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Vereinsabzeichenfabrik W. Helbing

Titel des Objekts: Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing

Adresse: Leipzig, Birkenstraße 8

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie/ Metalldrückerei; Galvanik

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Abzeichen aller Art und Medaillen; Lohnfertigung von Neusilber- und Aluminiumbestecken.

Datierung: gegründet 1907

Ursprüngliche Nutzung:

  • 1915 Haarnadelfabrik C. Gellermann
  • 1918 Nährmittel-Fabrik Rudolf Ady
  • 1920 Rohproduktenhandlung von Kaufmann Samuel Markowitsch

Heutige Nutzung: Industriebrache/ begrünter Hinterhof

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing wurde 1892 vom Kaufmann Siegfried Hellinger gegründet.

Die Firma zog 1930 in die Birkenstraße 8. Es wurden Abzeichen und Medaillen für Vereine und andere Interessenten, außerdem Orden und Ehrenzeichen für das Militär hergestellt. Hauptproduktionsmittel waren Ausrüstungen für die Bearbeitung von Metallen, wie Stanzen; unterschiedlich große Balanciers waren vorhanden. Es gab eine zentrale Transmission zum Antrieb der Maschinen. Für die Weiterbearbeitung gab es eine Galvanisier- und eine Emaillier-Einrichtung. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurde auch Metallbesteck aus Aluminium und Neusilber in Lohnfertigung als Halbzeug hergestellt. D.h. im Auftrag eines anderen Unternehmens wurden Besteck-Rohlinge produziert. Auftraggeber war am Ende der Firmenexistenz der VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS).

Wahrscheinlich 1970 oder 1971 verstarb der Besitzer der Firma. Sein Erbe lebte in der Bundesrepublik und veranlasste die Auflösung der Firma. In dieser Zeit wurden die Maschinen verkauft und aus dem Produktionsgebäude entfernt. Eine besondere Maßnahme war der Abtransport des großen Balanciers. Es musste eine sehr große Öffnung in die Wand des Gebäudes gebrochen werden, um die Maschine zum Abtransport auf den Hof zu stellen. Bedauerlich war es, dass in der Zeit zwischen Betriebsende und Beginn der Demontage die einzigartige Sammlung aller jemals produzierten Abzeichen gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Der Erlös der Firmenauflösung wurde, wie zu der Zeit üblich, auf ein Sperrkonto eingezahlt. Auf dieses Konto hatte der westdeutsche Erbe eingeschränkten Zugriff.
Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch nicht erforscht.

Objektbeschreibung: Das Werkstattgebäude (Hofgebäude) ist abgerissen. Das Vorderhaus ist ein Neubau.

Quellen/Literatur/Links:

  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (1. Teil): Die Abzeichen aus der Zeit 1892 bis 1913. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin.(IMM). Nr. 94. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 1999
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 2): Die Abzeichen aus der Zeit 1914 bis 1935. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 97. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2000
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 3): Abzeichen aus der Zeit um 1900 bis 1964. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 105. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2002
  • Die Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil IV). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 108. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • Leipziger Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil V). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 110. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • www.lindenauerstadtteilverein.de/jüdisches-leben-in-lindenau

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020




Rudolph Sack

Titel des Objektes:
früher: Landmaschinenfabrik Rudolph Sack, später Rudolph Sack KG
DDR: VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG)
heute: weitgehend abgerissen, nur noch da Capo und GARAGE

Adresse:
Karl-Heine-Str. 78-88, 90, 95, 99-101, 103/105
Weißenfelser Str. 67
Aurelienstraße 62/64
PLZ 04229

Stadtteil: Plagwitz

Industriezweig/Branche/Kategorie: Landmaschinenbau

Datierung: 1863

Objektgröße: 75.000 m²

Bau- und Firmengeschichte:
Eines der herausragendsten Beispiele für die beachtlichen Expansionsaktivitäten einzelner Firmen in Plagwitz ist das der Landmaschinenfabrik Rudolph Sack. Der erfahrene Landwirt Rudolph Sack hatte bereits 1854 in Löben bei Lützen mit dem Bau selbst entwickelter landwirtschaftlicher Geräte begonnen. Auf persönliches Betreiben Karl Heines hin siedelte Rudolph Sack, von Unternehmergeist beseelt, 1863 mit einigen Beschäftigen nach Plagwitz über und gründete seine Firma. Mit nur fünf Angestellten bezog das Unternehmen in den angemieteten Räumlichkeiten der kleinen Eisengießerei von Kaspar Dambacher in der Alten Straße vorübergehend Quartier, bevor Rudolph Sack begann, durch eine wohl durchdachte Ankaufspolitik ein riesiges Firmenareal in Plagwitz aufzubauen.
Zunächst errichtete er 1867 auf dem Grundstück der heutigen Karl-Heine-Straße 95 eigene Fabrikgebäude zur Produktion von Pflügen, Krümelwalzen, Hack- und Drillmaschinen sowie ein Wohnhaus. Bei sich bietender Gelegenheit erwarb er benachbarte Firmengelände. Das rasch expandierende Unternehmen umfasste binnen kurzer Zeit das gesamte Areal zwischen Kanal und Gießerstraße sowie Karl-Heine- und Weißenfelser Straße. In wenigen Jahren entwickelte sich die Firma zum Großunternehmen mit 25 Gebäuden. 1891 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Kommanditgesellschaft.
1900 verstarb der Firmengründer Rudolph Sack, die Leitung der Kommanditgesellschaft übernahmen seine Söhne Paul und Otto Sack. Infolge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurden viele Arbeiter entlassen. Durch die Umstellung auf geheime Kriegsproduktion (z.B. MG-Wagen) ab 1934 stellten sich jedoch wieder ökonomische Erfolge ein. Umfangreiche Gewinne erwirtschafteten auch die Kriegsgefangenen, die ab 1942 in der Firma arbeiteten. Aus diesem Grund wurde der Betrieb 1945 sofort stillgelegt, Otto Sack verhaftet und später als Kriegsverbrecher verurteilt. Ab 1946 verwaltete die Landesregierung Sachsen den Betrieb treuhänderisch.
Seit 1948 wurden unter dem Namen VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) bis zum Ende der DDR Landmaschinen produziert. Mit über 1000 Beschäftigten war der BBG zu diesem Zeitpunkt der größte Landtechnikhersteller in der DDR. Ab 1983: VEB Bodenbearbeitungsgeräte Karl Marx Leipzig (VEB BBG).
1990 wurde der VEB BBG zum BBG Leipzig AG umgewandelt. 1993 erfolgte die Bildung der BBG Leipzig GmbH. 1994 wurde die Produktion auf dem Plagwitzer Gelände eingestellt und auf einen neuen Standort, in ein Gewerbegebiet bei Großzschocher als BBG Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig GmbH & Co. KG im Unternehmensverbund der Amazonen-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG verlegt. Die Verwaltung des ehemaligen Plagwitzer Firmenareals samt Bebauung übernahm die Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft mbH, bis 1996 die Stadt Leipzig nach langen Verhandlungen ein ca. 4 ha umfassendes Teilgrundstück erwarb.
Von den Gebäuden existieren nur noch die ehemalige Graugießerei Ecke Gießerstraße / Karl-Heine-Straße, in dem sich ein Oldtimermuseum mit dem Flugzeug IL18 auf dem Dach und eine Halle, die für das Gastronomieunternehmen da Capo der Hotel Michaelis GmbH genutzt wird. Ausgangspunkt für diese Nutzung war der Plan des Unternehmers Manfred Rübesam (+), aus Plagwitz eine Hochhauscity zu machen. Diese Gebäude sind vorwiegend Klinkerbauten mit Industrieverglasung.
Weiterhin existiert noch das als GaraGe bezeichnete Gebäude Karl-Heine-Str. 97.
Die Grundstücke zwischen Karl-Heine- und Aurelienstraße sind völlig beräumt. Seit der Expo 2000 werden diese als Jahrtausendfeld bezeichnet und unterschiedlich kreativ genutzt. Ein Bebauungsplan ist z.Zt. nicht bekannt.
Zu erwähnen ist noch die für den Sohn Gustav Rudolph Friedrich Sack 1909 erbaute Villa in der Karl-Heine-Str.12, die heute vom 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes genutzt wird.

Quellen/Literatur/Links:

Fotos: Dave Tarassow (2007)

Autor/in: Juliane Gölzner, Nachtrag: Helmut Sander

Datum: von Juliane Gölzner : unbekannt; Nachtrag: 15.04.2018




Trafostation

Kulturdenkmal: Obj.-Dok.-Nr. 09291975 in der Liste der Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen

Eigentümer: Transformatorenstation des Gemeindeverbandes für das Elektrizitätswerk Leipzig-Land (GELL) mit Sitz in Oetzsch, heute Stadtwerke Leipzig GmbH

Adresse: 04179 Leipzig, Blüthnerstr., Ecke Laurentiusstr./ Rathenaustr.

Stadtteil: Leutzsch

Industriezweig: Energieversorgung

Kurzcharakteristik: Baukörper einer ehemaligen Transformatorenstation im Zeitgeschmack der Belle Époque, Putzfassade mit Schieferdach und Kupferhaube, die elektrotechnische Ausrüstung ist komplett demontiert.

Datierung:

  • Bauzeit 1910
  • Inbetriebnahme am 15. Mai 1911
  • Baukörper saniert 1911

Heutige Nutzung: Kleinstes Museum der Stadt Leipzig, gestaltet und betreut vom BürgerVerein Leutzsch e.V.

