbaus
  • 1990 Übernahme durch die Treuhandgesellschaft als Tachometerwellen- und Maschinenbau GmbH Produktionsprogramm: Tachometerwellen
  • 1993 Reprivatisierung des Unternehmens
  • 1998 Gründung der TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH als Weiterführung des traditionsreichen Leipziger Familienunternehmens Produktionsprogramm: Biegsame Wellen, Seil- und Bowdenzüge, Druck-Zug-Betätigungen in Einzel- und Kleinserienfertigung
  • 2007 Umzug an neuen Produktionsstandort in Leipzig

Objektbeschreibung: Das Firmengelände liegt direkt an dem Fluß Elster in unmittelbarer Nähe der Gnadenkirche, die die Kirche des Ortsteils Wahren ist.
Bauzeit: 1893 bis 1902
Bauherr: Richard Lindner (Richard Lindner, Rauchwarenzurichterei und -Färberei), Errichtung als dampfbetriebene Pelzzurichterei
Baustil: Historismus, Moderne
Baumeister/Architekt: Polster & Höhne (1893 bis 1902)
Sanierung und Umgestaltung zu einer Wohnanlage: nach 2002 durch Hansa Real Estate unter Architekt Hohmuth & Partner

Quellen/Literatur/Links:

  • Siegfried Haustein: Das Wahrener Geschichtsbuch, S.111 ff
  • Gormsen, Niels; Kühne, Armin: Leipzig Stadt des Wandels, Passage-Verlag Leipzig, 3. Auflage 2015
  • TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH ; Firmenhistorie

Autor: Frank Heyme

Datum: März 2020




Schraderhaus

Titel des Objekts: Schraderhaus (auch Schrader´s Haus genannt)

  • ursprünglich: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik und andere Firmen der grafischen Industrie
  • DDR-Zeit: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik / Druckhaus Einheit / Interdruck / Messedruck
  • nach 1990: Nutzung hauptsächlich als Bürogebäude
  • heute: Leerstand
  • geplant: Umbau zum Schulgebäude

Adresse: Täubchenweg 26 und Baedeckerstr. 5, 04317 Leipzig

Ortsteil: Reudnitz

Industriezweig
/Branche /Kategorie
:
ursprünglich grafische Industrie

Datierung –
Bauzeit
: 1911-1912

Denkmalstatus:

  • Täubchenweg 26, Obj.-Dok.-Nr.: 09290628
  • Baedeckerstr. 5, Obj.-Dok.-Nr.: 09290013 (früher Nr. 28 bzw. Charlottenstr. 28)

Objektgröße: Geschossfläche ca. 13.200 m² – bei
einer Grundstücksfläche von ca. 2.200 m²

Bau- und Firmengeschichte:

  • 1890: Firmengründung der Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik, Standort zunächst Hospitalstr. 14
  • ab ca.1893: Seeburgstr. 35 bzw. 57 (Hausnummer-Änderung),
  • bis 1912: Göschenstr. 6
  • 1911-1912: Bau des riesigen Gebäudes als Druckereigebäude unter dem Kaufmann Wilhelm Schrader, Architekten: Wetzold und Beyer.
  • 1912: Auch andere Firmen der grafischen Industrie ziehen in das Gebäude ein, z.B. ein Teil des Otto Spamer Verlages (bis ca.1921), im Erdgeschoss sind Verlag, Binderei und Lager etabliert.
  • 1945: Das Gebäude übersteht die Bombenangriffe relativ unbeschadet.
  • Zu DDR-Zeiten ist hier auch mehrere Jahre der VEB Messedruck Leipzig etabliert.
  • 1971: Letztmaliger Eintrag im Leipziger Telefonbuch zu Firma Gebr. Schrader KG. 1972 erfolgt die Verstaatlichung.
  • 1990: Schließung als Druckereistandort.
  • 1991 bis 1994 wird das Objekt aufwendig zur Umnutzung für Büros bzw. Gewerbe, Wohnungen im Dachraum und Gastronomie im Untergeschoss saniert.
  • 2016: Verkauf des Gebäudes an einen Privateigentümer. Es folgt die Kündigung von Mietverträgen.
  • 2018: Im Februar muss der Szene-Club „4 rooms“ schließen.
    Im April kauft die Stadt Leipzig das Objekt für 10,3 Mio. € von einem österreichischen Investor zurück.
  • 2019: Das Gebäude steht leer.
  • 2020: Von Jan. bis Febr. 2022 Umbau als Schulgebäude für ein 4-zügiges Gymnasium für ca. 1130 Personen.

