Pittler

image_pdfimage_print

Titel des Objekts:

  • ursprünglich: W. von Pittler AG
  • später: Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik
  • später: VEB Drehmaschinenwerk Leipzig (DREMA)

Adresse: Leipzig, Pittlerstr. 26

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie / Maschinenbau

Kurzcharakteristik: Unternehmen zur Herstellung von Werkzeugmaschinen, insbesondere: Pittler-Revolverdrehbänke und Ein- und Mehrspindel-Automaten; selbstlösende Gewindeschneideköpfe und stufenlos regelbare Flüssigkeitsgetriebe.

Datierung: gegründet 1889

Objektgröße: ca. 4000 m² Werkhallenfläche

Heutige Nutzung: Industrieruine / Leerstand

Bau- und Firmengeschichte: Pittler war ein sehr bekannter Firmenname in der Messe-Stadt Leipzig und gehörte zu den größten Werkzeugmaschinenherstellern in Deutschland.
Auch der Nachfolgebetrieb, VEB Drehmaschinenwerk Leipzig (VEB DREMA Leipzig), setzte diese Erfolgsgeschichte nach 1948 fort. Zum VEB DREMA gehörte eine eigene Betriebsberufsschule in der Pfaffendorfer Straße (ehemals Dr. Kurt-Fischer-Straße; heute steht dort das Gondwana Land des Zoos Leipzig).
1889 Gründung der Maschinenfabrik „Invention“ Wilhelm von Pittler in Leipzig Gohlis zur Herstellung und Vertrieb von Maschinen. Gerade in der Zeit, wo der Werkzeugbau boomt, entwickelt er sich schnell und wird bereits 1895 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, damit steht mehr Kapital zur weiteren Vergrößerung bereit. Es ist die eigentliche Geburtsstunde der „Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. Von Pittler AG“. Parallel zur neuen Firmengründung entsteht 1899 in Leipzig-Wahren ein großes Werksgelände als Basis der neuen AG. Vorzeigeprodukt der Leipziger sind Revolverdrehbänke, welche weltweit Absatz finden. Die Geschäfte laufen sehr gut und es folgt ein stetiger Ausbau. So entsteht im Stadtteil Plagwitz eine eigene Gießerei, um dort eigene Gussteile für die Maschinen herzustellen, sowie weitere kleinere Betriebseinheiten. In der Hochzeit der 1920er Jahre, 1928, übernimmt man die Aktienmehrheit an der „Magdeburger Maschinenfabrik AG“ und schluckt damit einen der größten Konkurrenten in der Region. Die Pittler Werke sind das Zentrum des Stadtteiles Leipzig-Wahren und so geben sie mehreren tausend Arbeitern eine Lebensversorgung.
Von den Weltkriegen profitiert Pittler. Große Rüstungsaufträge ersetzen das Friedensprogramm, doch genau dieser Punkt bringt das Unternehmen auch zu Fall. Nach dem Krieg 1945 werden durch die Amerikaner bei ihrem Abzug aus Leipzig viele Werksunterlagen und „wichtige Pittler-Leute“ als Fachpersonal mit gen Westen genommen, wo sich bald in Langen (Taunus) eine neue „Pittler AG“ etablierte und 1950 dort die ersten Revolverdrehbänke produzierte.
Die Firma in Leipzig wurde ab 1945 wegen ihrer Verstrickung als Teil der Kriegsproduktion zwangsverwaltet. Um für einen Teil der ehemaligen Belegschaft Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wurde im Februar 1946 die Firma A. H. Paul, vormals Pittler AG, gegründet, jedoch zum 1. September 1946 wieder aufgelöst, womit das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig gegründet wurde. Das Unternehmen wurde auf der Grundlage des Volksentscheids in Sachsen 1946 enteignet. Zum 31. Dezember 1949 erlosch das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig.
