Straßenbahnhof Angerbrücke

Titel des Objekts: Straßenbahnhof Angerbrücke

Adresse: Jahnallee 56, 04177 Leipzig

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Betriebshof der Straßenbahn

Kurzcharakteristik: Die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) errichtete 1925 an der Frankfurter Straße (heute Jahnallee) einen neuen Straßenbahnhof mit zwei Wagenhallen und Verwaltungsgebäuden. Um den Anforderungen der neuen und modernen Straßenbahnen gerecht zu werden, wurde der Betriebshof von 2001 bis 2005 umgebaut. Die Angerbrücke gehört zur Trias der LVB-Betriebshöfe mit Dölitz und Heiterblick.

Datierung: 1925

Objektgröße: 50.000 m²

Ursprüngliche Nutzung: Straßenbahnhof

Heutige Nutzung: Abstellanlage und Betriebswerkstatt für Straßenbahnen

Bau- und Firmengeschichte: Der Straßenbahnhof Angerbrücke liegt im Ortsteil Lindenau, westlich der Stadt, an der Jahnallee. Seinen Namen bekam er durch die angrenzende Angerbrücke, die die Jahnallee und Kuhturmstraße über die Kleine Luppe verbindet. Am 4. Dezember 1925 eröffnete die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) hier ihren neuen Betriebshof. Dafür wurden die Höfe in Kleinzschocher (Kötzschauer Straße, 1898-1959, ab 1926 nur noch Schad- und Sonderwagen sowie ausgemusterte Fahrzeuge) und Plagwitz (Karl-Heine-Straße, 1881-1925, bis 1935 Depot für ausgemusterte Fahrzeuge) geschlossen.
Errichtet wurden zwei Wagenhallen, die „Große Wagenhalle“ mit 165 Metern Länge und 15 Gleisen sowie die „Kleine Wagenhalle“ mit 60 bis 120 Metern und acht Gleisen. Im hinteren Teil war die Betriebswerkstatt untergebracht. Sie besaß eine Schiebebühne, aber nur für zweiachsige Fahrzeuge. Und von 1950-1990 eine Lackiererei, die sogar von Doppelstockbussen genutzt wurde. 1919 wurde die Villa (bekannt als Villa Angerbrücke) gekauft und ist seitdem Sitz der Betriebskrankenkasse, der Betriebsärzte und einiger Arztpraxen. In den Jahren 1950-1990 hieß der Straßenbahnhof Angerbrücke „Straßenbahnhof Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF)“. Mit Inbetriebnahme der Tatrawagen im Februar 1969 wurde der Betriebshof deren erstes Domizil. Zudem wurde ein fünfstöckiges Verwaltungsgebäude mit Dienstwohnungen an der Jahnallee (damals Frankfurter Straße) gebaut, um die eine zweigleisige Wendeschleife führte. Die Gruben in den Wagenhallen waren alle miteinander verbunden. Mit den Tatrawagen wurde auch die Betriebswerkstatt vergrößert und auf die technischen Anforderungen angepasst.
Um den Straßenbahnhof fit für die Zukunft zu machen, das heißt unter anderem, breitere Gleisabstände für breitere Fahrzeuge und eine Betriebswerkstatt für Niederflurwagen, wurde Ende der 1990er Jahre ein umfangreicher Umbau konzipiert. Von 2001-2005 erfolgte dieser in drei Abschnitten. Die „Große Wagenhalle“ wurde von 165 auf 220 Metern Länge erweitert und erhielt zwölf Gleise, ursprünglich waren es 15. In der „Kleinen Wagenhalle“ sind die Gleise entfernt worden und dient nun als Stellplatzfläche für Dienst- und Einsatzfahrzeuge. 2001 entstand bereits eine Umfahrung, abzweigend von der Jahnallee zum Gleis 1. Durch den Umbau wurden alle zwölf Gleise an die Umfahrung angeschlossen. Gegenüber dem Kammergebäude, an der Capastraße (bis 2015 Erich-Köhn-Straße), wurde eine Betriebswerkstatt mit 110 Metern Länge und zwei Gleisen errichtet.
Die vorhandene zweigleisige Wendeschleife wurde aufgehoben. Von den drei Einfahrten und vier Ausfahrten gibt es nun zwei Einfahrten und vier Ausfahrten zur Jahnallee. Das Verwaltungsgebäude wurde saniert. Hier hat die Leipziger Stadtverkehrsbetriebe (LSVB) ihren Sitz. Der Bereich zwischen den Wagenhallen und der Jahnallee wurde zum Betriebspark und erweitertem Haltestellenbereich umgebaut. Die Haltestelle ‚Angerbrücke, Straßenbahnhof‘ wurde mit Bus- und Bahnsteigen ausgebaut – nach einem Architektenwettbewerb mit dem Dresdner Peter Kulka wurde das Projekt umgesetzt. Zwischen Kammergebäude und Betriebswerkstatt entstand außerdem ein großer Parkplatz für Mitarbeiter, Besucher und Omnibusse. Am 17. November 2004 hatte der Straßenbahnhof zum Länderspiel zwischen Deutschland und Kamerun, das im Zentralstadion ausgetragen wurde, seine erste Generalprobe nach dem Umbau. Hier waren die Zusatzbusse beheimatet, die die Fahrgäste vor und nach dem Spiel nach Hause transportierten. Die Neueröffnung fand im Jahr 2005/2006 statt.

Objektbeschreibung: An Kleiner Luppe, Erich-Köhn-Straße, Capastraße und Jahnallee befindet sich der Straßenbahnhof Angerbrücke mit gleichnamiger Haltestelle. Der Haltestellenbereich ist bis an die Wagenhallen herangezogen, so dass beide Bereiche miteinander verschmelzen.

Quellen/Literatur/Links:
– Buch „Vom Zweispänner zur Stadtbahn“, 1996
– Buch „Von Stadtbahn und Bus“, 2007
– Leipziger Stadtverkehr www.bimmelbus-leipzig.de

Autor/in: Dave Tarassow

Datum: 12.02.2018

Abbildungen: Dave Tarassow, Mai 2007 / Juni 2015