Objektbeschreibung:

  • Der U-förmiger Gebäudegrundriss der Fabrik folgt den nicht rechtwinklig zueinanderstehenden Straßenführungen von Täubchenweg, Heinrichstraße und Baedeckerstraße.
  • Das Fabrikgebäude hat heute sieben Geschosse, inkl. zwei Dachstockwerken sowie Tiefparterre (Untergeschoss).
  • Geschossfläche ca. 13.200 m² (Summe aller Nutzflächen).
  • Zwei große Toreinfahrten an Nord- und Südseite mit schmiedeeisernen Torflügeln. Einen repräsentativen Haupteingang gibt es nicht, wie z.B. bei den Globuswerken, Limburger Str. 74.
  • Bauweise: Stahlbetonbau mit gelber Klinker-Putz-Fassade.
  • Lisenen-Gliederung, schmale, leicht hervortretende vertikale Verstärkungen der Außenwand, ohne Unterbrechung zwischen den Stockwerken, aber zusätzlich mit Kapitellen wie bei Pilastern.
  • Gesimse, waagerechte Hervorhebungen, sind eher untergeordnet.
  • weiße Putzflächen unterhalb der Fenster (Fensterbrüstung – Brüstungsschürze) ergeben dagegen eine starke waagerechte Betonung.
  • Eckbetonung durch fünf große Mansardgiebel an den drei begrenzenden Straßenseiten.
  • Mansarddächer – zusätzlich abgesetzt mit geraden Schleppgauben.
  • zwei 180-Grad-Glasdachkuppeln auf den beiden äußeren Gebäudeecken sowie Glasüberdachungen für das Tiefgeschoss an der Gebäude-Hofseite.

Besondere Baumaßnahmen: Einbau eines innenliegenden Treppenhauses in Form einer Doppel-Helix und die Errichtung eines zusätzlichen dritten Einganges an der Heinrichstraße, der zum Haupteingang werden soll. Gegenüber vom Schraderhaus befindet sich das Gebäude der 125. Schule (Oberschule) und der Wilhelm-Busch-Schule (Grundschule). Dementsprechend sind gute Voraussetzungen für einen Schulcampus mit gemeinsam nutzbaren Freiflächen gegeben. Dies ist sinnvoll, da die Hoffläche der ehemaligen Fabrik relativ klein ist.

Blicktipp: Die komplizierte Dachform kann man eigentlich nur per Ballonfahrt oder gratis mittels Luftbildaufnahmen z.B. bei Google-Earth erfassen!

Quellen / Literatur / Links:

Autor: Thomas Wommer

Datum: 16.06.2019

Abbildungen: (werden nachgereicht)




Hanns und Römer Maschinenfabrik

Titel des Objekts: Hanns und Römer Maschinenfabrik

Später: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig [FoRa] im VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch

Adresse: Leipzig, Dreilindenstraße 4-6

Ortsteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Fabrikation von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Walzmaschinen und kompletter Produktionslinien für Süßwaren

Datierung: gegründet 1907

Ursprüngliche Nutzung: Gießkannenfabrik, Waschanstalt, Buchdruckerei H. Schmidt (nicht abschließend geklärt)

Heutige Nutzung: Industriebrache/ Ruine

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Hanns und Römer Maschinenfabrik wird1907 gegründet. Eigentümer sind Arthur Hanns und E. Römer. Die Firma stellt Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie, zur Herstellung von Bonbons bzw. Schokolade her. Eine weltbekannte Spezialität entsteht durch die Entwicklung der patentierten Produktionsmaschine für „Pfeifen-Lutscher“. Dieses Patent soll immer noch weltweit genutzt werden.

Im Rahmen der Verstaatlichung privatwirtschaftlicher Betriebe nach 1972 wird der Betrieb dem VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig, ein Betrieb des Rationalisierungsmittelbaues als Werksteil III zugeordnet. Die Werksräume befinden sich im Hinterhaus und die Verwaltung im Vorderhaus, Dreilindenstr. 6. Der VEB Forschung und Rationalisierung plant und setzt Rationalisierungsvorhaben der Süßwaren- und Dauerbackwarenindustrie der DDR um.

Mit Wirkung vom 1. Juli 1988 wird der Betrieb in den VEB Halloren Schokoladenfabrik Halle eingegliedert und verliert seine juristische Selbstständigkeit. Nach 1990 wird die Halloren Schokoladenfabrik privatisiert, wann der Firmenteil Rationalisierungsbau geschlossen wurde, ist derzeit nicht bekannt. Seitdem verfallen das Gelände und die Gebäude.

Objektbeschreibung:

Das Gelände ist ca. 180 m lang und knapp 40 m breit. An der Nordseite liegt es an der Dreilindenstraße, an der Südseite schließt es an die Bebauung der Lützner Straße an. An den beiden anderen Seiten gab es dichte Bebauung. Derzeit ist auch das östliche Baufeld brach liegend. Es wird teilweise als Parkplatz und als Kinderspielplatz genutzt. Das Vorderhaus ist abgerissen worden und das Hofgebäude ist dem Verfall preisgegeben. Dieses, auch als „Boxerhalle“ bekannte Gebäude, 1902 erbaut, steht unter Denkmalschutz (Obj.-Dok.-Nr. 09261135). Es sollte zu einer Gaststätte, Café oder Kneipe ausgebaut werden. Dafür wurde das Dach saniert. Das Projekt ist inzwischen abgebrochen worden.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020

Zurück zur Startseite




Vereinsabzeichenfabrik W. Helbing

Titel des Objekts: Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing

Adresse: Leipzig, Birkenstraße 8

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie/ Metalldrückerei; Galvanik

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Abzeichen aller Art und Medaillen; Lohnfertigung von Neusilber- und Aluminiumbestecken.

Datierung: gegründet 1907

Ursprüngliche Nutzung:

  • 1915 Haarnadelfabrik C. Gellermann
  • 1918 Nährmittel-Fabrik Rudolf Ady
  • 1920 Rohproduktenhandlung von Kaufmann Samuel Markowitsch

Heutige Nutzung: Industriebrache/ begrünter Hinterhof

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing wurde 1892 vom Kaufmann Siegfried Hellinger gegründet.

Die Firma zog 1930 in die Birkenstraße 8. Es wurden Abzeichen und Medaillen für Vereine und andere Interessenten, außerdem Orden und Ehrenzeichen für das Militär hergestellt. Hauptproduktionsmittel waren Ausrüstungen für die Bearbeitung von Metallen, wie Stanzen; unterschiedlich große Balanciers waren vorhanden. Es gab eine zentrale Transmission zum Antrieb der Maschinen. Für die Weiterbearbeitung gab es eine Galvanisier- und eine Emaillier-Einrichtung. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurde auch Metallbesteck aus Aluminium und Neusilber in Lohnfertigung als Halbzeug hergestellt. D.h. im Auftrag eines anderen Unternehmens wurden Besteck-Rohlinge produziert. Auftraggeber war am Ende der Firmenexistenz der VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS).

Wahrscheinlich 1970 oder 1971 verstarb der Besitzer der Firma. Sein Erbe lebte in der Bundesrepublik und veranlasste die Auflösung der Firma. In dieser Zeit wurden die Maschinen verkauft und aus dem Produktionsgebäude entfernt. Eine besondere Maßnahme war der Abtransport des großen Balanciers. Es musste eine sehr große Öffnung in die Wand des Gebäudes gebrochen werden, um die Maschine zum Abtransport auf den Hof zu stellen. Bedauerlich war es, dass in der Zeit zwischen Betriebsende und Beginn der Demontage die einzigartige Sammlung aller jemals produzierten Abzeichen gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Der Erlös der Firmenauflösung wurde, wie zu der Zeit üblich, auf ein Sperrkonto eingezahlt. Auf dieses Konto hatte der westdeutsche Erbe eingeschränkten Zugriff.
Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch nicht erforscht.

Objektbeschreibung: Das Werkstattgebäude (Hofgebäude) ist abgerissen. Das Vorderhaus ist ein Neubau.

Quellen/Literatur/Links:

  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (1. Teil): Die Abzeichen aus der Zeit 1892 bis 1913. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin.(IMM). Nr. 94. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 1999
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 2): Die Abzeichen aus der Zeit 1914 bis 1935. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 97. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2000
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 3): Abzeichen aus der Zeit um 1900 bis 1964. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 105. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2002
  • Die Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil IV). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 108. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • Leipziger Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil V). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 110. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • www.lindenauerstadtteilverein.de/jüdisches-leben-in-lindenau

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020




Gebrüder Brehmer Maschinenfabrik

Titel des Objekts: Gebrüder Brehmer Maschinenfabrik

Objekt 1: Fabrikgebäude, Gießerstraße 12A, 04229 Leipzig (früher W31 Leipzig), erbaut 1905, ursprünglich für Spezialfabrik für Holzbearbeitungsmaschinen E. Kiessling & Co.ab ca. 1936 zu Gebrüder Brehmer gehörig – Buchbindereimaschinenbau

heutige Nutzung:

  • HSB Unternehmensgruppe (u.a. Heizung-Sanitär-Bau)
  • Verkaufs-Niederlassung der Theo Förch GmbH & Co. KG

Objekt 2: Fabrikgebäude, Karl-Heine-Str. 107/109 04229 Leipzig (früher W31 Leipzig), erbaut 1913, Bauherr Gebrüder Brehmer Buchbindereimaschinenbau

heutige Nutzung:

  • Fa. sage, (Software, Dienstleistungen)
  • Fa. DBI Gas- und Umwelttechnik GmbH

Stadtteil: Plagwitz

Industriezweig: Polygraphischer Maschinenbau – Buchbindereimaschinen

Datierung: Firmengründung Gebrüder Brehmer: 1879; Fabrikgebäude um 1900 und 1905

Objektgröße: Gesamtfläche der Unternehmensbebauung der Gebrüder Brehmer ca. 10.000 qm.

Bau- und Firmengeschichte:

  • 1872 entwickelt Hugo Brehmer (geb. 1844 in Lübeck) in Philadelphia / USA ein Verfahren zum maschinellen Drahtheften von Papierbögen
  • 1873 ist er gemeinsam mit Bruder August Inhaber der Maschinenbaufirma Brehmer Brothers und entwickelt in den darauf folgenden Jahren die Buchdrahtheftmaschine
  • 1879 kehrt Hugo Brehmer – mit Werkzeugmaschinen aus Amerika – wieder zurück nach Deutschland und siedelt sich in Plagwitz an. Auf dem Gelände der früheren Holzhandlung und Kistenfabrik Just, Kachholz & Reuter (Albertstraße 61, heute: Karl-Heine-Straße 111) gründet er unter dem Namen Gebrüder Brehmer eine Fabrik zur Produktion von Buchbindereimaschinen – zunächst mit zwei Angestellten. Das erste mit Draht geheftete Buch wird auf der Kantate-Ausstellung der Buchhändler in Leipzig gezeigt. Noch im gleichen Jahr arbeiten in der Dampfbuchbinderei H. Sperling die ersten drei Drahtheftmaschinen von Gebr. Brehmer
  • 1884 Die Schiffchen-Faden-Buchheftmaschine wird marktreif
  • 1891 Hugo Brehmer stirbt. Plagwitz ist nach Leipzig eingemeindet
  • Friedrich Rehwoldt übernimmt die Geschäftsführung
  • Ab 1894 Produktion von Falzmaschinen mit halbautomatischer Bogenführung, die bis 1904 vollständig automatisiert werden konnten.
  • Um 1900 wird das Firmengelände bis zur Weißenfelser Straße ausgedehnt. Der Export floriert, die Produktpalette wird erweitert. In der dritten Unternehmergeneration führt Ludolf Colditz (jun.) (1883–1952) die Firma. Er arbeitet seit 1909 bei Gebr. Brehmer.
  • 1912 wird das Nachbargrundstück der ehemaligen Parkett-und Stabfußbodenfabrik A. Heym, Karl-Heine-Str. 107/109 erworben. Diese war seit 1888 am System der Gleisfinger (Anschlussgleise an das Eisenbahnnetz) beteiligt, damit wohl auch Gebr. Brehmer von Anfang an.
  • 1913 wird auf o.g. Grundstück das große Frabrikgebäude im Reformstil mit Klinker- und Putzfassade erbaut
  • 1920er Jahre: Das Firmengelände vergrößert sich durch Ankauf weiterer Nachbargrundstücke in der Weißenfelser Straße. Viele der auf den Grundstücken bereits vorhandenen Fabrikgebäude werden für die eigene Produktion weiter genutzt.
  • 1926 Kauf des Grundstücks Weißenfelser Str. 84 (vorm. F. Koehler Witwe & Sohn, heute Rapidobject GmbH)
  • 1936/37 wird das benachbarte Fabrikgebäude Gießerstr. 12A übernommen. Darin wurden vormals Holzbearbeitungsmaschinen produziert. Bis Ende der 1930er Jahre entwickelt sich Gebr. Brehmer zum Weltmarktführer für Maschinen der buchbinderischen Weiterverarbeitung. Nach Einbrüchen im Ersten Weltkrieg, in Inflation und Weltwirtschaftskrise erreicht das Unternehmen in den Jahren des Nationalsozialismus mit über 2000 Beschäftigten eine vorläufige maximale Ausdehnung.
  • 1939-1945 ist der Betrieb teilweise auf Kriegsproduktion umgestellt und bringt dem Unternehmen erhebliche Gewinne.
  • 1945 Bilanz nach Kriegsende: geringe Kriegsschäden. Das Unternehmen wird aufgrund des Befehls Nr. 124 der SMAD vom 30. Oktober unter Sequester gestellt.
  • 1948 erhält die Enteignung basierend auf den Volksentscheid vom 30. Juni 1946 Rechtskraft. Es erfolgt die Umwandlung in den volkseigenen Betrieb VEB Polygraph, Gebrüder Brehmer.
  • 1951 wird der VEB Polygraph, Gebr. Brehmer Leipzig mit dem VEB Polygraph Triumph Leipzig-Mölkau (vormals Fa. Gutberlet & Co., Mölkau) zusammengelegt und führt die Bezeichnung VEB Polygraph Falz- und Heftmaschinenwerk Leipzig.
  • 1953 Umbenennung in VEB Falz- und Heftmaschinenwerk Leipzig. Der Exportanteil an der Gesamtproduktion erreicht mit 91 Prozent einen Höchststand.
  • 1960 Fusion mit dem VEB Buchbindereimaschinenwerk Leipzig (ehemals Fa. Karl Krause) zum VEB Leipziger Buchbindereimaschinenwerke, Kurzbezeichnung LBW. (Werk I = ehemals Brehmer, Werk II ehemals Krause)
  • 1970 Das Kombinat Polygraph Leipzig (horizontale u. vertikale Zusammenschlüsse) in Zusammenhang mit der Auflösung der VVB Polygraph (nur horizontale Konzentration). Stammbetrieb wird LBW.
  • 1984 Angliederung weiterer Betriebe: VEB Blechverarbeitungswerk, Berliner Str., VEB Werk für graphische Maschinen in Taucha und das Ingenieurbüro Polygraph
  • 1990 nach der politischen Wende wird das Kombinat Polygraph aufgelöst. Die neue Brehmer Buchbindereimaschinen GmbH Leipzig ist ab 1. Juli der Treuhand unterstellt.
    1991 erwirbt die McCain Manufacturing Corporation, Sitz in Hamburg und Chicago, das Unternehmen. Das Sanierungskonzept sieht einen Stellenrückbau von 4/5 auf ca. 500 Angestellte vor.
  • 1993 verlegt das Unternehmen betitelt mit dem Namen McCain Brehmer Buchbindereimaschinen GmbH seinen ursprünglichen Standort von Leipzig-Plagwitz zum 13 Hektar großen neuen Produktions- und Vertriebsgelände (Brahestr. 8) im neuen Industrie- und Gewebepark Leipzig Nordost. Am Jahresende muss wegen konjunktureller Schwierigkeiten der Antrag auf Eröffnung des Gesamtvollstreckungsverfahrens gestellt werden.
  • 1994 übernimmt der Falzmaschinenhersteller Stahl GmbH & Co. KG aus Ludwigsburg den neuen Leipziger Standort. In die zum größten Teil sanierten Gebäude am alten Standort in Plagwitz ziehen zögerlich nach und nach unterschiedlichste Firmen ein.
  • Ab 1999 gehört die Stahl GmbH mit dem Leipziger Betrieb zur Heidelberger Druckmaschinen AG.
  • 2015 Schließung des Standortes Leipzig der Heidelberg Postpress Deutschland. Damit kommen nach über 135 Jahren keine Buchbindereimaschinen mehr aus Leipzig.

Objektbeschreibung Gebäude Gießerstr.12A: (in Denkmalliste Leipzig Obj.-Dok.-Nr.: 09264279). Das um 1905 errichtete dreigeschossige Fabrikgebäude befindet sich in Ecklage zur Weißenfelser Straße.

Bauherr: Spezialfabrik für Holzbearbeitungsmaschinen E. Kiessling & Co. Die Firma. war 1906 Aussteller bei der 3. Deutschen Kunst- und Gewerbeausstellung in Dresden.

Merkmale: Fabrikgebäude mit turmartigen Eckrisalit und Mansard-Walmdach zur Straßenkreuzung, Klinker-fassade in Formen der versachlichten Architektur nach 1900. Klinker-, Putz- und Kunststeingliederungen. Verzichtet wird auf Bauschmuck, wie beispielsweise am Gebäude der Sächsischen Wollgarnfabrik Tittel & Krüger. Stattdessen wird die Fassade durch den Einsatz verschiedener Materialien akzentuiert, die in ihrer Farbigkeit mit der roten Klinkerfassade kontrastieren.

Objektbeschreibung Gebäude Karl-Heine-Str.107/109: (in Denkmalliste Leipzig Obj.-Dok.-Nr.: 09264128). Das Fabrikgebäude ist ein Stahlbeton-Skelettbau, im Reformstil mit vorgeblendeter Klinker- und Putzfassade. Durch diese Kombination sind große lichtdurchflutete Fenster möglich. Markant: In Jugendstilelemente eingebettete Fensterstürze aus Sichtbeton. Gebäude mit 12 Achsen (Fensterreihen), fünfgeschossig, Einfriedung und Vorgartenstreifen. Im Gegensatz zur Straßenansicht wirkt die Gebäuderückseite kleinteilig, verschachtelt und schmucklos. Architekten: Händel & Franke.

Quellen und Literatur:

Autoren: Juliane Gölzner, Thomas Wommer

Datum: 25.04.2018