Baugeschichte: Für den Aufbau einer öffentlichen Stromversorgung trat die Gemeinde Leutzsch 1909 dem Gemeindeverband für das Elektrizitätswerk Leipzig-Land (GELL) mit Sitz in Oetzsch, heute zu Markkleeberg gehörend, bei.
Der GELL musste, da er kein eigenes Kraftwerk besaß, die Elektroenergie von den „Landkraftwerken Kulkwitz AG“ mit einer Spannung von 10kV beziehen. Zur Stromversorgung Leutzschs wurden 1910 ein 10-kV-Mittelspannungsnetz und ein 3×220-V-Niederspannungsnetz gebaut. Anfangs waren nur drei Transformatorenstationen zur Ortsversorgung vorgesehen.
Eine davon, die Trafostation Blüthnerstraße, wurde für das bis dahin noch wenig entwickelte, aber attraktive Wohngebiet Pfingstweide notwendig. Für die Planung des Baukörpers zeichnete der Leiter des Leutzscher Bauamtes, Ortsbauinspektor Baumeister Otto Paul Rudert (1873-1928) und der Bauamtsassessor Baumeister Max Karl Hüller (1885-1955) verantwortlich. Obwohl man auf Grund der Bauweise annehmen könnte, dass es eine Freileitungs-Turmstation ist, handelt es sich hier jedoch um eine reine Kabelnetzstation. Die üblichen Freileitungs-Turmstationen waren dem Ortsbauinspektor zu funktional und nicht formschön genug. Er hatte schon bei seinem Entwurf für das Leutzscher Rathaus gezeigt, zu welcher schönen Formensprache er fähig ist. Die Station war bis 1965 in Betrieb.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Günter Sonne, Markkleeberg

Datum: 26.08.2019

Abbildungen: Günter Sonne




Weithas

Titel des Objekts: Eisengroßhandlung und Eisenbau C. F. Weithas, C. F. Weithas Nachfolger GmbH/KG (als OHG für 1918 bezeugt); VVB Eisenkontor Land Sachsen; Betriebsteil der Kirow-Werke

Adresse/Stadtteil:

  • 04229 Leipzig, OT Plagwitz, Gemarkung Kleinzschocher
  • nicht erhalten: Produktions- und Lagerareale an der Karl-Heine Str., Eisenhandlungen Neumarkt, Schloßgasse, Nonnenmühlgasse, Wächterstr.
  • Gießerstr. 29, Flurstück 302/20
  • Markranstädter Str. 8a, b, Flurstück 302/19, 302/20
  • Markranstädter Str. 8, Flurstück 932

Industriezweig/Branche/Kategorie: Eisengroßhandel, Eisenbau

Datierung: Gründung der Fa. C. F. Weithas 1817; 1852 C. F. Weithas Nachf.; 1885 Lindenauer Standort, 1895 Plagwitzer Standort

Objektgröße: ca. 7.000 m² (Buhl)

Bau- und Firmengeschichte: In ‚genauester Bekanntschaft mit den besten Eisenwerken‘ seiner Vaterstadt Schleiz errichtete Carl Friedrich Weithas (gest. 1856) 1817 am Neumarkt 14 eine Eisenhandlung, die dort mit wechselnden Standorten lange Zeit betrieben wurde. Das Unternehmen war in den 1820er Jahren an der Herstellung einer Druckerpresse beteiligt.
1848 errichtete Weithas eine Maschinenwollkämmerei auf dem 1840 von ihm erworbenen Rittergut Mühlbach bei Wurzen und war durch einen Gesellschaftervertrag 1851 an der Wollkämmerei Bernhard Trinius & Co. in Leipzig-Eutritzsch beteiligt.
1852 übereignete er seine Eisenhandlung Heinrich Moritz Bering und Conrad Alfred Thieme, die seitdem mit ‚C. F. Weithas Nachfolger‘ zeichneten. Über letzteren blieb dieses Geschäft unter den Namen ‚Stahl- u. Gußeisen-, Schwarz-, Zink- u. Glanzblechhdlg.‘ bzw. Handlung mit ‚Stahl und Gußeisen, Stabeisen, Blechen und Trägern‘, Neumarkt 9, in den Händen der Familie Thieme (Conrad Alfred jun., 1918- ca. 1948 Conrad Herbert; ab 1933 heißt die Fa. ‚Thieme & Co.‘).
C.F. Thieme sen. (gest. 1906) errichtete Filialen in Dresden (Hering & Kretzschmar) und Chemnitz (M. Schmieder & Co.) und neue Geschäftshäuser in Leipzig: 1869 Neumarkt 18, 1875 Schloßgasse 7-9 und 1899, vor Abriß der letztgenannten Bauten, die Geschäftsräume Nonnenmühlgasse 12 und Wächterstr. 12-14.
Nach Adreßbüchern der Stadt Leipzig befand sich die Eisenhandlung in den 1930er Jahren in der West- bzw. Hindenburgstr. 15 (Fr.-Ebert-Str.), Standort der Thieme-Villa Thiemes sen.; nach einem undatierten Warenkatalog war dort das Handels- und bautechnische Büro untergebracht, ein weiteres Büro befand sich In der Nonnenmühlgasse 12, Lager und Eisenbau wurden in der Markranstädter Str. 8 unterhalten. Thieme sen. unterhielt, wie es im ‚Gedenkblatt‘ pathetisch heißt ‚freundschaftliche‘ Geschäftsbeziehungen zu den Firmen M. J. Caro & Sohn und Eduard Lindner in Breslau sowie Jacob Ravené Söhne & Co., die sich 1910, zusammen mit zahlreichen Filialfirmen, zu denen auch die Fa. Weithas gehörte, zur ‚Deutscher Eisenhandel AG‘ zusammenschlossen. Lt. Handelsreg. war diese AG 1922-1933 Kommaditistin (Geschäftsbeziehungen bis in die 1940 Jahre), Weithas Nachf. also KG, mehrere Kommanditistinnen sind im Handelsreg. 1935 eingetragen.
Nach Adreßbüchern ist ab 1885 eine Zweigniederlassung (Trägerlager) sowie eine Verzinkerei und ein Wellblechwalzwerk in Lindenau, Albertstr. (Karl-Heine-Str.) 19 belegt (auch Handelsregister), wodurch das Unternehmen einen Produktionsbereich erhielt. In der Folgezeit ist dieser Betrieb mehrfach erweitert worden: Albertstr. 62, 62 und 64, ab 1894 schließlich Carl-Heine-Str. 86-88, in Nachbarschaft u.a. zu Meier & Weichelt und Rudolf Sack.
Der Betrieb beschäftigte 1892 80 Arbeiter, u.a. auch in einer Abt. für Eisenkonstruktionen, war mit einer Dampfmaschine ausgestattet und hatte einen Gleisanschluß der Plagwitz-Lindenauer Industriebahn (nach Koch: Stammgleis PIII), die das von Karl-Heine- bis Aurelienstr. reichende Areal durchzog. Nach Riedel arbeitete Wilhelm Frosch 1885, nach seiner Ausbildung in Chemnitz, bei C. F. Weithas Nachf., war dort mit dem Aufbau einer Eisenkonstruktionsabteilung und Verzinkerei mit Wellblechwalzwerk beauftragt und hatte dann eine zeitlang die Gesamtleitung inne.
1889 gründete er zusammen mit dem Kaufmann Wilhelm Grohmann die Fa. Grohmann & Frosch (gegr. 1889), die das gleiche Produktionsprogramm hatte und damit, neben anderen Unternehmen, offenbar direkter Konkurrent gewesen ist.
Nach Adreßbüchern siedelte sich das Unternehmen ab 1895, mit dem Bezug von Lagern und einer sog. Eisenbaufabrik in Plagwitz an (in Adreßbüchern ist stets die Gemarkung Kleinzschocher angegeben), hier Markranstädter Str. 8 (zugehörig: Gießerstr. 29), dann auch auf der anderen Straßenseite gegenüber gelegen Nr. 15 und 17, ab 1906 zudem Nr. 19. Damit reagierte das Unternehmen offenbar auf die ausgeschöpfte Flächenexpansion am Lindenauer Standort, der an die Fa. Rudolph Sack überging. Noch auf einer Karte der Westend-Baugesellschaft aus dem Jahr 1900 (Koch) und auf einem Bebauungsplan von 1909 (Riedel) ist das Gelände der heute überlieferten Unternehmensansiedlung mit Ausnahme einer Eckbebauung Gießer-/Markranstädter Str. unbebaut.
Das Unternehmen war durch seine Eisenbauabteilung in der Lage, die für verschiedene Zwecke benötigten Bauten in Eigenregie zu errichten, nahm aber auch die Arbeit verschiedener Baumeister und Architekten in Anspruch. Auf diese Weise entstand in Plagwitz ab 1895 im Laufe der Zeit ein Konglomerat von Bauten verschiedener Funktion, Größe und Bauart, die z.T. verändert oder auch wieder abgerissen wurden und insgesamt weniger als 50% der Gesamtfläche einnahmen. Diesen Gebäudebestand hat Buhl unter Heranziehung der Bauakten in chronologischer Abfolge kurz beschrieben, Orientierung gebende Pläne fehlen (die überlieferten Bauten müßten auf Grundlage von Unterlagen im Bauaktenarchiv Leipzig einer eingehenden Untersuchung unterzogen werden):
Eine erste, freitragende Wellblechhalle ist 1895/96 im hinteren Grundstücksteil, eine Werkstatt 1899/1900 Gießerstr./Ecke Markranstädter Str. errichtet worden; die ursprüngliche, heute in der Halle liegende Außenwand der ‚Werkstatt‘ zeigt vermauerte kleinformatige Rundbogenfenster.
1905 folgte ein ‚Lokomobile-Schuppen‘ mit Schornstein, in den 1906 eine Elektrizitätsanlage eingebaut und eine Zeit lang betrieben wurde, weil das benachbarte Schumannsche Electrizitätswerk (Gießerstr. 27 / Naumburger Str., heute Spreadshirt) seine Stromlieferung eingestellt hatte.
1910-12 wurde an der Gießerstr. 29 eine Montagehalle mit repräsentativer Fassade errichtet, die vielmals abgebildet und gewürdigt wurde. 1912/13 folgte ein Gebäude zur Unterbringung von in der Fabrik tätigen Meistern und Gesellen, 1928 eine Wellblechbaracke für Arbeiter und ein Arbeiterwohlfahrtsgebäude. Die Unternehmensverwaltung befand sich in einem bereits vorhandenem (?), ca. 1890 errichteten Bau mit Klinkerfassade an der Markranstädter Str. 8 (heute Egenberger-Lebensmittel); das Grundstück war 1918 in das Eigentum der Firma übergegangen. Dieses Bürogebäude wurde im Zusammenhang mit der teilweise überdachten Verlängerung der Montagehalle durch einen Hallenanbau (4.700m²) mit Kranbahn 1936 (heute ‚Jump-House‘) umgestaltet. Zudem ist 1944 auf diesem rückwärtigen Firmenareal ein Lohnbürobau errichtet worden.
Der Plagwitzer Betrieb konnte zwei Gleisanschlüsse an den Plagwitzer Bahnhof nutzen (Stammgleis PXII, Anschluß 33 und PVII/A 38), ein Gleisstück ist in der Hofeinfahrt (Gießerstr.) erhalten geblieben; in den 1930er Jahren verfügte das Unternehmen vor Ort über fünf Krananlagen.
Das Unternehmen C. F. Weithas Nachf. war ein traditionsreiches Leipziger Familienunternehmen, das bis ca. 1930 gewachsen zu sein scheint und nicht zuletzt durch C. A. Thieme, der u.a. Präsident der IHK gewesen ist, eine beachtliche Bedeutung im mitteldeutschen Eisenhandel erlangte.
Die Herkunft der Familie Thieme ist bereits im ‚Gedenkblatt‘ skizziert worden; C. A. Thieme ist als Kunstsammler bereits Gegenstand von Nachforschungen geworden, ein anderes Familienmitglied, Ulrich Thieme, war Begründer des überaus bedeutenden Künstlerlexikons; erneute familiengeschichtliche Forschungen erscheinen lohnend. Ein Katalog der durch das Unternehmen ausgeführten Bauten und Anlagen fehlt bislang. So hat die Fa. z.B. in Lindenau Gleisbauten für Meier & Weichelt und 1922 eine 600m lange und 30m hohe Förderbrücke für die Gewerkschaft ‚Morgenstern‘ in Zwickau errichtet. Zum Warensortiment haben auch Bausätze, wie Blech-Garagen gehört.
Der Krieg hatte auch Folgen für die Fa. Weithas: Das Betriebsarchiv ist großenteils vernichtet worden, und eine Karte von 1946 dokumentiert Kriegseinwirkungen. Demnach ist das bebaute Gelände an der K.-Heine-Str. wie auch an der Gießerstr. 29 / Markranstädter Str. 8 nur teilweise im Mitleidenschaft gezogen worden; die Bebauung der Grundstücke in der Schloß- und Nonnenmühlgasse, Wächter- Fr.-Ebert- und Markranstädter Str. 15 und 17 ist nicht erhalten geblieben, das gleiche gilt für die Standorte am Neumarkt. Das Lindenauer Areal ist heute eine Brache.
1946 ging der Anteil der Deutschen Eisenhandels AG an der Fa. Weithas in Volkseigentum über. Der letzte Adreßbucheintrag für die Eisengroßhandlung Weithas Nachf. (Markranstädter Str. 8) datiert 1948. 1948 bis ca. 1950 ist C. F. Weithas Nachf. in den VVB Eisenkontor Leipzig, Land Sachsen, übergegangen. Das Unternehmen beschäftigte ca. 1947/48 im Handel und im Stahlbau insges. 100-115 Personen. Mit dem Ende der Geschäftsbeziehungen zu Stahllieferanten in den westlichen Besatzungszonen ist der Großhandel in der SBZ über die Deutsche Handelszentrale Metallurgie abgewickelt worden, die an einer Werkhalle (1919) der ehem. Stahlwerke Röchling-Buderus (Sächsische Edelstahl Härtereien; Schomburgkstr. 1) inschriftlich noch bezeugt ist. Nach 1950 wurde das bebaute Gelände, wie benachbarte Grundstücke Gießer- und Naumburger Str. dem VEB Schwermaschinenbau S. M. Kirow (im Kombinat TAKRAF) inkorporiert. 1950/51 sind im Auftrag des VVB ABUS/Leipziger Stahlbau und Verzinkerei, Werk III für das Gelände Markranstädter Str. 17 Umbauten bestehender Materialschuppen zu einem Speiseraum, in Nr. 8 eines Teils eines Materiallagers zu Unterrichtsräumen/Lehrwerkstatt projektiert worden; gleichzeitig auch ein Neubau von Räumen, die die an der Gießerstr. gelegene Halle auf deren Nordseite flankieren, der aber nicht zur Ausführung gekommen ist. – Nach 1990 gelangte der Betrieb und mit ihm weitere große Plagwitzer Areale über die Treuhand-Anstalt in den Besitz des Investors Manfred Rübesam.

Heutige Nutzung: Bauliche Schäden an der Montagehalle wurden 1997 behoben, weitere Sanierungsarbeiten erfolgten nach 2008. Nach verschiedenen Nutzungen wird die Hallenerweiterung nach Sanierung und Umbau seit 2017 als Trampolin-Halle (‚Jump-House‘) genutzt (im Besitz der CG-Gruppe). Der derzeitige Besitzer der an der Gießerstr gelegenen Halle nutzt das rückwärtige Areal als Lager und KfZ-Werkstatt, der vordere Hallenteil ist an den Mütterzentrum e.V. vermietet, der dort seit Juni 2016 unter dem Namen ‚Restlos‘ ein kreatives Upcycling-Projekt betreibt.

Objektbeschreibung (Bauten an Gießer- und Markranstädter Str.): Besondere Aufmerksamkeit hat vor allem die repräsentative Fassade der Montagehalle an der Gießerstr. erfahren. Charakteristisch sind zum einen die massive Ziegelbauweise, die symmetrische Gliederung, die das Fassadenzentrum artikulierenden großflächigen rundbogigen Fenster (das mittlere ist in seiner Größe hervorgehoben) mit gußeiserner Vergitterung und kleinteiliger Verglasung (die zu öffnenden schmiedeeisernen? Fenstereinbauten und die entsprechende Mechanik sind funktionstüchtig erhalten), zum andern der geschwungene Giebel mit kreisrunder Öffnung zur Hallenbelüftung (original?) und dem Namenszug der Firma, ferner die sparsame Verwendung von Werkstein und Ziegeln als Dekorelemente. Der an den Bautyp einer Basilika erinnernde Aufbau der Halle und die funktionale Differenzierung der Räume werden im Außenbau formal nachvollziehbar: das ‚Mittelschiff‘ (Montagehalle; zentrale Fenstergruppe) besteht hier aus im Schnitt spitzwinkligem Oberlicht mit an anschließenden flachgeneigten Pultdächern und ‚Obergaden‘ (Fenster nur auf der Südseite, vermauert) und niedrigeren Seitenschiffen (Werkstatträume). In dieser Eigenart liegt auch der konservative Außenwirkung dieses mit modernen Materialien und Baustoffen errichteten Bauwerks. Die südlich vorlagerten Baulichkeiten wurden, zusammen mit ursprünglichen Werkstatt Ecke Markranstädter Str., durch Überdachungen einbezogen. Auf der Hallennordseite könnte ebenfalls ein dem Seitenschiff vorgelagerter Bautrakt bestanden haben.
Die heutige Baugestalt der Fassade zeigt hier eine Aufmauerung und ein offenbar nachträglich eingerichtetes Tor, die die Symmetrie der Fassade zerstören; diese Veränderung stand vielleicht im Zusammenhang mit einer anschlußlos erhaltenen Gebäudebrücke. Im Innern der Halle sind die genieteten Eisenkonstruktionen vor den ‚Mittelschiffswänden und Kranfahrt mit Kran (aus jüngerer Zeit) erhalten geblieben. Boden und Gleise für eine weitere Kranfahrt (?) sind nach Auskunft heutiger Nutzer 2016 unter einem Estrichauftrag verschwunden. Die Ostwand der Halle war bis zum Bau einer unmittelbar anschließenden zweiten Halle die rückwärtige Außenwand, der eine untergeordnete repräsentative Funktion zukam und die in einigen Details mit der Westfassade übereinstimmt. Sie ist im Zuge der Hallenerweiterung der 1930 Jahre verbreitert und erhöht, auch später mehrfach verändert worden (alle Öffnungen sind heute vermauert) und als Westwand des ‚Jump-House‘ erhalten geblieben. Im Bereich des Mittelschiffes flankierten zwei rundbogige Fenster eine größere Öffnung (Hallentor?). Der dreieckige Giebel darüber ist mit einem runden größerem und zwei weiteren kleineren Rundfenstern (mit guß- bzw. schmiedeeiserner Gliederung) ausgestattet. Die östlichen Seitenschiffswände enthielten wie in der Westwand je zwei rundbogige Öffnungen (Türen?). Die Schlußsteine der rundbogigen Öffnungen bestehen wie das Gesims des Mittelschiffgiebels aus Werkstein. Dem Giebel schließen Pultdächer mit geringer Neigung an, die im Außenbau hinter einer gerade geführten Aufmauerung liegen. Der obere Abschluß der Seitenschiffe war, wie der Befund der Fassadensüdseite (Jump-House) zeigt, durch zwei Aufstufungen charakterisiert, das Traufgesims (?) besteht hier aus zwei Faszien, Werkstein wurde nicht verwendet. Stützen und Bedachung des Hallenanbaus scheinen original erhalten zu sein, lediglich die äußere Verkleidung und Verglasung der Oberlichter sind im Zusammenhang mit Einrichtung der gegenwärtigen Nutzung erneuert worden. Die zweischiffigen, mit spitzwinkligen Oberlichtern ausgestattete Halle folgt nicht der Mittelachse der älteren Halle.
Die Außenwände der der Halle seitlich vorgelagerten Gebäudetrakte sowie die Gebäudebrücke sind hingegen als Eisenkonstruktion mit Ziegelausfachung und hauptsächlich gußeisernen Fenstern in modularer Bauweise errichtet worden. Das Ziegelmauerwerk des gesamten Traktes entlang der Markranstädter Str. (Nr. 8 einbeziehend und bis an Nr. 6 heranreichend) ist mit Ausnahme einiger oberer Partien erneuert worden.

Quellen/Literatur/Links; Nachweise:

  • Quellen:
  • www.bundesarchiv.de : Weithas, C.F. KG, Nachfolger, Leipzig: Bd. 2, Archivaliensignatur: BArch, R 8135/3580 (enth.: Jahresabschluss zum 31. Dez. 1933)
  • Amtsgericht Leipzig, Handelsregister-Nr. HRB 21491 (Online-HR-Nr.: C-3295259), C. F. Weithas Nachfolger GmbH, Online-Handelsregisterauszug: https://www.online-handelsregister.de/handelsregisterauszug/ , abgerufen 20.3.2019: Löschung des Handelsregisters wegen Vermögenslosigkeit von Amts wegen vom 12.08.2010 (sic).
  • Sächsisches Staatsarchiv Leipzig: kein Firmenschriftgutbestand, Unterlagen zum Unternehmen seit 1862, u.a.: Reg. fol. 6267 (1858 Niederlassung Lindenau, Register mit Eingemeindungs Lindenaus 1902 geschlossen, Akten 1950 vernichtet). 2. Reg. fol. 112 1862-1938 (1933 Thieme & Co.; ab 1938 HRA 172). 3. Akte 0886, enth. u.a.: Inventarisierung 1945, Bemühungen C. H. Thiemes (Fachberater Kreis-IHK Nordwestsachsen) um erneuten Geschäftssaufbau, VVB Eisenkontor Land Sachsen 1948, Auszüge HR: 1946 Volkseigentum, Eintrag hinsichtlich Firmenlöschung am 27. 5. 1949 in Folge des Ersuchens der Landesreg. Sachsen gestrichen, Firmenmitteilung über kriegsbedingten Verlust des Betriebsarchivs. 4. Akte 1843, Mappe 5: Unternehmensprofil 1940er Jahre. 5. Akte 0501 Vermessungsunterlagen, Lagepläne, Neubauentwurf für Markranstädter Str. 8 und 17, 1950/51. 6. Akte 562 juristische Auseinandersetzung Fa. Weithas gegen ihren ehem. Leiter der Bauabt. Max Prüstel wegen Tantiemenrückzahlung. 7. Akten 227, 228 enth. weniges Katalogmaterial der Fa. Weithas.
  • Das ‚Leipziger Adreß-Buch unter Benutzung amtlicher Quellen‘, mit einem ‚Verzeichnis der Einwohner der angeschlossenen Vororte…‘ und einem Handelsregister ist ab 1830 erschienen und verzeichnet Personen ab 1846, regelmäßig ab 1854 (s. www.sachsendigital.de).
  • Christoph Kaufmann, Wolfgang G. Schröter, Der gläserene Schatz. Leipzig in Fotografien aus dem Atelier Hermann Walter, o.J. [2002], S. 39, 76 (Schloßgasse 7-9)
  • Bauacten des Rathes der Stadt Leipzig im Bauaktenarchiv des Bauordnungsamtes der Stadt Leipzig ab 1895 (zit. Buhl).
  • div., von Fa. ausgestellte Rechnungen: online (1902, 1941)
  • Firmenschrift, C[hristian] Hoffmann’s Buchdrucker-Presse von Gußeisen. Mit 1 Kupf.-Taf. Beschrieben von C[hristian] Hoffmann u. C. F. Weithas, Unternehmern des Baues dieser Pressen: [S.l.] : [s.n.], Leipzig (Druck): J. B. Hirschfeld, 1826, 10 S.
  • dass., Gedenkblatt zur Erinnerung an die 100-jährige Wiederkehr des Gründungstages der Firma “C. F. Weithas” 1817 – 1917, Leipzig: Edelmann, 1917, 3 S. (Stadtgeschichtliches Museum Leipzig, Bibliothek)
  • dass. , Angebotskatalog C. F. W [C. F. Weithas Nachfolger], Eisengroßhandlung – Eisenbaufabrik, Ausgabe 1929 (20.3.19 antiquarisch nachgewiesen)
  • dass., ohne Ort u. Jahr, Abb. S. 87: Förderbrücke Zwickau
  • dass., Angebotskatalog, Lagerverzeichnisse / Profil-Zeichnungen / Gewichtstafeln – Ausgabe 1913, mit Filialen: Hering & Kretzschmar, Dresden; M. Schmieder & Co., Chemnitz. (20.3.19 antiquarisch nachgewiesen)
  • dass., [Erzeugnisliste Eisen und Bleche], C F Weithas, [ca. 1925] (20.3.19 antiquarisch nachgewiesen)
  • Dokumentationen:
  • Landesamt für Denkmalpflege, Dresden: Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen –Denkmaldokument Obj.-Dok.-Nr. 09264074 (Gießerstr. 29 und Markranstädter Str. 8b), 09299011 (Markranstädter Str. 8), 09262777 (Plagwitz-Lindenauer Industriebahn); abgerufen 19. 3. 19 (Stand vom 18. 3. 2019)
  • Liste der Gleisanschlüsse des Bahnhofes, Wikipediaeintrag vom 13. 2. 2018 (abgerufen 3/2018)
  • Foto Gießerstr. 29 (undatiert, ca. 2000er Jahre): https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/ abgerufen 20.3.19
  • SED, Kreis Leipzig (Hg.), Leipzig gestern – heute – morgen. Ein Atlas, 1946, S. 6f., 8f. (Kriegsschäden dokumentierende Karte); entspricht Riedel, S. 156f. (Ausschnitt)
  • Straßenverzeichnis mit Erläuterungen der Straßennamen (pdf): https://www.leipzig.de/buergerservice-und-verwaltung/unsere-stadt/gebietsgliederung-und-strassennamen/strassennamen/
  • Sekundärliteratur:
  • Alfred Thieme, Wikipedia vom 5.8.18, abgerufen 20.3.19. Zum ihm auch Gedenkblatt a.O.
  • Lindenauer Standort: Leipzig und seine Bauten. Zur 10. Wanderversammlung des Verbandes Deutscher Architekten- und Ingenieur-Vereine in Leipzig …, hg. von der Vereinigung Leipziger Architekten und Ingenieure: Leipzig : Gebhardt: 1892, S. 755, 756 (Plan), Beilage: Karte. Riedel a.O. S. 243 (Karte von 1885)
  • Theodor Koch, 1888 – 1938. Leipziger Westend Baugesellschaft Leipzig. Zur 5o. Wiederkehr ihres Gründungstages: Leipzig [-Lindenau, Lützner Str. 164]: Leipziger Westend-Baugesellschaft: 1938, Karte (1900, aktualisiert): ‚Bahnhöfe und Industriegleise‘ (= Riedel S. 86f.)
  • Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen II, bearb. von Heinrich Magirius et al., 1998, S. 601 (Gießerstr. 29)
  • Peter Guth, Ulrich Heß, Ulrich Krüger, Industriearchitektur in Leipzig. Fotografien v. Hans-Christian Schink, 1998, S. 66f., Abb. 13 (zwischen 1992 und 1997)
  • Julia Susann Buhl, Studie zur Industriearchitektur in Leipzig Plagwitz 1870-1914 am Beispiel ausgewählter Bauten, Diss. TU Berlin, 2003. URL: http://edocs.tu-berlin.de/diss/2003/buhl_susann.pdf (kostenfrei zugänglich; abgerufen 5/2018), S. 89, 99, 132f., 242-246, Abb. 86 (benachbartes Firmengelände Fa. Törpsch ca. 1913), Abb. 87 (Schnitt und Aufriß der Werkhalle an der Gießerstr.), Abb. 143 (Entwurfszeichnungen für dieses Bauwerk), Abb. 87/144 (Schnitt), Abb. 248 (Foto 2001)
  • Plagwitz. Eine historische und städtebauliche Studie, Pro Leipzig: Leipzig, 2008, Abb. S. 62 (2008)
  • Horst Riedel, Plagwitz. Ein Leipziger Stadtteillexikon, Pro Leipzig, 2017, 268 und 70 (Architekt), 71 (zu Wilhelm Frosch), 115 (‚Jump-House‘), 242f. (Karte, 1885), 272 (Karte, 1909)
  • Sebastian Ringel, Wie Leipzigs Innenstadt verschwunden ist. 150 verlorene Bauten aus 150 Jahren, Selbstverlag, 2018
  • Sabine Schneller, Hildtrud Ebert, Die Geschichte der Unternehmen der Kranunion. Hg. Kranunion GmbH & Co. KG., Leipzig, 2013, S. 148f.: die Karte zeigt u.a. die Expansion der Firmen Unruh & Liebig und Grohmann & Frosch, die später in den Kirow-Werken aufgingen, was mit weiteren Inkorporierungen einherging, s. auch S. 174ff.
  • Ausstellung ‚Betriebe an den Anschlußgleisen im Leipziger Westen‘ der Fa. Otto Stempel & Druck (Markranstädter Str. 6) anläßlicher der 6. Tage der Industriekultur Leipzig
  • Wolfgang Hocquél (Kulturstiftung Leipzig), Fenster in Leipziger Industriebauten im Stadtteil Plagwitz, in: Dr. Ivo-Andreas Piotrowicz (Red.), PaX-Classic-Fachtagung ‚Fenster im Baudenkmal‘ zur Denkmal[messe] 2008, Tagungsbeiträge vom 21. und 22. November 2008, Berlin: Lukas-Verl.: 2010, S. 81ff., bes. 87 mit Abb. 15, 16

Autor: Richard Brüx

Datum: 27.08.2019

Abbildungen: Richard Brüx, April 2019 – von Nord nach Süd aufeinanderfolgende Baulichkeiten an Gießer- und Markranstädter Str., von Westen aus fotografiert:

  1. Gebäudebrücke zwischen Gießerstr. 27 und 29
  2. Hallenfassade, nördlicher Teil
  3. Hallenfassade, zentraler und südlicher Teil, südlich anschließende Baulichkeiten
  4. Blick auf Bauensemble Gießer-/Markranstädter Str., rechts im Hintergrund die Hallenerweiterung (‚Jump-House‘)
  5. Halleninneres, nach Westen
  6. Halleninneres nach Osten
  7. Halleninneres nach Westen, Zustand 2016, nach Einbringung von Estrich
  8. Ostseite, Außenwand vor der Hallenerweiterung (heute Jump-House), Mitte und nördlicher Teil
  9. dass., südlicher Teil
  10. Hallenerweiterung nach Westen



Texafol

Titel des Objekts: Texafol Leipzig (ehemalige Weberei und Jutespinnerei Tränkner und Würker)

Adresse: Lützner Str. 171, 04179 Leipzig

Stadtteil: Leipzig Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie:

  • ehemals: Spinnerei/Weberei Textilerzeugung für Verpackungszwecke. Basis früher Jute, später Hochdruckpressenfaden aus Polyäthylen und Polypropylen. Gewebe für Säcke. Zeltfertigung in einem anderen Betriebsteil.
  • heute: z.Zt. größtenteils Industrieruine, Umnutzung u.a. für Wohnen und Gewerbe vorstellbar, jedoch liegen hierzu keine konkreten Information vor.

Kurzcharakteristik:  Die Jutespinnerei wurde um 1896 von „Tränkner und Würker“ an der Lützner Straße unweit vom heutigen Karl Heine Kanal in Betrieb genommen. Produkte wie Säcke waren über viele Jahre u.a. die Erzeugnisse dieser Firma. Zu Beginn der 1970er Jahre Umstellung auf Folie, aus der nun die Verpackungsmaterialien bestehen. Nach der politischen Wende 1989 kam schnell das Aus für den Betrieb und der Verfall setzte ein. Ausnahme bildet ein hier ansässiges Gesundheitszentrum, das einen kleinen Teil der Gebäude nutzt und saniert hat. Die Zukunft für Areal steckt noch in der Planungsphase.

Datierung (Bauzeit): ca. 1896/97 Areal an der Lützner Straße

Objektgröße: Grundstück ca. 3 ha, Nutzfläche ca. 10.500 m²

Ursprüngliche Nutzung: Die Erzeugung von Textilien aus Jutefaser bestimmte über Jahrzehnte das Profil des auch als „Spinne“ bezeichneten Werkes aus der Gründerzeit.
Ab den 1960er Jahren ersetzt Folie und Co. die Naturfaser völlig. Auch Fäden wie Erntebindegarn standen auf der Produktionsliste sowie Säcke aus gewebter Folie. Zu DDR-Zeiten gefragte Export-Artikel ins westliche Ausland für Dünger -, Zuckerfabrikate und vieles mehr.
Nach der politischen Wende 1989 firmiert das Unternehmen als „Texafol Leipzig GmbH“ nur noch kurze Zeit.

Heutige Nutzung:  Ein Gesundheits-und Sportzentrum hat Teile des Werkes im südlichen Geländeteil in der Ecke Groitzscher- / Wiprechtstraße sanieren lassen. Der Großteil des Werkes kann derzeit nur als Ruine bezeichnet werden. Wind und Wetter plus Vandalismus haben schwere Schäden hinterlassen. Die Bausubstanz ist bedroht und teilweise schon zerstört. Pläne für eine Wiederbelebung durch einen Bauträger soll es schon gegeben haben. Dann könnten die alten Mauern Wohnungen und Gewerbe aufnehmen und die Erinnerung an einen der ersten großen Gründerzeitbetriebe von Lindenau wachhalten.

Bau- und Firmengeschichte:  Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1865. Da wird die mechanische Leinen und Juteweberei im Pötzschker Weg 4 von Tränkner und Würker erwähnt.
Nicht die große Mode-aber trotzdem erfolgreich… die textile Verpackung bildet das Spektrum der Firma. Haltbarkeit und Zweckmäßigkeit zeichnen die Produkte aus. Auf einem Grundstück in Lindenau an der Lützner Str. 171 begann 1896 die Errichtung einer neuen Weberei. Das Areal wurde von der Westend-Baugesellschaft erschlossen. Es war eine der ersten Industrieansiedelungen in Lindenau am zur damaligen Zeit noch jungen Kanal (heute als „Karl-Heine-Kanal“ bezeichnet). Später kam hier auch die Jutespinnerei hinzu. Werkseigentümer „Tränkner und Würker“ ließen die Anlagen in Ziegelbauweise ausführen. Als Architekt ist Paul Hübner aus Hamburg betraut. Andere Quellen berichten vom Architekturbüro Händel und Franke aus Leipzig, welches aber nur Teile des Werkes errichtet haben soll.
Auf dem 5.internationalen Maschinen-Markt, der vom 19. – 21. Juni 1885 in Leipzig stattfand, beteiligte sich die Firma mit folgenden Erzeugnissen: Säcke, Planen-Muster sowie wasserdichte Decken.
Die Festschrift zur 28. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure aus dem Jahr 1887 berichtet u. a. auch über diesen Betrieb. So ist ein kurzer Einblick aus dieser Zeit erhalten: „Es gibt 2 Dampfmaschinen mit je 35 PS, diese treiben die vorhandenen Hilfsmaschinen an und erhalten den erforderlichen Dampf aus einem Kessel von 59,9 m² Heizfläche. 104 Arbeiter sind beschäftigt mit der Zwillich-, Leinen-, Jute- und Segeltuchweberei sowie mit der Herstellung von rohen und wasserdichten Lowry und Wagendecken in Verbindung mit der Anfertigung von Säcken.
In der Weberei sind 50 Webstühle von einer Blattbreite bis zu 3,5m, 7 Treib- und Spulmaschinen, 3 Scheermaschinen, 1 Looping-Winding-Maschine, 1 Zwirnmaschine, 1 Garnmangel und 1 hydraulische Presse in Betrieb. Es werden in der Weberei jährlich bis zu 6-700.000 lfdm Stoffe hergestellt.
Bei der Säcke-Fabrikation sind 35-40 Nähmaschinen, 3 Bindfaden-Nähmaschinen und 2 Sackzuschneidemaschinen tätig, von denen jede pro Tag bis zu 10.000 Säcke liefern kann. An Säcken werden jährlich 1Mio bis 12Mio fabriciert. Der Consum an Material beziffert sich jährlich auf:
ca. 8.500ctr. Jute-Garn / ca. 750 Schock Tow- und Flachsgarne / ca. 400ctr. Hanf-Garne und / ca. 7.500 Pfund Zwirn.“
Im Jahr 1902 kommt es zu Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Die Firma bezeichnet sich fortan als: „Jutespinnerei und Weberei, Tränkner und Würker Nachf. A.G.“
Warenaufzüge für Lagerräume sowie eine Luftbefeuchtungsanlage in der Spinnerei sind Neuerungen, von denen 1906/07 berichtet wird. Desweitern vom Erwerb eines benachbarten Grundstücks und Abtragung von Hypotheken und Bankdarlehen. Die Bindfadenfabrik Knauf und Co. in Walternienburg bei Zerbst erwarb man 1910.
In der Zeit des 1. Weltkrieges wird die Materialversorgung zum Problem. Steigende Rohstoffpreise und schlechte Qualität sind Grund zur Sorge. Jute ist kaum mehr zu beschaffen und in Deutschland werden Bestände konfisziert, damit die Firma weiter produzieren kann und ihre Mitarbeiter nicht entlassen muss. Für Planen, Zelte, wasserdichte Decken und Tornister ist das Militär in dieser Zeit ein großer Abnehmer.
1912 besitzt die Firma in Lindenau zwei Fabrikgebäude. Ein Standort ist die Zeltfabrik in der Hähnelstraße 28. Ins Jahr 1915 fällt auch die Bewilligung der Mittel für den geplanten Kontorumbau. Die folgenden Jahre der Inflation sowie Weltwirtschaftskrise und Währungsumstellung überdauert die Firma und kann alle Aufwendungen für Instandhaltungen und Reparaturen aus dem Betrieb decken. Die Preise der Produkte steigen und die Auftragslage ist veränderlich. Durch Einbindung in die Rüstungsindustrie während des 2.Weltkrieges steigt der Absatz aufgrund des umfangreichen Bedarfes an Textilmaterialien erneut. Die letzte ordentliche Hauptversammlung der Aktionäre findet am 28.07.1943 im Speisesaal in der Lützner Str. 171 statt.
Nach dem Volksentscheid 1946 zur Enteignung ist auch diese Aktiengesellschaft nicht mehr existent. Zunächst als „VEB Jutespinnerei“ bezeichnet wird in den 1960er Jahren das Werk als „VEB Jutespinnerei und –werberei Leipzig“ geführt.
1969 wird das 100jährgie Firmenjubiläum begangen. Ab den 1970er Jahren nach Wegfall der Juteverarbeitung nennt sich die Fabrik „VEB Texafol Leipzig“ als Teil des VEB (K) Textile Verpackungsmittel Weida. Eine vollständig neue Generation an Maschinen hielt Einzug in die Werkhallen. In 3 Schichten wird von Montag-Freitag hart für die Planerfüllung gearbeitet. Bei Bedarf mussten Sonderschichten eingelegt werden, um die Exportverpflichtungen vor allem ins westliche Ausland einhalten zu können. Großer Beliebtheit erfreuten sich die in geringer Stückzahl gefertigten Einkaufsbeutel aus Folie für die Mitarbeiter. Langlebigkeit auch bei schweren Lasten wie Flaschen oder Kartoffeln waren deren Vorzüge.
Nach der politischen Wende kam schnell das Ende der „Texafol Leipzig GmbH“. Ein für den Export wichtiger Betrieb hat seine Absatzmärkte und Funktion verloren. Der Verfall beginnt in den 1990er-Jahren, gepaart mit Vandalismus.
Am 02.03.2017 wurde die Firma im Handelsregister gelöscht.

Objektbeschreibung: Von den aus roten Klinkern gefertigten Bauten ist unter anderem das Kesselhaus mit dem 50 m hohem Schornstein noch vorhanden. Das Dach der Maschinenhalle besteht aus Profilstahl und das darunter befindliche Tragwerk ist ähnlich einem Fachwerk ausgeführt. Große Schwungräder sorgten zu Zeiten der Dampfmaschine, die von der Firma Gebr. Sulzer aus Winterthur neu erworben wurde, für eine kontinuierliche Verteilung der Antriebsenergie über Transmissionsriemen zu den Maschinen. Später stand dort eine 400 PS Gleichstrommaschine zum Antrieb eines Wechselstromgenerators im Einsatz. An der Front zur Lützner Str. ist die Fassade mit gelben Klinkern strukturiert und verfügt zum Teil über 2 Etagen. Hier befand sich unter anderem das Kontor sowie später Garderoben der Mitarbeiter. Die weiteren in der Größe beachtlichen Hallenbauten schließen sich mit der ehemaligen Weberei und Speisesaal nach Richtung Süden an und verlaufen parallel zum Kanal. Die Hallen sind in 3 größere Produktionsareale unterteilt. 1908 ist die Fensterseite am Kanal verändert wurden. Auch von einem Wohnhaus mit Veranda sowie von einer Freitreppe zum Kanal berichten Quellen. Richard Wels sowie Max Bösenberg und Sohn, alles Leipziger Architekten, erarbeiten 1917 und später 1922 Umbau-Vorlagen für Erweiterungen und nötige Anpassungen der Gebäude.
Schäden des 2.Weltkrieges werden um 1946 beseitigt. Die Pläne dazu liefert Wolfgang Lohmer, ebenfalls ein Leipziger Architekt.
Ein regelspuriger Bahnanschluss nach dem Bf. Plagwitz war vorhanden und versorgte die Fabrik über Jahrzehnte mit Kohle, den notwendigen Rohstoffen und sorgte für den Versand der Erzeugnisse. Im 2.Weltkrieg wurde die nahe gelegene Eisenbahnbrücke über den Karl-Heine-Kanal zerstört und nicht wieder neu errichtet. Damit war die Bahnanbindung in diese Richtung für immer unterbrochen. Pfeilerreste sind in der Str. „Am Kanal“ noch zu finden. Nach Querung der Lützner Str. war Leipzig-Plagwitz Industriebahnhof über das das Stammgleis PX danach noch erreichbar. Die Nutzung der Anschlussbahn endete 1961.
Bemerkenswert sind die unterschiedlichen Bauhöhen der Firmengebäude, die westlich vom am Karl-Heine-Kanal verlaufenden Fuß- und Radweg recht gut sichtbar sind.
Bei der Verbeiterung der Luisenbrücke im Ausbau der Lützner Str. im Jahr 2011 werden Teile des Geländes in Anspruch genommen und Bauten im Eingangsbereich wie das Pförtnergebäude abgerissen. Auch als Filmkulisse hat das Werk schon gedient.
2017 fanden auf dem Werkgelände Rodungsarbeiten statt. Seither hat es keine erkennbaren Aktivitäten an dem ortsentwicklungsgeschichtlichen Areal mehr gegeben.
Am Ende der Groitzscher- / Wiprechtstraße ist das bereits erwähnte Gesundheitszentrum zu erreichen. Diese inzwischen sanierten Bauten gehörten zur Jutefabrik und hatten u.a. auch Stallungen für Pferde. Dort fand 1910 eine Planen-Näherei ihren Platz. Der Rest der Firma ist derzeit nicht zugänglich, eingezäunt und wartet auf eine hoffentlich neue Nutzung.

Quellen/Literatur/Links:

  • PRO LEIPZIG e.V. 2004, Neu-Lindenau, Eine historische und städtebauliche Studie
  • Festschrift zur 28. Hauptversammlung des Vereins Deutscher Ingenieure aus dem Jahr 1887, Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig
  • Architekten Händel und Franke Leipzig – Verzeichnis Ausgeführter Bauten, Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig
  • Das Aufkommen der Großindustrie in Leipzig, Verlag von Veit u. Comp. 1912, Dissertation von Karl Juckenburg (Langensalza), Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig
  • Bericht/Protokoll vom Königl.-Sächs. Notar-Justizrat Dr. Alfred Engel vom 21. Dez.1915 über die an diesem Tag einberufene ordentliche Generalversammlung der Aktiengesellschaft, Sächsisches Wirtschaftsarchiv Leipzig
  • https://www.online-handelsregister.de

Autor: Mathias Mann

Fotos: Mathias Mann, 02.11.2018 und 17.02.2019

Datum: Februar 2019




Bahnhof Leipzig-Schönefeld

Adresse: nördliches Ende der Elisabeth-Schumacher-Str (Nr.35), 04328 Leipzig (früher: Bahnhofstraße)

Stadtteil: Leipzig-Schönfeld / heute Paunsdorf

Industriezweig/Branche/Kategorie: Verkehrswesen / Eisenbahn

Kurzcharakteristik: ehemals Personenbahnhof an der Strecke Leipzig-Eilenburg mit Güterabfertigung. Später Erweiterung der Gleisanlagen zur Anlage für einen Rangierbahnhof
heute: Kein Personenbahnhof mehr, Anlage wird nur noch für Güterverkehr genutzt.

Datierung (Bauzeit): ab 1888 – 1907

Objektgröße:  nicht ermittelbar

Bau- und Firmengeschichte: Die Halle-Sorau-Gubener-Eisenbahn wollte auch Leipzig an die Fernverbindung nach Cottbus anschließen und erhielt von der Sächsischen Staatsregierung am 24.12.1872 die Konzession.
Die neue Strecke wurde am 01.11.1874 eröffnet und die Gleise berührten auch die Gemeinde Schönefeld, die 1915 nach Leipzig eingemeindet wurde.
Eine Fahrkarte nach Schönefeld konnte man ab dem 01.06.1888 lösen, erst dann erhielt der Ort vor den Toren Leipzigs einen eigenen Haltepunkt für Personenverkehr. Ein erstes Empfangsgebäude wurde in dieser Zeit am nördlichen Ende der heutigen Elisabeth-Schumacher-Str. errichtet. Ab 15.07.1896 Haltestelle für Güterverkehr.
Um 1906 wurde das Empfangsgebäude um- und ausgebaut und auch ein Personentunnel errichtet. Im gleichen Jahr galt die Anlage als Bahnhof. Aber der Personenverkehr entwickelte sich nicht so wie erhofft, lag doch der Bahnhof fast 2,5 km vom namensgebenden Ort entfernt. Laut Mitteilung der Königlichen Eisenbahndirektion Halle/S. vom 07.03.1908 wird der Bahnhof „Schönefeld bei Leipzig“ ab dem 01.05.1908 umbenannt in „Schönefeld/Preußische Staatseisenbahn“
Mit Inbetriebnahme des Leipziger Hauptbahnhofes 1915, wurde der Fernverkehr dieser Strecke nach dort verlagert. Ab 16.10.1920 Umbenennung in „Leipzig-Schönefeld“.
Am 02.November 1942 konnte man die letzte Fahrkarte von/nach Leipzig Schönefeld erwerben. An diesem Tag verließ der letzte Personenzug mit Fahrtziel Taucha den Bahnhof und der Personenverkehr wurde eingestellt. Seitdem wird auch der Nahverkehr in Richtung Eilenburg über den Hauptbahnhof Leipzig geführt.
Heute ist der Bahnhof Leipzig-Schönefeld in der Bevölkerung weitgehend vergessen.
Bessere Chancen im Güterverkehr: Im Zuge der Neugestaltung der Leipziger Bahnanlagen ab 1905 kam es auch in Schönefeld zu bedeutenden Erweiterungen. Grund war die hoffnungslose Überlastung der ehemaligen Leipziger Kopfbahnhöfe und die damit verbundenen Behinderungen im Güterverkehr. Es wurde ein beispielhafter Güterring für die wachsende Stadt Leipzig geplant. Die preußische Staatsbahn errichte in Leipzig-Schönefeld einen Übergabe- und Rangierbahnhof. Strecken nach Wahren, errichtet von der Preußischen Staatsbahn. Weitere Verbindungen nach Engelsdorf und Stötteritz, gebaut von der Sächsischen Staatseisenbahn, gingen am 01.Mai 1906 in Betrieb und verwirklichen Teile vom östlichen Leipziger Güterring.
Eine eigene Bahnmeisterei besorgte von 1905-1922 den Streckenunterhalt. Anschlussbahnen hatten von Schönefeld ihren Ausgang. Das Leipziger Arzneimittelwerk, die Akademie der Wissenschaften, Chemieanlagenbau und weitere Firmen nutzten die Bahn. Einige wenige Strecken werden noch heute bedient. So Kirow und ein Hersteller von Windenergieanlagen haben bis heute Gleisanschluss.
3 mal Elektrifiziert: Das hat nicht jeder Bahnhof erlebt. Der erste Fahrdraht ging am 01.05.1914 von Leipzig-Wahren (ebenfalls ein wichtiger Rangierbahnhof in Leipzig) nach Schönefeld in Betrieb. Da Kupfer im ersten Weltkrieg begehrt war, opferte man die Fahrleitung… Es folgt die 2. Elektrifizierung: ab 25.01.1921 ist Wahren wieder mit E-Loks erreichbar und ab 08.10.1922 Engelsdorf. Als Reparation für die damalige Sowjetunion ist am 31.03.1946 erneut Ende für den elektrischen Bahnbetrieb. (Nach vielen Mühen der Instandsetzung in Zeiten des 2. Weltkrieges). Nun ziehen wieder Dampflokomotiven die schweren Güterzüge zwischen den Leipziger Rangierbahnhöfen. Am 29.Mai 1959 kann dann die 3. Elektrifizierug eigeweiht werden und sorgt für Erleichterungen und Erhöhung der Streckendurchlassfähigkeit.
Ein Bahnhof – zwei Direktionen: Auch das gab es im Bahnhof Leipzig-Schönefeld. Mit Gründung der Deutschen Reichsbahn am 1. April 1920 gab es hier eine Infrastrukturgrenze: Die ehemals preußischen Strecken verwaltete die Reichsbahndirektion Halle/S, die ehemals sächsischen Strecken lagen in der Hand der Reichsbahndirektion Dresden. Ab 1934 war damit Schluss – die Reichsbahndirektion Halle/S verwaltete nun den gesamten Bahnhof.
Heutiger Zustand – Zukunft: Als Teil vom nördlichen Leipziger Güterring wird der Bahnhof noch heute im Ost-West-Güterverkehr um Leipzig durchfahren und genutzt. Brücken über die Permoserstr. warten noch auf ihre Auswechselung und auch 2 elektromechanische Stellwerke: Stw.I 1891 SN und Stw.II 1906 SÖ zum Teil mit Formsignalen sind (Stand Mai 2019) noch in Betrieb. Das Empfangsgebäude mit Güterschuppen, nach vielen Jahren Leerstand, verfällt langsam, auch durch Schäden am Dach. Das dazugehörige Wohngebäude wurde saniert und befindet sich in Nutzung. Der Wasserturm aus dem Jahr 1907 ist in der Nähe der Torgauer Straße noch vorhanden wie auch einige Nebengebäude und das Aborthaus. Durch Inbetriebnahme des Güterbahnhofes in Halle 2018 hat Schönefeld nur noch als Durchgangsbahnhof Bedeutung für Güterzüge.

Objektbeschreibung: Der ehemalige Personenbahnhof Leipzig-Schönefeld befindet sich in der Elisabeth-Schumacher-Str, gegenüber befindet sich eine Kleingartensparte. Die nächste Wohnbebauung ist relativ weit entfernt. An der Straßenseite ist der Treppenhausturm im oberen Teil in Fachwerk ausgeführt, was für die Leipziger Gegend relativ selten ist. Noch wäre das Empfangsgebäude mit angebauten Güterschuppen zu retten, wenn Schäden am Dach beseitigt würden und ein neuer Nutzer die Sanierung wagt. Ob jemals wieder Personenzüge den Bahnhof ansteuern, kann man nicht voraussagen. Vielleicht entwickelt sich die S-Bahn-Mitteldeutschland in den nächsten Jahrzehnten so extrem weiter und neue Verbindungen werden eingerichtet?

Quellen/Literatur/Links:

Autor + Bilder: Mathias Mann

Datum: Juni 2019




Sprio-Werke

  • früher: Krautzberger & Co
  • DDR: VEB Sprio-Werke Holzhausen
  • heute: Gewerbegebiet

Adresse: Christian-Grunert-Str. 2, 04288 Leipzig

Stadtteil: Holzhausen

Industriezweig/Branche/Kategorie: Farbspritzanlagen

Datierung: 1905

Objektgröße: 72.000 m²

Bau- und Firmengeschichte: Albert Krautzberger erwarb 1902 ein Patent für ein „Durch Druckluft betriebenes Malgerät“.
1905 siedelte er sich auf dem Grundstück der heutigen Christian-Grunert-Str. 2 an und erweiterte seine Produktion auf Luftkompressoren, Farbspritzapparate und –anlagen, Sandstrahlgebläse, Entstaubungs- und Entlüftungsanlagen.
1945 erfolgte die Enteignung und Demontage, die Firma Krautzberger eröffnete einen neuen Firmensitz in Eltville am Rhein, 1952 wurde in Holzhausen die Produktion im VEB SPRIO-Werke Holzhausen fortgeführt. Nach der Wende erfolgte die Einstellung der Produktion. Das Grundstück wurde in 53 Teile parzelliert und als Gewerbegebiet eingerichtet, die Gebäude sind weitgehend erhalten. Der ehemalige Verwaltungsbau und die Fabrikantenvilla wurden in die Denkmalliste des Freistaates Sachsen aufgenommen (Nr. 09302975).

Objektbeschreibung: Zahlreiche kleinteilige Gebäude, meist in Ziegelbauweise mit gelben Klinkern.

Quellen/Literatur/Links:

  • Ortsgeschichte von Holzhausen
  • Industriegeschichte von Holzhausen, Berggut Holzhausen
  • Denkmalliste des Freistaates Sachsen

Autor: Helmut Sander

Datum: 07.02.2019

Abbildungen: Helmut Sander, Oktober 2018




Zahnradwerk Liebertwolkwitz

  • früher: Köllmann-Getriebebau GmbH
  • DDR: zusammen mit den Werken in Leipzig: VEB Fahrzeuggetriebewerke »Joliot Curie« Leipzig im VEB IFA Kombinat Nutzkraftfahrzeuge Ludwigsfelde
  • heute: Neues Zahnradwerk Liebertwolkwitz GmbH und Gewerbegebiet

Adresse: Ostende 5, 04288 Leipzig

Stadtteil: Liebertwolkwitz

Industriezweig/Branche/Kategorie: Herstellung von Lagern, Getrieben, Zahnrädern und Antriebselementen

Datierung: 1935

Objektgröße: ca. 24.000 m²

Bau- und Firmengeschichte: Gustav Köllmann (*1874 / + 1966) übernahm die väterliche Maschinenfabrik und gründete ab 1904 weitere Werke, auch in Leipzig, zur Herstellung von Zahnrädern und Getrieben, speziell Präzisionszahnrädern. Er führte den Werkzeugmaschinenbau ein. 1935 gründete er in der Oststraße 5 (heute Ostende) in Liebertwolkwitz bei Leipzig (heute Ortsteil von Leipzig) das Zweigwerk Köllmann-Getriebebau GmbH.
Nach dem Krieg wurde er enteignet und die Werke in Leipzig wurden demontiert. Das Werk in Liebertwolkwitz firmierte ab Juli 1946 als SAG (Sowjetische Aktiengesellschaft) für Maschinenbau Köllmann-Getriebebau GmbH. Die verbliebenen Betriebsteile wurden 1958 mit der Maschinenfabrik Reinhardt vereinigt und als VEB Fahrzeuggetriebewerke »Joliot Curie« Leipzig im VEB IFA Kombinat Nutzkraftfahrzeuge Ludwigsfelde geführt.
Nach der Wende wurde die Produktion in Liebertwolkwitz als Zahnradwerke Leipzig konzentriert. Nach einer Insolvenz 1998 wurde mit Krediten 1999 die Neue ZWL Zahnradwerk Leipzig GmbH gegründet und bis heute erfolgreich betrieben. Die Firma hat sich 2016 am Tag der Industriekultur beteiligt.
1949 wurde die Produktion auch in den bereits bestehenden Werken in Langenberg und Düsseldorf durchgeführt.

Objektbeschreibung: großflächiger Skelettbau mit Betonplatten ausgefacht, z.T. Industrieverglasung, Flachdach

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Helmut Sander

Datum: 10.05.2019

Foto: Helmut Sander, Mai 2019




Erla

Titel des Objekts: Erla-Maschinenwerk G.m.b.H.

Adresse: Leipzig, Wodanstraße 40

Stadtteil: Thekla

Industriezweig/Branche/Kategorie: Flugzeugbau

Kurzcharakteristik: Unternehmen zur Lizenzproduktion von Flugzeugen

Datierung: am Standort von 1935 bis 1945

Objektgröße: ca. 67 ha

Ursprüngliche Nutzung: Feld

Heutige Nutzung: Industriebrache im Wald, Verwaltungsgebäude ist ein Schulmöbellager, teilweise Nutzung durch die Firma: REWO Recycling & Rekultivierung GmbH

Bau- und Firmengeschichte: Das Leipziger Erla Maschinenwerk war eine Verlagerung der 1933 von J.S.Rasmussen und Franz Xaver Mehr gegründeten „Eisen- und Flugzeugwerk Erla G.m.b.H.“ aus dem Ort Erla bei Schwarzenberg. Die Erla-Maschinenwerk GmbH (umgangssprachlich Erla) wurden am 18. Juli 1934 gegründet und Arno Fickkert zum Direktor ernannt. Zur Verschleierung der wirklichen Produktionsziele, nämlich des Flugzeug- und Tragflächenbaus, wurde die Fabrik Maschinenwerk genannt.

Die Erla-Maschinenwerk GmbH wurde mit Wirkung vom 20.6.1936 verstaatlicht. Die Kontrolle übernahm der staatliche Luftfahrtkontor als Treuhandverwalter des deutschen Reiches.

An diesem Standort wurden unter Mithilfe der Zweigwerke und Zulieferer in den Jahren von 1935 bis 1945 ca. 11000 Stück des deutschen Jagdflugzeuges Messerschmidt Bf 109 gebaut, diese Stückzahl stellt ein Drittel der gesamten Produktion dieses Types dar. Nebenher wurden noch 24 Stück Arado Ar 65, 80 Stück Heinkel He 51sowie 76 Stück Arado Ar 68 und 106 Maschinen der Gotha Go 145, Lastensegler DFS 230, sowie Tragflächen für die Me 110 und Fahrwerke für die Me 163 gefertigt.

Die Produktion stieg im Jahr 1944 auf 4468 Me109. Die Zahl der Belegschaftsmitglieder war 1943 mit 24991 auf ihrem Höchststand, davon waren 16032 Fremdarbeiter, Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge.

Das Werk hatte Zweig- und Zulieferbetriebe in folgenden Orten:

  • Werk II: Leipzig-Mockau
  • Werk III: Abtnaundorf
  • Werk IV: Johanngeorgenstadt
  • Werk V: Kammgarnspinnerei in der Pfaffendorfer Straße
  • Werk VI: Frontreparaturwerk Brüssel
  • Werk VII: Frontreparaturwerk Antwerpen-Mortsel
  • Werk VIII: Frontreparaturwerk Mielec bei Krakau

Standorte weiterer Zulieferer:
Pegau, Groitzsch, Naunhof, Flöha, Oberstützengrün, Aue, Crimmitschau, Mülsen, Plauen, Greiz, Pretzsch, Oschatz, Dresden, Delitzsch, Meißen u.a.m.

Die Motoren kamen z.B. für die Me 109 von Daimler-Benz, es wurde der DB 605 eingesetzt.

Durch einen Luftangriff am 4.2.1944 wurde das Werk schwer getroffen, weitere Luftangriffe auf das Werk erfolgten am 20.2., 29.5., 29.6. und 20.7.1944.

Am 18. April 1945 wurde unter den 304 zurückgebliebenen, kranken Häftlingen und Zwangsarbeitern der Erla-Arbeitslager ein Massaker durch die SS-Wachmannschaften verübt, welches nur 67 Häftlinge überlebten.

Am 18. April besetzte die US Armee das Werk und ab Juli 1945 wurde das Werk der sowjetischen Militäradministration unterstellt. Als ehemaliger Rüstungsbetrieb sind in den Jahren 1945 bis 1946 alle noch brauchbaren Maschinen demontiert worden. Sämtliche Werkhallen, Lager, Bürogebäude usw., bis auf das Verwaltungsgebäude, wurden nach ihrer Ausräumung gesprengt, soweit sie nicht bereits vorher durch Bomben zerstört waren. Am 27. August 1949 ist die Firma laut Handelsregister erloschen.

Objektbeschreibung: Das Gelände ist ca. einen Kilometer lang und an seiner größten Nord-Süd Ausdehnung 600m breit. Die nördliche Grenze bildet die Erla Siedlung, die östliche Grenze die Wodanstraße, nach Süden dehnte sich das Werk bis zum Gelände der Heiterblick Straßenbahnwerke aus.

Quellen/Literatur/Links:

  • Die Erla-Werke GmbH und das Massaker von Abtnaundorf, Karl-Heinz Rother, Jelena Rother
  • DKW und die Erla Me-Flugzeuge, Karl-Dieter Seifert
  • Erla Heiterblick USSB Spd 34

Persönliche Dokumente und Informationen von:
Karlheinz Schulze, Jelena Rother, Wolfgang Rumpelt, Heiko Zeidler,
www.ROG-Film.de

Autor: Roger Liesaus

Datum: 5.März 2019

Abbildungen:

  • Produktion von Messerschmitt Bf 109, Bundesarchiv_Bild_101I-638-4221-06, wikimedia
  • Hauptverwaltung Erlawerk I,Enno Seifried 2014
  • Lehrwerkstatt, Roger Liesaus 2019
  • Torpfeiler Haupteingang, Roger Liesaus 2019
  • Pumpstation, Roger Liesaus 2019
  • Splitterschutzgraben, Roger Liesaus 2019
  • Splitterschutzbunker, Roger Liesaus 2019
  • Edelstahlwanne, Roger Liesaus 2019



Thonwerk Fischer & Calov

  • früher: Ziegelei und Tonabbau
  • DDR: Ziegelei und Tonabbau
  • heute: nur noch Tonabbau

Adresse: 04288 Leipzig, Naunhofer Landstr. 9

Stadtteil: Liebertwolkwitz

Industriezweig/Branche/Kategorie: Ziegelei

Datierung: Gründung 1886

Objektgröße: ca. 200.000 m² ohne die Tongruben

Bau- und Firmengeschichte: 1886 Gründung durch Fischer und Calov, ab 1900 Leitung durch Alfred Scheibe. In unmittelbarer Nähe zur Ziegelei befanden sich ergiebige Tonvorkommen in guter Qualität. Der Ton wurde mit Feldbahnen zur Ziegelei transportiert. Außerdem gab es einen direkten Anschluß zur Bahnstrecke Leipzig – Chemnitz. Spezialität waren geformte gelbe Klinker als Radialsteine für runde Industrieschornsteine, Kabelabdecksteine, Rohrstücke in verschiedenen Durchmessern für Drainagen u.a.
1990 wurde im Zuge der wirtschaftlichen Neuordnung die Produktion eingestellt und die Produktionsanlagen und Gebäude zurückgebaut. Nur zwei Hallen und zwei Schornsteine blieben ungenutzt erhalten. Diese sollen demnächst ebenfalls abgerissen werden.
Wegen der guten Qualität des Tones hat sich die Tonförderung für spezielle Bedarfsträger erhalten. Betreiber dieser Produktion sind die „Tonwerke Liebertwolkwitz GmbH“ in der Naunhofer Straße 38. Der Abtransport erfolgt mit LKW.
In der Nachbarschaft zu den Liebertwolkwitzer Thonwerken befand sich eine weitere Ziegelei, die ebenfalls zurückgebaut wurde und eine Zahnradfabrik, die ihre Produktion fortführt.

Objektbeschreibung: Zwei Industriehallen in Klinkerbauweise mit Industrieverglasung und zwei Industrieschornsteine, ansonsten Brachland. Durch das Gelände führt eine Umgehungsstraße.

Quellen/Literatur/Links:

  • eigene Kenntnisse
  • Ortschronik von Liebertwolkwitz
  • Archiv historische Dachziegel, Siegfried Müller, Tulpenweg 28, D-21244 Buchholz

Autor: Helmut Sander

Datum: 31.01.2019

Abbildungen:

  • Luftaufnahme von 1930 aus dem Archiv historische Dachziegel
  • Fotos: Helmut Sander, Oktober 2018