Das Vermögen des enteigneten Unternehmens wurde dann nach 1948 für den Aufbau des neuen VEB Drehmaschinenwerk Leipzig in der Dr. Kurt-Fischer-Straße (heute Pfaffendorfer Straße) eingesetzt. Die Sowjetische Militär-Administration (SMAD) richtete im Wahrener Werk ein „Konstruktionsbüro STKB 4“ ein, was Dezember 1949 zur Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) in der Vereinigung „Transmasch“ umgewandelt wurde. Wegen Kriegsproduktion wurden Ausrüstungen demontiert und nach Russland verbracht. Schließlich wurde am 31. Dezember 1953 der Betrieb dem zuständigen Ministerium der DDR-Regierung übergeben und firmierte zunächst unter dem Namen“ VEB Wissenschaftlich-Technisches Büro für Werkzeugmaschinen (VEB WTB)“. Ab 1956 plante man die Zusammenführung von VEB WTB mit dem VEB Drehmaschinenwerk, was durch die juristische Vereinigung am 1. Juni 1959 auch geschah. Von nun an führte das Werk in Wahren den Namen „VEB Drehmaschinenwerk Leipzig“. 1959 vergrößert sich der Betrieb durch die Eingliederung des „VEB Centex Leipzig“ und so wird es wieder einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Die Produktion wird später im Rahmen staatlich verordneter Spezialisierungsmaßnahmen auf die Herstellung von Mehrspindelautomaten umgestellt und die Produktion von Revolverdrehmaschinen wurde auf andere Firmen verlagert. Mit dieser Maßnahme ging ein wichtiger Teil der internationalen Bedeutung der Firma verloren. Die Mehrspindelautomaten mit 6 oder 8 Spindeln haben im sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW), aber auch auf dem Weltmarkt einen guten Namen. Die Mehrspindelautomaten wurden zum großen Teil als Grundmaschinen in die UdSSR und zu einem kleineren Teil als komplette Bearbeitungszentren am Markt abgesetzt. Für die Konstruktion der bedarfsgerechten Nebenaggregate für die Bearbeitungszentren gab es im Werk eine große Konstuktionsabteilung. Mit der Gründung der Kombinate wird das Drehmaschinenwerk 1969 in das „Werkzeugmaschinenkombinat 7. Oktober Berlin“ eingegliedert. Ab 1982 erfolgte eine Kooperation mit der Gildemeister AG in Bielefeld.
Nach der Wende versucht man das Werk in Leipzig zu sanieren und durch eine Privatisierung zur „Pittler-Tornos Werkzeugmaschinen GmbH“ zu sichern. Doch der Erfolg bleibt aus, die Altlasten sind zu groß für das finanzielle Kapital und so geht das Unternehmen 1997 in den Konkurs.
Es ist das endgültige Ende für den Namen Pittler in Leipzig, ein großes Kapitel der sächsischen Werkzeugmaschinentradition wird dadurch geschlossen. Die Firma EMAG Leipzig Maschinenfabrik wird 1999 nach der Insolvenz von Pittler – Tornos gegründet. Es kommt zur Übernahme von PITTLER-TORNOS und Eingliederung in die EMAG Leipzig Maschinenfabrik und dann Ausbau zum heutigen Marktunternehmen für die nördlichen und östlichen Bundesländer Deutschlands.

Objektbeschreibung: Das Werksgelände in Wahren umfaßt das Straßen Geviert Pittlerstraße, Stammerstraße, Am Börnchen und wird im Norden durch die neue Travniker Straße geteilt, bzw. getrennt. Auf dem Gelände befindet sich entlang der Stammerstraße das Hauptgebäude und dahinterliegend einzelne Werkhallen. Ursprünglich gab es auf dem Gelände eine Dampfmaschine, die die Hauptenergiequelle für diese Fabrik bildete. Interessant ist, daß auf dem Werksgelände ein Freibad existierte, welches bis in die 1970 Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich war. Später wurde dieser Geländeteil an die russische SAG Roter Stern abgegeben. Die Qualität und die Größe der Gebäude gehen aus den beigefügten Bildern hervor. Diese Bilder beschreiben den gegenwärtigen Zustand der Gebäude. Eine historische Ansicht zeigt das Neuwerk nach der Errichtung nach dem Jahr 1898.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 11.03.2020

Abbildungen: