Buntgarnwerke

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Blick von der Brücke Industriestraße | Foto: Corinna Klußmann, Mai 2020
Standort/AdresseNonnenstraße 17; 17a; 19; 19a; 21; 21a /
Holbeinstraße 14 – 18h,
04229 Leipzig
OrtsteilPlagwitz / Schleußig
Standort historischDie Holbeinstraße hieß von 1893 bis 1950 Seumestraße,
zuvor Straße A im Bebauungsplan Schleußig.
Gemarkung und FlurstückPlagwitz * 32/1; 32/2; 32/3; 34/1; 34/3; 56a
Schleußig * 95/5; 95/6; 56/a
Firmen-Bezeichnung1869 Tittel & Krüger
1887 Gründung Sächsische Wollgarnfabrik Aktiengesellschaft vorm. Tittel & Krüger
1969 VEB Buntgarnwerke Leipzig
Datierung1866 Firmengründung,
1879 Baubeginn des heutigen Industriedenkmals
Industriezweig/BrancheTextilindustrie
Objektgröße50.000 m²,
Bruttogeschossfläche ca. 100.000 m²
DenkmalstatusObj.-Dok.-Nr. 09299009 und
Obj.-Dok.-Nr. 09306107 (Gebäude Plagwitz);
Obj.-Dok.-Nr. 09304726 (Gebäude Schleußig)

Bau- und Unternehmensgeschichte

1866Gründung eines Garnhandels im Stadtzentrum durch Carl Augustin Tittel
ab 1869mit Teilhaber August Andreas Krüger
1875-1878Bau einer Fabrik für Tapisseriewaren (Nonnenstraße),
Bau einer Dampffärberei auf dem heutigen Grundstück,
weiterer Ausbau als Wollgarnspinnerei
1887Gründung Sächsische Wollgarnfabrik Aktiengesellschaft vorm. Tittel & Krüger
1888Hochbau West (östlich der Nonnenstraße):
modernes Gebäudetragwerk mit repräsentativer Fassadenarchitektur
1897Betriebswohnungen westlich der Nonnenstraße
1906Hochbau Süd an der Holbeinstraße,
Verbindung durch eine zweigeschossige Brücke über die Weiße Elster und eine Brücke für das Anschlussgleis (2015 abgerissen)
In den folgenden Jahren erfolgen mehrere Veränderungen der Firmenstruktur
Freistempel der VEB Buntgarnwerke Leipzig aus dem Jahr 1981
1931u. a. nach Einschränkungen durch die Weltwirtschaftskrise meldet das Unternehmen Konkurs an
1939-1945Einschränkungen durch den Zweiten Weltkrieg
1945-1951treuhänderische Verwaltung, danach Volkseigentum
1969Vereinigung mit anderen Betrieben als VEB Buntgarnwerke Leipzig
nach 1989 Abwicklung durch die Treuhand
ab 1991Umwandlung in eine GmbH,
Verlagerung der Produktion inklusive der technischen Ausrüstungen nach Tschechien
1992Verkauf an eine Erbengemeinschaft und Investoren,
schrittweise Sanierung ab 1993 durch verschiedene Eigentümer und Investoren,
vorwiegend in Loftwohnungen und Gewerbeflächen (Elster-Lofts, Elster-Business-Park, Venezia-Quartier), Würdigung der gelungenen Sanierung als EXPO-Objekt 2000

Baubeschreibung

Der Gebäudekomplex der Buntgarnwerke auf beiden Seiten der Weißen Elster gilt als das größte erhaltene Industriedenkmals Deutschlands. Durch ihre Größe und die 300m lange Fassade wirken die Gebäude sehr beeindruckend. Die Fassaden sind durch roten Klinker, weiße Gliederungselemente und viele Fenster gestaltet – und das bei jedem Gebäudeteil ein bisschen anders. Zudem werden die Gebäude durch Risalite sowie Dach- und Ecktürme belebt.

Auch die Experten bewundern die Gebäude der Buntgarnwerke: Das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen beschreibt die Buntgarnwerke als »außergewöhnlich imposante Fabrikanlage« und »großzügige[n] Fabrikkomplex mit repräsentativen Gebäuden«. Ansgar Stadtler hob 2019 auf baumeister.de die »einheitliche Architektursprache« hervor: »Ziegelfassaden mit hellen Putzbändern, gegliederte große Fenster und Akzente durch Türme und Kuppeln verbinden die verschiedenen Gebäude zu einem einheitlich wirkenden Ganzen.«

In den 1990er Jahren wurden die Klinkerbauten saniert. Die Besonderheit bei der Sanierung des Hochbaues West [Kammgarnspinnerei] ist die Entkernung in der Mitte als Lichthof sowie die zweigeschossigen Lofts zur Anpassung an hohen Geschosshöhen des Industriebaus.

Quellen

Autor/in:      Helmut Sander
Datum:        21.06.2017

Überarbeitung: Kathrin Töpfer (06.02.2022) sowie Kathrin Töpfer und Corinna Klußmann (Januar 2026)